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Schomberg (Szombierki)

Günther Jendryschik i Schamberger Wörterbogen – język dawnych Szombierek

Günther Jendryschik – „Schamberger Wörterbogen“. Kindheit im Grenzland und die Sprache des alten Schomberg

Schamberger Wörterbogen · 1987

Wodzonka, Haschok, Maschlonka, Utopletz, Boikes. Auf den ersten Blick können diese Wörter aus den Aufzeichnungen eines ehemaligen Schombergers fremd wirken. Liest man sie jedoch mit schlesischem Klang, treten hinter der deutschen Schreibweise vertraute Formen hervor: wodzionka, hasiok, maślonka, utoplec und bojki. Und plötzlich klingt vieles wieder erstaunlich vertraut.

Wodzonka→wodzionka Haschok→hasiok Maschlonka→maślonka Utopletz→utoplec Boikes→bojki

Der Verfasser dieses ungewöhnlichen kleinen Wörterbuchs war Günther Jendryschik (1925–1995), ein gebürtiger Schomberger. Im November 1987 veröffentlichte er im „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“ seinen augenzwinkernd betitelten Text „Schamberger Wörterbogen“.

Jendryschik wollte kein wissenschaftliches Wörterbuch verfassen. Er schrieb die Sprache seiner eigenen Kindheit nieder, so wie sie ihm nach Jahrzehnten in Erinnerung geblieben war. Und diese Kindheit spielte sich tatsächlich in einem zweisprachigen Umfeld ab. Bereits 1975 bezeichnete er gemeinsam mit Siegfried Kowollik Schomberg rückblickend als „Zweisprachengebiet“ und erinnerte daran, dass außerhalb der Schule sehr viel Polnisch gesprochen wurde.

Die Sprache des alten Schomberg lässt sich deshalb nur schwer in starre Lehrbuchkategorien pressen. Lokale, slawische und deutsche Elemente gingen im Alltag selbstverständlich ineinander über. Mitunter erhielt sogar ein slawischer Wortstamm eine deutsche Endung. Ein gutes Beispiel sind die örtlichen bojki, also Geschichten und Schwänke, die Jendryschik als „Boikes“ notierte.

Inhaltsverzeichnis

Hof, Haus und Kindheit

Auf dem Hof befand sich der Hasiok, manchmal auch ein Misthaufen. Jendryschik schreibt ohne Umschweife, dass es dabei an entsprechendem Geruch nicht mangelte. Die Fußböden wurden mit einem Lappen gewischt, und zum Ausrollen des Teigs diente die Nudelkula. Die Ryczka war ein niedriger Schemel oder Fußtritt; in einem der örtlichen Scherze reichte sie sogar als „Reisemittel“ – höchstens mit der Ryczka unters Bett.

Im Haus lief man in Papucie oder Lacie herum, und die kleinsten Kinder trugen mitunter so kurze Hemden, dass der Pępek zu sehen war. Für Disziplin sorgten die Eltern: Väter griffen zum Gürtel, Mütter eher zum Hausschuh. Temperamentvolle Jungen hießen etwa Schuß; aus dem kleinen Hoppek wurde später vielleicht ein Gupielok oder Chachar, der mit anderen Chacharen auf der Straße unterwegs war. Ein kleines Mädchen war eine Dziewka, manchmal liebevoll ein Kocik, später eine Dziewa. Und wenn am Morgen ein Säugling lautstark weinte, konnte er kurzerhand zum Budzik werden.

Schicht und Sonntagskleidung

Für viele Väter bestimmte die Schicht auf der Grube den Tagesrhythmus. Sie trugen meist einen Schnurrbart und rasierten den Bart mit der Brzitfa. Im Winter kam auf dem Weg zur Arbeit die Baranienka auf den Kopf, über der Schulter hing die Torba. Darin lagen eine Schnitte Brot mit Spirka und häufig auch eine Plaskówka, eine flache Flasche. In der Pfeife rauchte man Pressowka, während die Jüngeren sich eher einen Skrent drehten. Die Eleganz war dem Sonntag vorbehalten: Die Väter holten Schlips und Kraglik hervor, die Großväter trugen ein Vorhengla – einen steifen, festlichen Hemdbrust-Einsatz – und gingen so zur Kirche. Ältere Frauen banden sich die Hustka, jüngere trugen Ketzki und Spodnitze.

Der Geschmack des alten Schomberg

Jendryschik erinnert an eine ganze Reihe von Speisen, deren Namen zum damaligen Alltag gehörten: Wodzionka, Ścierka, Smażonka, Karminadle, Krupnioki, Żymloki, Hekele, Placki, Maślonka, Kluski, Modra Kapusta, Krolik, Makówki, Moczka, Pierniki und Kakauszale. Frische, noch warme Krupnioki und Żymloki kaufte man in Beuthen bei „Dingetal“, wie Jendryschik den Namen erinnerte. Beuthener Quellen belegen tatsächlich den Familiennamen Dingethal, auch im Fleischerhandwerk.

Dominium und Kinderstreifzüge

Bei seinen Erinnerungen an das Essen verwendet Jendryschik an einer Stelle ein schlichtes Wort: Bieda – Armut. Freitags gingen die Kinder zur Molkerei im Dominium, um Maślonka zu holen. Auf die großen Felder des Gutes zog man außerdem, um Mlecze für die Kaninchen zu sammeln. Dabei war Aufmerksamkeit gefragt, denn jederzeit konnte der berittene Aufseher Pitarek auftauchen. Dann galt es, den Zaun zu erreichen, bevor der Reiter die kleinen Eindringlinge einholte.

Jendryschik erinnert sich außerdem daran, dass man im Winter kaschelte. Das schlesisch-deutsche Verb bezeichnet das Gleiten oder Rutschen auf dem Eis. Fehlte die Ausrüstung, dienten Bretter einer alten Betzka als Skier. Heute würde man im Raum Beuthen für ein Ausrutschen vielleicht eher klojznąć oder klojzdnąć sagen; eine gemeinsame Etymologie dieser Wörter ist damit jedoch nicht behauptet.

Orte und Menschen

Das Schomberg der Vorkriegszeit bestand in der Erinnerung aus einem dichten Netz von Orten und Menschen, zu denen man einfach „ging“. Man traf sich an der Panienka oder am Transformator beim Haus von Dr. Scholz. Semmeln holte man bei Bursig oder Mazkowski, Krakauer oder Oppler bei Kowollik oder Urbainczyk. Auf ein Bier ging man zu Schyska oder Bialas. Bei Pokladnik bekam man Salmiakpastillen durch das Küchenfenster, und nach der Kirche kaufte man bei Koston Kokosflocken. Jendryschik nennt außerdem Menschen, die ihm im Gedächtnis geblieben waren: die dicke Walterka, den alten Kotzybik, den kleinen Kapelonek, Lehrer Bautek und Fleischbeschauer Wenzel.

Bojki am Żeleźniok

Die langen Winterabende verbrachte man am warmen Żeleźniok. Wenn in den Häusern die Karbidka brannte, wurden Bojki erzählt. In diesen örtlichen Geschichten erschienen Utopletz und Smora, ebenso der aus dem Bergmannsbrauchtum bekannte Skarbnik. Jendryschik erinnert auch an eine Schomberger Erzählung über den alten Karol Godula: Nachts sollte der mächtige Industrielle mit seiner Kutsche durch die leeren Straßen Schombergs fahren, während die Pferde anstelle ihrer Köpfe lodernde Flammen trugen.

Bräuche im Jahreslauf

Der Jahreslauf war von festen Bräuchen geprägt. Um Neujahr zog die Kollende durch die Häuser, an Dreikönig gingen verkleidete Kinder singend von Haus zu Haus. Der Ostermontag konnte so ausgiebig begossen werden, dass Mädchen und Frauen ihre nassen Ketzki und Spodnitze mehrmals am Tag wechselten und auswrangen. Im Juni gab es auf dem Sportplatz das Johannisfeuer und auch den Rummel. Ein kleines Kinderkarussell wurde noch von älteren Jungen mit Muskelkraft angetrieben. Die Regel lautete: „dreimal drücken – einmal fahren“. Im Herbst ließ man selbst gebaute Drachen steigen und verbrannte sich beim Kartoffelfeuer die Finger; zu Allerheiligen passierte Ähnliches beim Anzünden der Kerzen auf dem Friedhof.

„dreimal drücken – einmal fahren“

Für die Bergleute war die Barbórka ein besonderer Tag: Es gab Freibier, Wurst und Semmeln. Jendryschik fügt mit trockenem Humor hinzu, dass danach auch zahlreiche Betrunkene auf den Straßen zu sehen waren. Anfang Dezember hingen bei Zaja in der Wilhelmstraße Nikolauslarven im Schaufenster. Für die Kinder war eine volle Tüte vom Nikolaus zweifellos die angenehmere Aussicht als Dresche vom Knecht Ruprecht – oder gar vom gefürchteten Dziobok.

Vom „Wörterbogen“ zum „Schomberger Lexikon“

Jendryschik las seinen „Schamberger Wörterbogen“ bei der Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg in Laubach vor. Laut der Notiz im „Heimatblatt“ sorgte der Text unter den ehemaligen Schombergern für große Heiterkeit und stürmischen Beifall. Damit war die Idee noch nicht beendet: Siegfried Kowollik bat die Leser um weitere „Schomberger Ausdrücke“. Wenn genügend Material zusammenkäme, könne daraus sogar ein „Schomberger Lexikon“ entstehen.

Ob dieses vollständige Lexikon jemals verwirklicht wurde, ist bislang nicht bekannt. Geblieben sind jedenfalls die beiden Seiten Jendryschiks – und erstaunlich viele Wörter, die nach so vielen Jahrzehnten in Beuthen und Szombierki noch immer vertraut klingen.

Quellen und Bibliografie

Hauptquelle

Günther Jendryschik, „Schamberger Wörterbogen“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1987, S. 31–32.

Grundlegende und kontextuelle Quellen

  1. Günther Jendryschik, Siegfried Kowollik, „Ein Schomberger Lehrer feiert seinen 80. Geburtstag!“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 2, Februar 1975, S. 15–16.
  2. Günther Jendryschik, „Zirkus Belli in Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 5, Mai 1978, S. 29–30.
  3. Siegfried Kowollik, „Der Arbeitskreis «Schomberger Heimatgeschichte»“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 4, April 1979, S. 32–33.
  4. Günther Jendryschik, „Das Schrammelorchester in Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 6, Juni 1979.
  5. Siegfried Kowollik, „Schomberger Bilderbogen“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1979, S. 31–33.
  6. „Schomberger Schul- und Harmonikafreunde in Bad Godesberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 7/8, Juli/August 1981, S. 30–33.
  7. Siegfried Kowollik, „Glanzvolle Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1987, S. 26–30.
  8. „Drei Schomberger Harmonikafreunde“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1990.
  9. FamilySearch Family Tree, Profil: Guenther Jendryschik (1925–1995), ID M819-Y8S.
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Sylwetka Paula Glogera na tle industrialnej zabudowy kopalni. Grafika do artykułu o burmistrzu Szombierek w latach 1937-1939.

Paul Gloger – Bürgermeister von Schomberg am Vorabend des Krieges

Reihe: Gemeinde, Amt, Macht

Paul Gloger — Bürgermeister von Schomberg am Vorabend des Krieges

Deutscher Kommunalbeamter und Bürgermeister des industriell geprägten Schomberg (heute Szombierki) in den Jahren 1937–1939

1890–1983 Königszelt 1933–1937 Schomberg 1937–1939 Klausberg 1939–1945
Paul Gloger, Bürgermeister von Schomberg in den Jahren 1937–1939
Paul Gloger (1890–1983), Bürgermeister von Schomberg in den Jahren 1937–1939. Digitale Rekonstruktion des Porträts auf Grundlage einer Archivfotografie.

Die Geschichte von Schomberg, dem heutigen Szombierki, ist nicht nur die Geschichte von Gruben, Hütten und dem Schaffgotsch-Konzern. Sie ist zugleich die Geschichte einer Gemeindeverwaltung, die das Leben eines Ortes organisieren musste, der nahezu vollständig von der Großindustrie geprägt war. Von 1937 bis 1939 stand Paul Gloger an ihrer Spitze — ein erfahrener deutscher Kommunalbeamter, der zuvor in der Verwaltung von Königszelt, dem heutigen Jaworzyna Śląska, tätig gewesen war.

Seine Amtszeit fiel in die letzten Friedensjahre und die ersten Wochen des Krieges. Die erhaltenen Überlieferungen zeigen ihn als routinierten Verwalter, der sich mit Finanzen, kommunalen Streitfällen, Bergschäden und Wohnungsproblemen beschäftigte. Zugleich entwickelte sich seine Laufbahn unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Staates — ein Kontext, der weder verschwiegen noch durch ein einfaches Urteil ersetzt werden darf.

Herkunft und erste Erfahrungen

Paul Gloger wurde am 18. August 1890 in Hertwigswalde, dem heutigen Doboszowice im Kreis Ząbkowice, geboren. Er war der Sohn des Landwirts Paul Gloger und dessen Ehefrau Anna, geborene Christoph. Er stammte damit aus einem ländlichen Milieu, doch sein weiterer beruflicher Weg führte ihn schon früh vom elterlichen Hof weg.

Die achtjährige Volksschule schloss er als bester Schüler ab. Später besuchte er landwirtschaftliche Kurse in Breslau und ergänzte seine Kenntnisse mit der Zeit durch finanzwirtschaftliche Studien an der dortigen Universität. Aus den erhaltenen Angaben entsteht das Bild eines Mannes, der Bildung vor allem praktisch einzusetzen wusste: in Buchführung, Kontrolle, Arbeitsorganisation und der Verwaltung öffentlicher Mittel.

Seine Verwaltungslaufbahn begann 1908 als Volontär in der Gemeinde Kohlfurt, dem heutigen Węgliniec. Von 1909 bis 1912 arbeitete er als Assistent in der landwirtschaftlichen Kontrolle in Breslau. Er war damals noch sehr jung, sammelte jedoch bereits Erfahrungen in jenen Bereichen, die später die Grundlage seiner beruflichen Stellung bilden sollten.

Vom Husaren zum Verwaltungsbeamten

1912 wurde Gloger zum 2. Leib-Husaren-Regiment in Danzig-Langfuhr einberufen, einer Formation, die als Teil der „Schwarzen Husaren“ bekannt war. Er wurde zum Unteroffizier befördert. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs versah er jedoch nicht ausschließlich Frontdienst. Er arbeitete im Zahlmeisterbüro des Regiments und erhielt 1915 während seines Einsatzes in Frankreich die Funktion eines Feldzahlmeisters der Reserve.

1918 kehrte er von der Front in der Ukraine zurück. Nach Kriegsende arbeitete er noch in der Intendantur in Breslau; 1919 wurde er aus der Reichswehr entlassen. Die militärischen Erfahrungen machten aus ihm keinen Berufsoffizier. Sie schärften vielmehr das Profil eines Verwaltungsbeamten, der mit Finanzen, Versorgung und der Funktionsweise größerer Organisationen vertraut war.

1922 übernahm er die kaufmännische Leitung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Münsterberg, dem heutigen Ziębice. Zugleich engagierte er sich in der kommunalen Selbstverwaltung: zunächst als Gemeindevertreter, später als Mitglied des Magistrats. Seit 1929 lebte er in Schweidnitz, dem heutigen Świdnica, wo er ebenfalls in den örtlichen Rat einzog.

Königszelt und der politische Kontext seiner Laufbahn

1933 wurde Paul Gloger zum Amts- und Gemeindevorsteher von Königszelt, dem heutigen Jaworzyna Śląska, berufen. Seit Oktober desselben Jahres amtierte er als Bürgermeister und war formal für zwölf Jahre gewählt. Offizielle Adressbücher verzeichneten ihn als amtierenden Bürgermeister einer Gemeinde mit rund 3.900 Einwohnern.

Er war jedoch kein Verwaltungsbeamter, der außerhalb des politischen Systems seiner Zeit stand. Nach Darstellungen zur Vorkriegsgeschichte von Königszelt gehörte er seit 1930 der NSDAP an und nahm im Januar 1932 an einem dreiwöchigen Parteikurs in München teil. In Königszelt soll er außerdem einen Vortrag über die Aufgaben der Gemeinde im nationalsozialistischen Staat gehalten haben.

Mit genau diesem administrativen, finanziellen und politischen Erfahrungshintergrund wurde er 1937 nach Oberschlesien versetzt. Dort sollte er eine Gemeinde übernehmen, die wesentlich komplexer war als das vergleichsweise kleine Königszelt.

Der Auftrag in Schomberg

Paul Gloger übernahm am 15. Oktober 1937 das Amt des Amtsvorstehers und Bürgermeisters von Schomberg, dem heutigen Szombierki. Nach späteren Erinnerungen wurde er auf Veranlassung des Beuthener Landrats Freiherr von Wangenheim dorthin geholt, um die Lage nach früheren, nach parteipolitischen Kriterien ausgewählten Verwaltungsleitern zu ordnen.

Dieses Bild stammt vor allem aus späteren Erinnerungen Glogers selbst und aus dem Umfeld ehemaliger deutscher Einwohner. Es ist daher mit Vorsicht zu lesen. Es zeigt jedoch, wie sein Auftreten in Schomberg nach dem Krieg erinnert wurde: als Ankunft eines erfahrenen Beamten, der die finanziellen und organisatorischen Probleme der Gemeinde in den Griff bekommen sollte.

Schomberg war keine gewöhnliche Vorortgemeinde. Ihr Funktionieren war eng mit den Gruben und Betrieben der Schaffgotsch-Unternehmen verbunden. Die Gemeindeverwaltung musste ständig mit der Industrie, den Kreisbehörden und dem benachbarten Beuthen verhandeln. Der Bürgermeister leitete also keinen autonomen Organismus, sondern eine Gemeinde, die von den Entscheidungen eines mächtigen Privatkonzerns und von den Folgen des unterirdischen Bergbaus abhängig war.

Eine von der Industrie abhängige Gemeinde

In einer viele Jahre später gehaltenen Rede schätzte Gloger, dass etwa 97 Prozent der Männer in Schomberg im Bergbau arbeiteten und die Abhängigkeit der Gemeinde von den Schaffgotsch-Unternehmen rund 80 Prozent betrug. Selbst wenn man diese Zahlen als erinnerungsbedingte Annäherung versteht, geben sie den Charakter des Ortes gut wieder.

Der Bergbau prägte auch den Raum. Das Risiko von Bergschäden erschwerte die Genehmigung größerer Bauvorhaben. Bei jedem Projekt musste berücksichtigt werden, was unter der Oberfläche geschah: Grubenbaue, Bodensenkungen und die Interessen der Industriebetriebe.

7 Verwaltungsstreitigkeiten, die — nach späterer Darstellung — zugunsten der Gemeinde beendet wurden
70.000 RM Summe, die in einem der wichtigsten Streitfälle von der Stadt Beuthen erlangt worden sein soll
25 Familien Bewohner von Baracken, für die neue Wohnungen außerhalb der Gemeinde ausgehandelt wurden

Zu den am häufigsten genannten Erfolgen Glogers gehörte der Abschluss von sieben Verwaltungsstreitigkeiten. Einer davon soll Schomberg 70.000 Reichsmark von der Stadt Beuthen eingebracht haben. Mit den gewonnenen Mitteln wurden kleinere, aber sichtbare Maßnahmen verbunden: der Umbau der Ortseinfahrt, die Anlage eines Weges im westlichen Teil der Gemeinde und die Ordnung des Parks.

Den deutlichsten sozialen Charakter hatte der Fall von 25 Familien, die unter schlechten Bedingungen in Baracken am Sportplatz lebten. Nach den überlieferten Berichten führte Gloger Gespräche mit der Direktion der Schaffgotsch-Unternehmen und erreichte, dass ihnen neue Wohnungen in einer Nachbargemeinde zur Verfügung gestellt wurden. Es handelte sich nicht um ein großes Wohnungsbauprogramm, sondern um ein Beispiel für einen für seinen Verwaltungsstil typischen Ansatz: ein konkretes Problem durch Verhandlungen mit der Industrie zu lösen.

Die Menschen im Amt und kommunale Angelegenheiten

Verwaltung war nicht das Werk einer einzelnen Person. In Nachkriegsaufstellungen sind die Namen einiger Beamter überliefert, die mit Gloger zusammenarbeiteten. Ihre Namen erinnern daran, dass hinter den Entscheidungen des Bürgermeisters ein Team stand, das das Meldewesen, die Finanzen, die Korrespondenz, wirtschaftliche Angelegenheiten und die tägliche Betreuung der Einwohner organisierte.

Helene ImmischSekretariat des Bürgermeisters
Hans BulkaStandesamt
Konrad KochanowskiLeiter des Hauptbüros
Günter SchyskaGemeindekasse
Rudolf GriskoWirtschaftsabteilung

Gerade in diesem Bereich zeichnen die Quellen das deutlichste Bild von Gloger. Nicht als Urheber großer ideologischer Projekte, sondern als Bürgermeister, der sich mit den Einnahmen der Gemeinde, der Organisation des Amtes, Straßen, Grünanlagen, Wohnungen und den Beziehungen zu Unternehmen befasste. Diese Perspektive ist wichtig, aber unvollständig — sie wurde zu einem erheblichen Teil durch seine eigenen Erinnerungen und durch Nachkriegstexte aus dem Umfeld ehemaliger deutscher Einwohner geprägt.

September 1939

Der Kriegsausbruch versetzte das grenznahe Schomberg in eine völlig neue Lage. Aus späteren Berichten geht hervor, dass der Ort von polnischer Artillerie aus Richtung Godula und aus dem Raum Hubertushütte beschossen wurde. Gloger soll Kontakt zum Militär aufgenommen haben, um Schutz für die Gemeinde und Informationen über die tatsächliche Gefahrenlage zu erhalten.

Gloger erinnerte sich auch an eine historische Haubitze, die als Bestandteil eines Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs am Rathaus aufgestellt war. Er vermutete, dass ihr Rohr aus der Luft für eine aktive Feuerstellung gehalten worden sein könnte. Dies war seine eigene Deutung, die sich mit den verfügbaren Materialien nicht überprüfen lässt.

Die bekannteste Erzählung betrifft die Nacht vom 2. auf den 3. September. Unter den Einwohnern soll sich Panik ausgebreitet haben; zugleich sei die Absicht entstanden, in Richtung Miechowice und Maciejkowice zu fliehen. Gloger soll sich gemeinsam mit dem örtlichen Polizeikommandanten zu den Grenzgräben begeben haben und sich dabei stellenweise unter Beschuss bewegt haben, um die Lage selbst zu erkunden. Nach seiner Rückkehr soll er die Einwohner davon überzeugt haben, dass der Gemeinde kein unmittelbarer Infanterieangriff drohe, und so eine chaotische Evakuierung verhindert haben.

Das Entscheidende an dieser Geschichte ist nicht das Bild eines Bürgermeisters „an der Frontlinie“, sondern der Versuch, Informationen zu beschaffen, als Gerüchte und Angst begannen, das Handeln der Verwaltung zu ersetzen.

Heute lassen sich nicht mehr alle Einzelheiten dieser Episode klären. Der Bericht bleibt jedoch ein interessantes Zeugnis dafür, wie Gloger Jahrzehnte später die Rolle eines lokalen Verwaltungsleiters verstand: als die eines Menschen, der auch im Chaos des Krieges Informationen prüfen und Ordnung unter der Zivilbevölkerung aufrechterhalten sollte.

Klausberg und das Kriegsende

Am 15. November 1939 beendete Gloger seine Tätigkeit in Schomberg und übernahm das Bürgermeisteramt in Klausberg, dem heutigen Mikulczyce. Die neue Gemeinde zählte etwa 20.000 Einwohner und war damit deutlich größer als die von ihm zuvor geleitete Gemeinde.

Nachkriegstexte beschrieben ihn als Beamten, der gegenüber dem unmittelbaren Diktat örtlicher Parteistrukturen Distanz gewahrt und sich an Vorgaben staatlicher Aufsichtsbehörden orientiert habe. Diese Charakterisierung ist als Bewertung aus dem Umfeld ehemaliger Einwohner zu behandeln, nicht als Beweis politischer Unabhängigkeit. Gloger blieb Bürgermeister innerhalb der Strukturen des Dritten Reiches.

In Klausberg blieb er bis Januar 1945. Gegen Kriegsende verließ er Schlesien. In Erinnerungsquellen erscheint das Bild seiner Abreise „mit der Panzerfaust in der Hand“. Anschließend meldete er sich zum Militärdienst und kämpfte auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Nach Ende der Kampfhandlungen wurde er von den Amerikanern interniert und blieb bis August 1947 in Internierung.

Nachkriegsjahre und die Erinnerung an Schomberg

Nach seiner Entlassung ließ sich Gloger in Alten-Buseck in Hessen nieder, wo er ein Haus baute. Den Kontakt zum Umfeld ehemaliger Einwohner Oberschlesiens brach er jedoch nicht ab. Auch im hohen Alter beteiligte er sich an Treffen und Initiativen, die der Bewahrung der Erinnerung an das Vorkriegs-Schomberg dienten.

Am 10. und 11. Mai 1975 nahm er am zweiten Klassentreffen in Bonn-Bad Godesberg teil. Dort hielt er eine Rede über die soziale Struktur Schombergs und die Schwierigkeiten bei der Verwaltung der Gemeinde. Er unterstützte das Sammeln von Materialien zur lokalen Geschichte und erklärte, diese Arbeit möglichst sachlich und unpolitisch führen zu wollen. 1978 sandte er den Teilnehmern eines weiteren Treffens Grüße.

Ehemalige Mitarbeiter und Autoren von Erinnerungstexten hoben sein sehr gutes Gedächtnis für Verwaltungs- und Kommunalfragen hervor. S. Kowollik bezeichnete seine Haltung als geradlinig, christlich und humanitär. Dabei handelt es sich jedoch um persönliche Einschätzungen aus einem Milieu, das die Erinnerung an verlorene Heimatorte pflegte. Sie informieren über Glogers Nachkriegsbild, können aber die Analyse seiner amtlichen Tätigkeit während der Zeit des Dritten Reiches nicht ersetzen.

Paul Gloger starb am 26. April 1983 im Alter von 92 Jahren in Alten-Buseck.

Wie ist Paul Gloger einzuordnen?

Paul Gloger lässt sich weder bequem in das Bild eines lokalen Wohltäters einordnen noch auf das vereinfachte Porträt eines anonymen Funktionärs der Diktatur reduzieren. Er war Mitglied der NSDAP und bekleidete seine Ämter im Rahmen einer Laufbahn, die sich im nationalsozialistischen Staat entwickelte. Dieser Umstand darf aus seiner Biografie nicht ausgeblendet werden.

Zugleich zeigen die erhaltenen Materialien konkrete Verwaltungsentscheidungen: geführte Streitverfahren, eingeworbene Mittel, kleinere Investitionen, Wohnungsverhandlungen sowie Maßnahmen in den ersten Kriegstagen. Eine quellennahe Darstellung sollte beide Ebenen gleichzeitig sichtbar machen — die politische Einbindung und die alltägliche Verwaltungspraxis.

Aufgabe dieses Textes ist es weder, Gloger zu rechtfertigen, noch ein Urteil zu fällen, das über die Quellen hinausgeht. Seine Biografie zeigt vielmehr, wie die Verwaltung einer industriell geprägten Gemeinde auf lokaler Ebene funktionierte, wie berufliche Kompetenz mit Loyalität gegenüber dem System zusammenhing und wie nach dem Krieg die Erinnerung an deutsche Beamte des früheren Oberschlesiens geformt wurde.

Paul Gloger — Chronologie

18. August 1890

Geboren in Hertwigswalde, dem heutigen Doboszowice.

1908

Beginn seiner Tätigkeit als Volontär in der Gemeinde Kohlfurt.

1909–1912

Tätigkeit in der landwirtschaftlichen Kontrolle in Breslau.

1912

Einberufung zum 2. Leib-Husaren-Regiment in Danzig-Langfuhr.

1914–1919

Tätigkeit im Zahlmeisterdienst; Einsatz unter anderem in Frankreich und in der Ukraine.

1922

Kaufmännischer Leiter einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Münsterberg und Einstieg in die kommunale Selbstverwaltung.

1930

Nach einer Darstellung zur Geschichte Königszelts war er zu diesem Zeitpunkt bereits Mitglied der NSDAP.

1933

Übernahme eines Amtes in Königszelt und anschließend des Bürgermeisterpostens der Gemeinde.

15. Oktober 1937

Amtsvorsteher und Bürgermeister von Schomberg.

2./3. September 1939

Nach späterer Darstellung Erkundung der Lage am Rand der Gemeinde und Maßnahmen gegen die Panik unter den Einwohnern.

15. November 1939

Übernahme des Bürgermeisteramts in Klausberg, dem heutigen Mikulczyce.

Januar 1945

Verlassen Schlesiens und Meldung zum Militärdienst.

1945–August 1947

Internierung durch die Amerikaner.

10.–11. Mai 1975

Teilnahme an einem Treffen ehemaliger Einwohner in Bonn-Bad Godesberg.

26. April 1983

Tod in Alten-Buseck in Hessen im Alter von 92 Jahren.

Bibliografie und verwendete Quellen

Im Folgenden sind die wichtigsten Quellen zusammengestellt, die für die Rekonstruktion der Biografie Paul Glogers und für diesen Beitrag herangezogen wurden:

Regionalpresse und Heimatpublikationen

  • Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt — Ausgaben aus den Jahren 1975 (Nr. 9 — Bericht über das Klassentreffen in Bonn-Bad Godesberg und die Rede P. Glogers über die soziale Struktur Schombergs), 1977 (Nr. 10), 1978 (Nr. 7/8), 1979 (Nr. 11), 1983 (Nr. 6) sowie 1989 (Nr. 5 — ausführlicher Beitrag von Leonhardt Maniura über den Kriegsausbruch und Glogers Erinnerungen an den September 1939).
  • Der Oberschlesische Wanderer — Ausgaben von 1938 (Nr. 236) und 1939 (Nr. 46).

Offizielle Register und amtliche Adressbücher

  • Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel, Band IV — amtliche Adressverzeichnisse, die unter anderem Glogers Bürgermeisteramt in Königszelt (heute Jaworzyna Śląska) sowie demografische Angaben zur Gemeinde dokumentieren.

Ergänzende Darstellungen und Ortsidentifikation

  • „Königszelt przed II wojną światową“ („Königszelt vor dem Zweiten Weltkrieg“), Teil I und II, Świdnicki Portal Historyczny / SOKiBP — ergänzend herangezogen für Angaben zu Glogers NSDAP-Mitgliedschaft, dem Parteikurs von 1932 und seiner öffentlichen Tätigkeit in Königszelt: Teil I und Teil II.
  • Geschichtliches Ortsverzeichnis, Eintrag „Hertwigswalde, Doboszowice“ — zur Identifikation des heutigen Namens des Geburtsortes: Ortseintrag.
Hinweis zum Charakter der Quellen: Ein erheblicher Teil der Informationen über Glogers Tätigkeit in Schomberg und über die Ereignisse im September 1939 stammt aus Nachkriegserinnerungen und Veröffentlichungen deutscher Heimatkreise. Diese Materialien bewahren wertvolle Namen, Zahlen und lokale Einzelheiten, stellen die Vergangenheit jedoch aus der Perspektive ehemaliger deutscher Einwohner dar. Im Artikel werden deshalb amtliche Angaben von späteren Bewertungen, Anekdoten und Erinnerungserzählungen getrennt.

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Szkic historyczny przedstawiający dawną wieś Szombierki. Na pierwszym planie leży otwarta księga katastru z 1749 roku, za nią widać skromną chłopską chałupę i krowę pasącą się na łące. W tle góruje murowany, bogaty dwór (dominium).

Bevor die Kohle kam. Das bäuerliche Schomberg und das Kataster von 1749

Geschichte von Schomberg · Die Welt vor der Industrie

Bevor die Kohle kam. Das bäuerliche Schomberg

Das Gut, 20 Wirte und das Kataster von 1749 — eine Reise in eine Zeit, als Macht noch in Scheffeln Getreide, Heufuhren und Kühen gemessen wurde.

Stell dir Schomberg (Szombierki) vor: ohne den Förderturm des Krystyna-Schachts, ohne den Rauch über der Industrielandschaft und ohne die Backsteinhäuser, die rund um das Bergwerk entstanden.

Es ist Mitte des 18. Jahrhunderts. In den zwölf im lokalen Kataster verzeichneten Bauernhöfen stehen insgesamt sechzehn Kühe. Ein paar hundert Meter weiter, hinter dem Tor des Dominiums von Georg von Markloffsky, sind es fünfundzwanzig.

Reichtum wird in ausgesätem Getreide, Heufuhren, Vieh und Land gemessen. Der Dorfschulze hat ein Wirtshaus und Fischteiche, ein Bauer, der Land kauft, kann immer noch zur Arbeit für das Gut verpflichtet werden, und die Grenze zwischen dem Adelsdorf und dem nahen Beuthen (Bytom) gipfelt manchmal in einem Streit um Wagen und Pferde.

Das ist noch nicht die Welt der Kohle. Die Erde verbarg noch nicht den größten Schatz unter ihrer Oberfläche. Sie war selbst der Schatz.

Der Ritter aus Meißen und die Spur, die in Prag endet

Jahrzehntelang wurde in lokalen Publikationen eine sehr attraktive Geschichte über die Anfänge von Schomberg wiederholt.

Der Name des Ortes sollte vom Rittergeschlecht von Schönberg aus Meißen stammen. Mit diesem Geschlecht wurde Fridericus de Schonenburch in Verbindung gebracht, der in einer Urkunde des Beuthener Herzogs Kasimir, ausgestellt in Prag am 10. Januar 1289, erwähnt wird.

Die Geschichte schrieb sich quasi von selbst. Ein Ritter erhält Land, holt Siedler aus seiner meißnischen Heimat, und das neue Dorf wird nach seinem Geschlecht benannt.

Das Problem ist, dass mittelalterliche Dokumente weniger romantisch sind.

Fridericus taucht in der Urkunde von 1289 zwar auf — aber ausschließlich als einer von vielen Zeugen. Das Dokument verliert kein Wort über Schomberg, nennt ihn nicht als Besitzer der hiesigen Ländereien und erwähnt keinerlei Verleihung oder Dorfgründung.

Künstlerische Visualisierung der Ausstellung einer Urkunde in Prag im Jahr 1289 mit einem Ritter als Zeugen
Anschauliche Visualisierung. Unter den Zeugen der Urkunde des Beuthener Herzogs Kasimir, ausgestellt in Prag im Jahr 1289, wird Fridericus de Schonenburch genannt. Wir kennen weder sein Aussehen noch haben wir Beweise, dass er der Besitzer oder Gründer von Schomberg war.

Darüber hinaus führt die Form Schonenburch nicht automatisch zu den meißnischen Schönbergs. Im gleichen Zeitraum agierte auch das separate Geschlecht von Schönburg, das im böhmisch-mährischen politischen Umfeld präsent war und in Dokumenten mit sehr ähnlichen Namensformen verzeichnet wurde.

Die alte Theorie muss also nicht völlig unmöglich sein. Aber wir können sie heute nicht mehr als unumstößlichen Fakt erzählen.

Anfang des 14. Jahrhunderts. Das Dorf tritt aus dem Dunkel

Die belegte Geschichte von Schomberg beginnt wahrscheinlich früher, als in lokalen Ausarbeitungen lange Zeit angenommen wurde.

Der Historiker Jan Kopiec verweist, unter Berufung auf die Forschungen des Sprachwissenschaftlers Henryk Borek, auf eine Erwähnung bereits aus dem Jahr 1315. Schomberg soll damals im Zusammenhang mit der Verleihung der Hälfte einer Mühle an Johannes, den Propst der St.-Margarethen-Kirche in Beuthen, erwähnt worden sein.

Weitere Spuren finden sich 1321, als in den Quellen eine Person namens Johannes Zchamboris verzeichnet ist, und 1346, als die Form de Sambor auftaucht.

Besonders eindeutig ist jedoch die Urkunde vom 26. Januar 1369. Darin erscheint der Name Schonenberg, verbunden mit einer konkreten Information über den Ort selbst: Schomberg wurde in die dynastische Teilung des Beuthener Landes zwischen der Teschener und der Oelsner Linie einbezogen.

Hier haben wir keinen Mann mehr mit einem ähnlich klingenden Namen oder eine spätere Rekonstruktion.

Wir haben ein Dorf und einen konkreten Fakt aus seiner Geschichte.

Wir wissen immer noch nicht genau, wann Schomberg gegründet wurde. Wir kennen weder seine Gründungsurkunde noch den Namen des Mannes, der als Erster die örtlichen Höfe absteckte.

Der Klang von zwanzig Groschen

In einer Ausarbeitung über die älteste Geschichte von Schomberg, die dem Rektor und Heimatforscher Paul Franzke zugeschrieben wird, findet sich ein äußerst interessanter Eintrag vom 22. April 1660.

Laut Franzke verzeichnete das Beuthener Stadtbuch damals eine Sammlung der umliegenden Orte für die Reparatur einer wichtigen Brücke. Jeder bäuerliche Besitzer sollte einen böhmischen Groschen zahlen.

1 böhmischer Groschen pro Besitzer
20 Groschen zahlte Schomberg
20? Besitzer laut Franzkes Schlussfolgerung

Franzke zog daraus den einfachen Schluss: Von der Abgabe waren zwanzig örtliche Besitzer betroffen.

Noch interessanter ist, dass — ebenfalls nach seinem Bericht — das Urbar von 1672 dazu passte, das neben dem Dorfschulzen neunzehn weitere Besitzer aufführte.

Der Schulze war jedoch nicht nur einer von zwanzig. Er hatte einen größeren Hof und dazu ein Wirtshaus und zwei Fischteiche.

Künstlerische Visualisierung des alten Schombergs mit dem Hof des Schulzen, einem Wirtshaus und Fischteichen
Anschauliche Visualisierung. Nach dem Material, das sich auf das Urbar von 1672 stützt, verfügte der Schomberger Schulze über einen größeren Hof, ein Wirtshaus und zwei Fischteiche. Anordnung und Aussehen der Gebäude auf der Illustration sind symbolisch.

Franzke ging in seiner Rekonstruktion noch weiter. Er nahm an, dass die Struktur von zwanzig Höfen bis in die Gründungszeit des Dorfes zurückreichen könnte, und leitete genau daraus die spätere Geschichte über den Siedelmeister und neunzehn Siedler aus Meißen ab.

Die Herren von Schomberg gegen die Beuthener Bürger

Das neuzeitliche Schomberg war ein Adelsdorf und Rittergut.

Das ist sehr wichtig, denn das nahe gelegene Beuthen war ein völlig anderer Organismus: eine Stadt mit eigenen Behörden, Bürgern, Rechten und Interessen.

Ein paar Kilometer Entfernung bedeuteten keine gemeinsame Gerichtsbarkeit.

Und manchmal flogen die Funken.

Franz Gramer erwähnt Konflikte, bei denen die Herren von Schomberg den Beuthener Bürgern Wagen und Pferde abnahmen, wenn diese auf dem Weg in den Wald zum Holzsammeln über ihr Land fuhren.

Künstlerische Visualisierung eines Streits auf der Straße zwischen Vertretern des Gutes Schomberg und Beuthener Bürgern
Anschauliche Visualisierung. Franz Gramer berichtet von der Beschlagnahmung von Wagen und Pferden Beuthener Bürger während der Durchfahrt durch die Ländereien von Schomberg. Das Aussehen der Personen, des Wagens und der Landschaft hat illustrativen Charakter.

Wir müssen heute nicht klären, welche Seite ihr Vorgehen für rechtlich begründet hielt.

Die bloße Tatsache zeigt etwas Wichtigeres: Die Grenze zwischen Beuthen und Schomberg war nicht nur eine Linie auf der Landkarte. Es war eine Grenze des Eigentums, der Rechte und der Macht.

Franz Stodolka nennt, unter Berufung auf die Akten des Grundbuchs der Freien Standesherrschaft Beuthen aus dem Jahr 1700:

Friedrich von Koschitzki auf Schomberg.

Der Herr von Schomberg ist nicht mehr anonym.

Aber noch interessanter ist das, was ein halbes Jahrhundert später passiert. Dann werden uns die Dokumente nicht nur den Gutsbesitzer zeigen.

Sie werden die Menschen zeigen, die hinter dem Pflug herliefen.

Der preußische Beamte schaut in den Kuhstall

Nach der Übernahme des größten Teils Schlesiens durch Preußen begann die neue Verwaltung systematisch das Vermögen zu erfassen, von dem Steuern erhoben werden konnten.

Das Kataster für den Kreis Beuthen wurde am 13. August 1749 fertiggestellt.

Paul Franzke stieß auf dieses Material und veröffentlichte 1925 in der Zeitschrift „Aus dem Beuthener Lande“ eine Zusammenstellung über Schomberg.

Dank ihm können wir etwas Außergewöhnliches tun.

Wir können den Schombergern des 18. Jahrhunderts fast in die Scheunen und Kuhställe blicken.

Künstlerische Visualisierung der Erstellung des Katasters in Schomberg 1749 und der Erfassung des Viehbestandes eines Bauern
Anschauliche Visualisierung. Das Kataster von 1749 erfasste unter anderem die Größe der Aussaat, die Heumenge und die Anzahl der Kühe, die zu den Höfen von Schomberg gehörten. Das Aussehen des Beamten, des Hofes und der Bewohner ist fiktiv.

Den Beamten interessierte nicht, ob der Bauer von den Nachbarn gemocht wurde oder wie sein Haus aussah. Er wollte wissen, wie viel das Land produzieren konnte.

Ackerland wurde nach der Menge des für die Aussaat benötigten Getreides beschrieben. Wiesen — nach der Menge des Heus, das von ihnen geerntet wurde.

Und daneben wurde das Vieh notiert.

Und plötzlich treten konkrete Menschen aus den Zahlenkolonnen hervor.

Die im Kataster verzeichneten Menschen

Halbbauern — die stärkeren Wirte

Vier Halbbauern hatten fast identische Höfe: jeweils 9 Scheffel Winter- und 9 Scheffel Sommeraussaat, jeweils 2 Heufuhren und jeweils 2 Kühe.

  • Matthes Polpantzek
  • Casper Pawlitta
  • Michel Klokotsch
  • Laurentz Bontzek

Eine Kuh und ein paar Scheffel Land

Die meisten der acht Gärtner hatten jeweils 3 Scheffel Winter- und 3 Sommeraussaat, etwa 2/3 einer Heufuhre und 1 Kuh.

  • Andreas Baboroffsky
  • Michel Mierswa
  • Friedrich Krauß
  • Matthes Dzilinsky
  • Blasek Mierswa
  • Valentin Gayda
  • Johann Galea
  • Sophia Kubisca

Fünfundzwanzig Kühe hinter dem Tor des Dominiums

Erst wenn man die Bauernhöfe mit dem Gutshof vergleicht, wird das wahre Ausmaß der lokalen Unterschiede sichtbar.

16 Kühe in den zwölf genannten Bauernhöfen
gegen
25 Kühe im Besitz des Dominiums

Vier Halbbauern hatten zusammen 8 Kühe. Acht Gärtner — weitere 8.

Hinter dem Tor des Gutes standen mehr Kühe als bei all diesen Wirten zusammen.

Ein noch größeres Missverhältnis zeigt sich bei den Aussaaten. Während ein typischer Gärtner mit jeweils 3 Scheffeln Winter- und Sommeraussaat verzeichnet war, erreichte das Dominium 115 Scheffel und 8 Metzen in jeder dieser beiden Kategorien.

Dazu kamen 12 Heufuhren.

Der Besitzer des Gutes war damals Georg von Markloffsky.

Und man darf nicht vergessen, dass die Gutsherrschaft Schomberg nicht nur den Gutshof an der Schomberger Straße umfasste. Zu diesem Güterkomplex gehörten 1749 auch Orzegow und Bobrek.

Später ging das Gut in die Hände der Brüder Leopold und Karl von Hochberg über, und danach an Freiherr von Gruttschreiber. Franzke nannte den Kaufpreis: 34.000 Reichstaler.

Die Namen der Besitzer änderten sich.

Der bäuerliche Lebensrhythmus änderte sich viel langsamer.

Karpfen und der Lehrer, den wir nicht finden können

Das Kataster hat auch Details bewahrt, die für den heutigen Leser fast exotisch klingen.

Die jährliche Kontribution der Gemeinde wurde auf 418 Taler, 2 Silbergroschen und 5 Heller berechnet.

Gleichzeitig stand den Bewohnern eine jährliche Zuteilung an Fisch zu: ¾ Schock „Karpfen-Samm“ und 1½ Schock „Strich-Karpfen“.

Paul Franzke bemerkte den Widerspruch selbst und versuchte ihn zu erklären. Er konnte jedoch nicht auf Band 198 des Katasters zugreifen, der zusätzliche Informationen hätte enthalten können.

Handelte es sich um ein früheres Lehreramt? Um eine damit verbundene Leistung oder ein Grundstück? Um einen Eintrag, dessen Bedeutung sich im Laufe der Zeit wandelte?

Wir haben keine Antwort.

Und wahrscheinlich gerade deshalb ist dieser einzelne Schulmeister so interessant.

Du hast Land gekauft. Aber warst du frei?

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts begann das alte System undicht zu werden.

Im Jahr 1807 wurden aus dem Dominium Schomberg weitere Ländereien verkauft.

Eine der Parzellen, die bei der alten Pilkermühle lag, nannte man Zydowina . Sie wurde vom Müller Koschmieder gekauft.

Andere Grundstücke erwarben unter anderem der Orzegower Schulze Krzionska und der Häusler Michael Janiczek.

Das klingt schon fast modern. Es gibt Land. Es gibt einen Käufer. Es gibt einen Vertrag.

Nur bedeutete der Kauf von Land noch nicht die Lösung aller Bindungen an die alte Ordnung.

Unterthänigkeit Die Untertänigkeit gegenüber dem Dominium blieb weiterhin Bestandteil des Rechtsverhältnisses.
Laudomium Bei einem Besitzerwechsel war eine Abgabe in Höhe von 10 Prozent vorgesehen.
Robot (Frondienst) Die alte Pflicht zur Arbeit für das Gut. Michael Janiczek musste während der Ernte zwei Tage lang eine arbeitsfähige Person stellen.
Künstlerische Visualisierung der obligatorischen Erntearbeit für das Dominium Schomberg zu Beginn des 19. Jahrhunderts
Anschauliche Visualisierung. Der Vertrag von 1807 legte Michael Janiczek die Pflicht auf, zwei Tage Frondienst (Robot) für das Dominium während der Erntezeit durch eine arbeitsfähige Person zu leisten.
Man konnte Land kaufen. Aber ein Teil deiner Zeit gehörte weiterhin dem Gutshof.

Gerade der Beginn des 19. Jahrhunderts ist einer der interessantesten Momente dieser Geschichte.

Es gibt Abgaben. Es gibt noch Robot — den obligatorischen Frondienst für das Gut. Die alte Ordnung funktioniert noch.

Aber das Land wird immer deutlicher auch zur Ware. Es wird geteilt, verkauft und geht in die Hände neuer Besitzer über.

Das alte System endet nicht mit einem Gesetz und an einem Morgen. Es bekommt einfach immer mehr Risse.

Die 1820er Jahre. Godulla betritt die Bühne

Nach Materialien zu den Forschungen von Paul Franzke erwarb Karl Godulla im Jahr 1826 die Güter Schomberg-Orzegow auf einer Zwangsversteigerung.

Das ist eine perfekte Grenze für unsere Erzählung.

Nicht, weil am nächsten Morgen die Felder verschwanden und die Bauern ihre Sensen gegen Bergbaupickel tauschten.

Das bäuerliche Schomberg existierte noch lange.

Aber allein der Name Godulla kündigt eine Änderung in der Art und Weise an, wie über dieses Land gedacht wurde.

Jahrhundertelang konnte man seinen Wert daran messen, wie viel Getreide das Feld aufnahm, wie viele Heufuhren die Wiese erbrachte und wie viel Vieh der Hof ernähren konnte.

Im 19. Jahrhundert gewann etwas anderes zunehmend an Bedeutung: das, was sich unter der Erde befand.

Wie der weitere Übergang vom alten Dorf zum industriellen Schomberg aussah, beschreibe ich ausführlicher in dem Artikel „Das Schomberg, das es nicht mehr gibt. Das alte Dorf, das Bergwerk und das Ende der alten Welt“ .

Mit der Zeit werden über den Feldern Fördertürme wachsen. Es entsteht die Hohenzollerngrube . Die ländliche Landschaft wird unter Straßen, Schienen, Arbeiterhäusern und Industrieanlagen verschwinden.

Da waren Polpantzek, Pawlitta, Klokotsch und die Mierswas.

Da war Sophia Kubisca mit ihrem kleinen Hof.

Da war der Schulze mit dem Wirtshaus und den Teichen.

Es gab sechzehn Bauernkühe.

Und fünfundzwanzig Gutskühe.

Bevor der Rhythmus von Schomberg durch die Bergwerksschicht bestimmt wurde, bestimmten ihn Aussaat, Heuernte und Getreideernte. Und die Macht ließ sich in Kühen zählen.

Quellen und Literatur
  1. Paul Franzke, Einige Daten aus Schombergs Vergangenheit, „Aus dem Beuthener Lande”, Jg. 2, Nr. 3, Beuthen O/S., 21. Januar 1925; Nachdruck im „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt”, September 1976.
  2. Schomberg. IV. Gründung des Dorfes; der Name, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt”, Januar 1977; Autorenschaft im Nachdruck wahrscheinlich Rektor Paul Franzke zugeschrieben; Material aus der Sammlung von Franz Strzala, eingesandt von Siegfried Kowollik.
  3. Franz Gramer, Chronik der Stadt Beuthen in Oberschlesien, Beuthen 1863.
  4. Franz Stodolka, Deutsches Schicksal der Stadt Beuthen in Oberschlesien.
  5. Lehns- und Besitzurkunden Schlesiens und seiner einzelnen Fürstenthümer im Mittelalter, Band II — Urkunde des Beuthener Herzogs Kasimir vom 10. Januar 1289.
  6. Streifzüge durch Oberschlesien — Material zu den Forschungen von Paul Franzke sowie zur Übernahme der Güter Schomberg durch Karl Godulla im Jahr 1825.
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Krowy na węglu – artystyczna wizualizacja Dominium Szombierki na tle przemysłowego krajobrazu

Kühe auf Kohle. Das unbekannte Leben der Domäne Schomberg

Schomberg · Domäne · 1749–1936

Kühe auf Kohle. Das unbekannte Leben der Domäne Schomberg

Wenn wir an das alte Schomberg denken, lässt sich der Kohle kaum entkommen. Die Hohenzollerngrube, Schächte, Rauch, Eisenbahn, Halden und Tausende Menschen, deren Leben vom Rhythmus der Schicht bestimmt wurde, haben beinahe alles überdeckt, was hier zuvor gewesen war.

Und doch konnte man im Jahr 1912 aus der Industrielandschaft geradewegs in einen Stall treten, in dem Dutzende sorgfältig ausgewählter Kühe standen. Die Milch wurde gewogen, gefiltert und untersucht, Maschinen reinigten die Flaschen, die Kühlanlage erreichte eine Leistung von rund 350 Litern pro Stunde, und nach Beuthen gelangten Kindermilch, Kefir und Joghurt.

Das ist keine spätere Legende. Erhalten geblieben ist eine ausführliche Beschreibung mit dem Titel „Die Gutsmolkerei Schomberg im Jahre 1912. Ein moderner Milchwirtschaftsbetrieb im oberschlesischen Industriegebiet“.

Und genau diese Bezeichnung ist der Schlüssel zur ganzen Geschichte. Die Kühe weideten nicht irgendwo abseits, weit entfernt von der Industrie. Das zu den Schaffgotsch’schen Werken gehörende Gut Schomberg lag etwa zwei Kilometer vom damaligen Beuthen entfernt und war — wie F. Meyers schrieb — ringsum von Hütten und Bergwerken umgeben.

Die Kohle hat die Landwirtschaft hier nicht zerstört. Paradoxerweise half sie ihr sogar, sich weiterzuentwickeln.

Kühe auf der Domäne Schomberg vor der Industrielandschaft des frühen 20. Jahrhunderts – Visualisierung
Künstlerische Visualisierung der Schomberger Milchwirtschaft vor der Industrielandschaft des frühen 20. Jahrhunderts. Schematische Darstellung, inspiriert von den Verhältnissen auf der Domäne Schomberg.

1. Bevor die Kohle die Landschaft übernahm

Unsere Geschichte ließe sich viel früher beginnen, doch es hat keinen Sinn, die gesamte Geschichte des Dorfes noch einmal zu erzählen. Ein Blick in den Kataster von 1749 genügt.

Die vier dort genannten Halbbauern besaßen jeweils zwei Kühe, die acht Gärtner jeweils eine. In diesen zwölf Wirtschaften standen damit insgesamt 16 Kühe. Hinter dem Tor der Domäne waren es 25.

Auch die Aussaaten und Heuvorräte des Gutshofes waren deutlich größer. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ sich der Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Bauern und dem Besitzer des Gutes beinahe in Kühen, Scheffeln Getreide und Fuhren Heu zählen.

Diese Welt habe ich ausführlicher im Artikel „Bevor die Kohle kam. Das bäuerliche Schomberg und der Kataster von 1749“ beschrieben. Hier interessiert uns, was später geschah.

Denn man könnte meinen, mit dem Einzug der Großindustrie hätten die Kühe verschwinden müssen. Es geschah etwas wesentlich Interessanteres.

2. Bergwerk und Kuhstall in einer Domäne

An der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert bestanden nebeneinander die Gemeinde Schomberg und der eigenständige Gutsbezirk Schomberg. Gerade im Gutsbezirk lag die Hohenzollerngrube.

Über die Geschichte des Bergwerks, das die landwirtschaftlich geprägte Siedlung in eine der charakteristischen Industrielandschaften der Region verwandelte, habe ich gesondert im Beitrag „Hohenzollerngrube / KWK Szombierki – der eiserne Gigant, der Schomberg verschlang“ geschrieben.

Hier betrachten wir diese Veränderung von der anderen Seite.

F. Meyers bemerkte 1912 etwas scheinbar Paradoxes. Die Entwicklung der Hütten und Bergwerke führte zu einem raschen Bevölkerungswachstum. Und die wachsende Bevölkerung brauchte nicht nur Kohle und Wohnungen. Sie brauchte auch Lebensmittel.

Darunter Milch.

Die Industrie schuf der Domäne somit einen riesigen Absatzmarkt. Der alte Gutshof wurde vom Bergbau nicht einfach hinweggefegt. Er begann sich zu modernisieren und für die Bedürfnisse eines großen industriellen Ballungsraumes zu produzieren.

3. Das Jahr 1912: Hunderte Kühe

Das Ausmaß überrascht.

Nach Meyers hielt man auf Gut Schomberg bereits seit einigen Jahren 200 Kühe und auf dem Vorwerk Schwarzwald weitere 40. Nach der Einrichtung eines Musterstalls im Herbst 1911 wurde der Gesamtbestand nochmals um etwa 50 Tiere erhöht.

Der Autor nennt keine einzige Gesamtsumme, doch eine einfache Zusammenstellung seiner Angaben führt zu ungefähr 290 Kühen im gesamten beschriebenen Wirtschaftssystem.

Es handelte sich nicht um Tiere, die wahllos zusammengekauft worden waren. Die Kühe wurden unter anderem aus angesehenen Zuchtgebieten Ostpreußens und Ostfrieslands bezogen. Entscheidend waren Gesundheit und Milchleistung.

Leistungsschwache Tiere wurden ausgesondert. Gab eine Kuh zu wenig Milch und ließ sich der Leistungsrückgang nicht mit einer Trächtigkeit erklären, konnte sie aus dem Bestand ausscheiden. Kälber wurden grundsätzlich nicht aufgezogen: Nach den ersten Tagen, in denen sie Kolostrum erhielten, verkaufte man sie an Fleischer.

Kranke Tiere kamen in einen gesonderten Stall. Ihre Milch durfte nicht für Menschen verwendet werden — sie wurde als Schweinefutter genutzt.

Das war kein alter Gutshof mehr, der nur aus Gewohnheit funktionierte. Die Produktion wurde wie ein Unternehmen geführt.

Visualisierung des Innenraums des Musterstalls auf der Domäne Schomberg um 1912
Schematische Visualisierung eines Abschnitts des Musterstalls bei der Gutsmolkerei Schomberg, inspiriert von der Beschreibung F. Meyers’ aus dem Jahr 1912.

4. Der Stall als Labor

Am erstaunlichsten ist das Ausmaß der Kontrolle.

Die Ställe sollten geräumig, hell und gut belüftet sein. Tröge und Böden wurden aus Materialien gefertigt, die sich leicht abwaschen ließen, und die Innenräume viermal jährlich gekalkt. Die Tiere wurden täglich gestriegelt, bei Bedarf gewaschen und zweimal im Jahr geschoren.

Im Musterstall waren die Anforderungen noch strenger. Man verwendete frische Einstreu, wusch die Tiere und achtete sogar darauf, dass die Kuhschwänze die Standplätze nicht verschmutzten. Vor dem Melken wurden die Euter gereinigt. Die Melkerinnen wuschen Hände und Arme, arbeiteten in hellen Schürzen und Kopfbedeckungen, und die ersten Milchstrahlen wurden verworfen.

Die Kühe wurden dreimal täglich gemolken und fünfmal gefüttert.

Hinzu kam die zahlenmäßige Kontrolle. Der Bestand gehörte einem Viehkontrollverband für die Provinz Sachsen an. Ein besonderer Beamter führte die Unterlagen, nahm Probemelkungen vor, und einmal im Monat wurde der Fettgehalt der Milch jeder einzelnen Kuh nach der Gerber-Methode bestimmt. Auch der Verschmutzungsgrad der Milch wurde geprüft.

Der Musterstall mit 50 Kühen stand unter Aufsicht des königlichen Kreistierarztes. Er sollte besonders hochwertige Milch liefern, die unter anderem für Säuglinge, Kinder, Kranke und Rekonvaleszenten bestimmt war.

Einige hundert Meter weiter fuhren Bergleute unter Tage. Hier notierte jemand die Leistung einer einzelnen Kuh und bestimmte den Fettgehalt ihrer Milch.

Zwei Welten? In Wirklichkeit ein einziger wirtschaftlicher Organismus.

5. Vom Stall direkt in die Flasche

Nach dem Melken begann der zweite Teil des Prozesses.

Die Milch wurde erneut gefiltert, unter anderem durch speziell vorbereitete Watte. Der Verfasser der Beschreibung betonte die schnelle Kühlung anstelle einer Erwärmung — nach den damaligen Vorstellungen sollte dies die Vermehrung von Mikroorganismen hemmen, ohne die Eigenschaften frischer Milch zu beeinträchtigen.

Die Kühlanlage arbeitete mit einem Kohlensäuresystem und wurde von einem Elektromotor mit 22 PS angetrieben. Die Leistung des Kühlers wurde mit etwa 350 Litern pro Stunde angegeben.

Und es gab Maschinen.

Die Flaschen wurden innen und außen maschinell gereinigt. Eine weitere Maschine füllte gleichzeitig 40 Flaschen, die anschließend mit sterilisierten Scheiben verschlossen wurden.

Das ist nicht mehr das Bild von Milch, die aus einem Eimer in eine Kanne gegossen wird. Die Gutsmolkerei Schomberg arbeitete wie ein moderner Lebensmittelbetrieb.

In der Beschreibung von 1912 erscheinen etwa 2500 Liter Milch, die in den Schomberger Ställen gewonnen wurden. Der erhaltene Text nennt an dieser Stelle die Zeiteinheit nicht eindeutig, weshalb aus dieser Zahl keine präzise Tagesstatistik gemacht werden sollte. Bekannt ist dagegen, dass Schomberg zusätzlich etwa 1000 Liter aus Gütern außerhalb des eigentlichen Industriebezirks bezog.

Visualisierung des Innenraums der Gutsmolkerei Schomberg und der Anlagen zur Milchverarbeitung um 1912
Schematische Visualisierung des Innenraums der Gutsmolkerei Schomberg, inspiriert von der detaillierten Beschreibung der Molkereianlagen aus dem Jahr 1912.

6. Kefir, Joghurt und Milcheis

Die Molkerei beschränkte sich nicht auf gewöhnliche Milch.

Im Jahr 1912 bot sie Kindermilch, Flaschenmilch und Milch aus größeren Behältern sowie Kefir und Joghurt an. Im Sommer wurde sogar Milcheis hergestellt.

Die Preisliste sah folgendermaßen aus:

Kindermilch, 1 Liter — 35 Pfennig

Kindermilch, 1/2 Liter — 18 Pfennig

Flaschenmilch, 1 Liter — 23 Pfennig

Bottichmilch, 1 Liter — 20 Pfennig

Kefir, 1 Liter — 40 Pfennig

Yoghurt, 1 Liter — 50 Pfennig

Joghurt war damals in Schomberg noch ein vergleichsweise neues Produkt. Meyers schrieb, die Molkerei stelle ihn seit etwa einem Jahr her und verwende dazu einen als „Maya“ bezeichneten Ferment.

Im Text findet sich auch die für jene Zeit typische Begeisterung für die gesundheitlichen Eigenschaften von Kefir und Joghurt. Diese Passagen sollte man als Zeugnis des damaligen Wissens und der damaligen Lebensmittelwerbung lesen, nicht als heutige medizinische Empfehlung.

Für einen Bewohner des industriellen Schomberg war das Angebot dennoch ausgesprochen modern: gewöhnliche Milch, Kindermilch, Kefir, Joghurt — und im Sommer sogar Eis.

7. Schomberger Milch fährt nach Beuthen

Der beste Kunde war das nahe Beuthen.

Im Sommer verkaufte die Gutsverwaltung Schomberg Milch im Beuthener Stadtgarten. Dort stand ein besonderes Milchhäuschen — eine kleine Verkaufsstelle, an der man frische Milch trinken konnte.

In Schomberg selbst wurde Milch ebenfalls bei der Molkerei und auf dem Vorwerk verkauft. Und das Vertriebsnetz verschwand nicht mit dem Ende der wilhelminischen Epoche.

Das Telefonbuch von 1936 führt bereits ausdrücklich die „Gutsverwaltung u. Molkerei Schomberg-Bobrek“ der Gräfl. Schaffgotsch’sche Werke GmbH auf. Die Molkerei besaß damals mindestens zwei eigene Verkaufsstellen in Beuthen: Kattowitzer Straße 3 und Ostlandstraße 30b.

Das ist ein guter Moment, sich an den alltäglichen Handel des alten Schomberg zu erinnern. Geschäfte, Bäckereien, Fleischer, Milchhändler und Gastwirtschaften erscheinen ausführlicher im Artikel „Schomberg 1927. Von der Bergbauschicht bis zum Abend bei Schyska“.

Die Schomberger Gutsmolkerei arbeitete jedoch in einer anderen Größenordnung. Sie war Teil der Wirtschaft des großen Schaffgotsch’schen Unternehmens und bediente einen Markt, der weit über den Ort selbst hinausreichte.

8. Milch statt Schnaps

Im Jahr 1912 entstand bei der Molkerei noch ein weiteres interessantes Projekt.

Der Milchgarten sollte etwa 4300 Quadratmeter groß werden. Geplant war er als Volksgarten — als Garten für die Einwohner, mit Plätzen für Kinder, Bänken und Tischen.

Es ging nicht nur um Erholung.

Der Autor schrieb ausdrücklich vom Arbeiterwohl. Der leichte Zugang zu frischer Milch sollte Arbeiter und ihre Familien zu deren Verzehr anregen. Im Text findet sich sogar der Vergleich, dass man für den Preis eines Liters Branntwein die zwei- bis dreifache Menge Milch kaufen konnte.

Die Botschaft ist eindeutig: statt Schenke — Milchgarten.

Das klingt gerade in Schomberg besonders hintergründig, denn Alkohol besaß dort eine wesentlich ältere und weniger harmlose Geschichte. Über den früheren Propinationszwang, Bier und Schnaps habe ich ausführlicher im Artikel „Von der Propination zur Biermetropole. Die Geschichte des Bieres in Schomberg und Beuthen“ geschrieben.

Im Jahr 1912 versuchte die Verwaltung der Domäne zumindest symbolisch, diese Richtung umzukehren. Kindergesichter an einer Milchtheke — schrieb Meyers — böten einen erfreulicheren Anblick als die Menge vor einer gut gehenden Schenke.

Visualisierung des 1912 geplanten Milchgartens bei der Molkerei der Domäne Schomberg
Visualisierung des 1912 geplanten Milchgartens bei der Gutsmolkerei Schomberg. Der etwa 4300 m² große Garten sollte den Verkauf frischer Milch mit der Erholung von Arbeiterfamilien verbinden.

9. Von der Höhensonne zu firmeneigenen Verkaufsstellen

Die Geschichte endet nicht im Jahr 1912.

1931 erschien anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Turn- und Spielverein 06 Schomberg eine Festschrift mit Anzeigen örtlicher Firmen. Ein Original dieser Veröffentlichung gelangte Jahre später zu Siegfried Kowollik, der die Anzeigen im „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“ beschrieb.

Die Molkerei Schomberg warb damals unter anderem mit Vollmilch, die mit „Höhensonne“ gegen Rachitis bestrahlt wurde, mit gesunder Rohmilch und Flaschenmilch. Die Anzeige hob die ständige Kontrolle durch ein hygienisches Institut, die Filtration durch Watte und die intensive Kühlung hervor.

Besonders wichtig ist, dass der Rinderbestand in ein staatliches Programm zur Bekämpfung der Tuberkulose einbezogen gewesen sein sollte.

Die Molkerei erinnerte außerdem an frühere Erfolge: den ersten Preis auf der IV. Milchwirtschaftlichen Ausstellung in Kiel im Jahr 1912 sowie eine Auszeichnung während der 6. Grünen Woche in Berlin.

Das zeigt Kontinuität. Der Betrieb, den Meyers 1912 als modernes Experiment mitten im Industriegebiet beschrieben hatte, baute zwei Jahrzehnte später seine Marke weiterhin auf Hygiene, Qualität und Modernität auf.

Und das Telefonbuch von 1936 bestätigt, dass die „Gutsverwaltung u. Molkerei Schomberg-Bobrek“ weiterhin innerhalb des Schaffgotsch’schen Unternehmens tätig war.

Stilisierte Werbung der Molkerei Schomberg, inspiriert von der Schomberger Molkereiwerbung aus dem Jahr 1931
Künstlerische Visualisierung, inspiriert von einer Anzeige der Molkerei Schomberg in der Schomberger Festschrift von 1931. Die Komposition ist keine Reproduktion der Originalanzeige.

10. Kühe auf Kohle

Mitte des 18. Jahrhunderts standen hinter dem Tor der Domäne 25 Kühe.

Anderthalb Jahrhunderte später arbeitete dasselbe Schomberger Gut mitten in einem der am stärksten industrialisierten Gebiete Europas. Im Gutsbezirk lag die große Hohenzollerngrube, und zugleich hielt Gut Schomberg Hunderte Kühe und betrieb eine moderne Molkerei.

Das ist keine Geschichte von einem idyllischen Dorf, das wie durch ein Wunder dem Ansturm der Industrie widerstand.

Sie ist interessanter.

Die Landwirtschaft selbst wurde industrialisiert. Kühe wurden nach Leistung ausgewählt, die Milch kontrolliert, gekühlt und gefiltert, Maschinen übernahmen die Flaschen, die Produkte gingen nach Beuthen, und die Werbung rühmte Hygiene, Auszeichnungen und die Bekämpfung von Rinderkrankheiten.

Kohle und Milch waren also keine zwei getrennten Welten. Beide gehörten zur selben Wirtschaft der Schaffgotsch und dienten den Bedürfnissen desselben, rasant wachsenden Industriegebiets.

Darum sind die „Kühe auf Kohle“ nicht bloß ein scherzhafter Titel.

Eigentlich ist das die kürzeste Beschreibung der Domäne Schomberg zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Und wer sehen möchte, was die Schaffgotsch’sche Wirtschaft noch alles organisieren konnte, wenn es um Lebensmittel für Tausende Beschäftigte ging, sollte auch einen Blick auf die „Operation Weihnachtsgans“ werfen — die Geschichte der Suche nach 5500 Gänsen im Jahr 1934.

Bibliografie und Quellen
  1. F. Meyers, „Die Gutsmolkerei Schomberg im Jahre 1912. Ein moderner Milchwirtschaftsbetrieb im oberschlesischen Industriegebiet“, Nachdruck im „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1982 (4), S. 30–33 sowie Mai 1982 (5), S. 26–28. Der Text beschreibt den Stand von 1912; der Ort der ursprünglichen Veröffentlichung konnte bislang nicht ermittelt werden.
  2. Franzke, „Einige Daten aus Schombergs Vergangenheit“, „Aus dem Beuthener Lande“, Jg. 2, Nr. 3, S. 12, Beuthen O/S., 21. Januar 1925; Nachdruck im „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“, September 1976.
  3. Siegfried Kowollik, „Erinnerungen an Schomberg. 4. Teil. Geschäftsanzeigen im Jahre 1931“, „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“, Mai 1980 (5), S. 35–36.
  4. „Spis abonentów sieci telefonicznych Dyrekcji Okręgu Poczt i Telegrafów w Katowicach oraz central niemieckiego Górnego Śląska: Beuthen, Gleiwitz i Hindenburg na 1936 r.“ — Eintrag „Gutsverwaltung u. Molkerei Schomberg-Bobrek“ sowie Verzeichnis der Verkaufsstellen in Beuthen.
  5. Franz Stodolka, „Deutsches Schicksal der Stadt Beuthen“ — Angaben zum Gutsbezirk Schomberg und zur Lage der Hohenzollerngrube auf dem Gutsbezirk.
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Harmoniści z Szombierek – historia 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg

Harmonikaspieler aus Schomberg. Die Geschichte eines 1937 gegründeten Clubs

Knopfharmonikas aus Schomberg • Musik • Menschen • 1937–1989

Harmonikaspieler aus Schomberg. Die Geschichte eines 1937 gegründeten Clubs

Mit ihren Instrumenten gingen sie zu Fuß zu den Proben nach Bobrek, spielten bei Hochzeiten, in Gaststätten und Vereinssälen – und fanden Jahrzehnte später wieder zusammen, um erneut gemeinsam zu musizieren. Die Geschichte des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg hat sich in Fotografien, Erinnerungsberichten und in der beharrlichen Arbeit seiner ehemaligen Mitglieder erhalten.

Inhaltsverzeichnis

„Guzikówka“ – was ist das eigentlich?

Das polnische Wort „guzikówka“ mag heute zunächst etwas rätselhaft klingen. Gemeint ist umgangssprachlich eine Knopfharmonika – ein Balg-Instrument, bei dem anstelle einer Klaviertastatur Knöpfe verwendet werden.

Für den Schomberger Club sprechen die Quellen ausdrücklich von diatonischen Handharmonikas. Der deutsche Begriff Handharmonika war allerdings weiter gefasst und konnte unterschiedliche Arten von Balg-Instrumenten bezeichnen. Man sollte ihn deshalb nicht automatisch mit einem einzigen Instrumententyp oder Modell gleichsetzen. [1, 11]

Ganz einfach gesagt: Balg, Knöpfe und Melodie. Auf solchen kleinen Instrumenten lernten junge Menschen aus Schomberg Walzer, Märsche, Tänze und populäre Melodien.
Historische Hohner-Knopfharmonika als Beispiel einer alten diatonischen Handharmonika
Historische Knopfharmonika der Marke Hohner – ein Beispiel für ein kleines Balg-Instrument, das umgangssprachlich als „Guzikówka“ bezeichnet werden kann. Die Aufnahme dient der Illustration und zeigt kein nachweislich zum 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg gehörendes Instrument.
Der 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg in Zahlen
1935–1936 junge Musiker aus Schomberg gehen zu den Proben ins benachbarte Bobrek
Juli 1937 im Gasthaus „Deutsches Haus“ entsteht der eigene Schomberger Club
40–60 auf so viele Mitglieder wurde der Verein später rückblickend geschätzt
8–14 Jahre so alt waren viele der jüngsten Schüler Adolf Schulzes
50 Pfennig monatlicher Beitrag der Jugend; Erwachsene zahlten 70 Pfennig
39 Personen von so vielen ehemaligen Mitgliedern waren bis Frühjahr 1981 die Lebenswege ermittelt

Hinter diesen Zahlen standen jedoch konkrete Menschen: Kinder und Jugendliche auf dem Heimweg von den Abendproben, Musiklehrer nach ihrem Arbeitstag, junge Frauen bei örtlichen Veranstaltungen, Bergleute und Familien, die sich zur Musik trafen. Um zu verstehen, wie in Schomberg ein eigener Handharmonika-Club entstehen konnte, müssen wir zunächst einige Jahre zurückgehen – und mit seinen ersten Musikern den Weg ins benachbarte Bobrek nehmen.

Zum Weiterlesen: „Szombierki 1927. Jeden dzień z życia” – eine Geschichte über den Alltag desselben Ortes einige Jahre zuvor.

Zuerst musste man nach Bobrek laufen

In den Jahren 1935–1936 besaßen die jungen Musiker aus Schomberg noch keinen eigenen Verein. Also nahmen sie ihre Instrumente und gingen nach Bobrek, wo seit Ende 1934 ein Club unter dem musikalischen Einfluss von Willi Hunn und Adolf Schulz tätig war. Die Proben fanden in der dortigen neuen Schule statt.

Zu den jungen Leuten aus Schomberg, die an diesen Proben teilnahmen, gehörten unter anderem Alfred Grützner, Rudi Miemietz, Gerhard Krompietz, Rudi Gambka, Luzie Skowronek, Margot Hadzik und Hilde Weindich. [1]

Die Zahl der Interessierten wuchs. Bei einer Zusammenkunft im Bobreker Hüttenkasino kam man 1937 zu dem Schluss, dass Schomberg inzwischen genügend Spieler für einen eigenen Verein hatte. Im Juli 1937 wurde im Gasthaus „Deutsches Haus“ der 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg gegründet. [1, 2, 3]

Zum ersten Vorsitzenden wurde Karl Lauer gewählt, sein Stellvertreter war Hans Opara. Bruno Jonderko übernahm das Amt des Kassierers, Josef Maniura wurde Schriftführer. An den Gründungsgesprächen beteiligte sich auch Josef Skowronek. [1]

Die Gründung eines eigenen Vereins bedeutete keineswegs das Ende der Kontakte nach Bobrek. Die Schomberger Musiker profitierten weiterhin von den Erfahrungen der dortigen Lehrer und arbeiteten mit ihren Nachbarn zusammen. Der Club entstand also nicht allein durch einen formalen Gründungsakt, sondern aus Monaten gemeinsamer Proben, Unterrichtsstunden und jener ganz alltäglichen Wege, die man mit dem Instrument in der Hand zwischen beiden Orten zurücklegte.

Willi Hunn und die Abendproben Adolf Schulzes

Willi Hunn stammte aus Zaisenhausen in Baden, wo er am 13. Juni 1913 geboren wurde. Sein Vater leitete eine Niederlassung der Firma Hohner. Willi selbst erlernte den Beruf des Akkordeonbauers und erhielt anschließend eine musikalische Ausbildung an der Deutschen Harmonikaschule in Stuttgart.

Im Februar 1934 trat er eine Stelle im Beuthener Musikhaus Th. Cieplik an der Bahnhofstraße an. Bald darauf organisierte er Musikgruppen in weiteren Orten des oberschlesischen Industriegebiets. Ende 1937 eröffnete er schließlich eine eigene Musikschule in Gleiwitz. [2]

Für den Schomberger Club übernahm Hunn die allgemeine musikalische Leitung. Die regelmäßige Arbeit mit den Schülern lag jedoch vor allem bei Adolf Schulz aus Bobrek. Schulz war Schlosser in der Julienhütte. Weil er tagsüber arbeitete, konnte er seine Abende dem Unterricht der jungen Harmonikaspieler widmen. Viele von ihnen waren gerade einmal acht bis vierzehn Jahre alt. [1, 2]

Willi Hunn, Musiklehrer und Dirigent des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg
Willi Hunn, Musiklehrer und Dirigent, der mit dem 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg und weiteren oberschlesischen Harmonikagruppen verbunden war. Das Porträt wurde anlässlich seines 70. Geburtstags veröffentlicht; das Aufnahmedatum ist nicht angegeben. Quelle: „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Mai 1983, S. 21. Archivfotografie in digital aufgearbeiteter Fassung.

Knöpfe, Noten und fünfzig Pfennig

Die Proben folgten einem festen Ablauf. Zunächst arbeitete Schulz einzeln mit den jüngsten Spielern und den Anfängern. Danach probte eine Gruppe von ungefähr fünfzehn bis zwanzig Personen, zum Schluss kamen die älteren und fortgeschritteneren Musiker an die Reihe.

Der Unterricht fand in Gebäuden der Schomberger Knabenschule und später auch im Katholischen Vereinshaus an der damaligen Godullahütter Straße statt. [1]

Es genügte nicht, nur die richtigen Knöpfe zu drücken. Die Schüler mussten auch Notenschrift lernen. In den Erinnerungen der ehemaligen Clubmitglieder wird insbesondere das zehnlinige Helbling-System genannt, daneben aber auch Habla, Record, Claude und Holzschuh.

Zunächst spielte man einfachere Melodien, später Konzertwalzer, Märsche, Tänze und Bearbeitungen populärer Stücke. Genannt werden unter anderem Kompositionen von Hermann Schittenhelm und Alfons Holzschuh sowie Titel wie „Aus dem schönen Wien“, „Blaue Adria“ und „Elsäßische Bauerntänze“. [1]

In der Anfangszeit verfügte die Gruppe noch über kein gesondertes Bassinstrument. Die Erinnerungen sprechen deshalb vom ersten und zweiten Spiel. Gerade dieses Detail zeigt, wie der Verein Schritt für Schritt aufgebaut wurde: Man begann mit dem, was vorhanden war, und wagte sich nach und nach an anspruchsvollere Musik.

Natürlich hatte das Vereinsleben auch eine weniger romantische Seite: Beiträge, Gebühren und Mitgliedsbücher. Jugendliche zahlten monatlich 50 Pfennig, Erwachsene 70 Pfennig. Hinzu kamen eine einmalige Organisationsgebühr von 10 Pfennig und 15 Pfennig für das Mitgliedsbuch. Passive Mitglieder, die den Verein unterstützten, zahlten eine Aufnahmegebühr von 5 Reichsmark. Die Gesamtzahl der Vereinsmitglieder wurde später rückblickend auf etwa 40 bis 60 Personen geschätzt. [1]

Schomberg hört zu

Wann stand der Club zum ersten Mal öffentlich auf einer Bühne? Die erhaltenen Quellen geben darauf keine völlig eindeutige Antwort. Ein später abgedruckter Bericht der „Ostdeutschen Morgenpost“ beschreibt bereits einen Silvesterauftritt Ende 1937 im „Deutschen Haus“, bei dem Krzisinski aus Beuthen dirigiert haben soll. Ehemalige Clubmitglieder erinnerten sich dagegen später daran, dass ihr erster öffentlicher Auftritt am Ostermontag 1938 im Hüttenkasino in Bobrek stattgefunden habe. [1, 4]

Es gibt keinen Grund, beide Überlieferungen künstlich miteinander in Einklang zu bringen. Sicher ist vor allem eines: Um den Jahreswechsel 1937/1938 verließen die Schomberger Handharmonikas die Probenräume und wurden öffentlich gehört.

Beim Osterkonzert in Bobrek erklangen unter Hunnes Leitung „Bauernhochzeit“, „Rheinländer-Polka“ und der Walzer „Am Weichselstrande“. In den folgenden Monaten spielte der Club in Schomberg, Beuthen und weiteren Nachbarorten. [1]

Regelmäßig trat man im Gasthaus Bialas und im Katholischen Vereinshaus auf. Die Musiker wurden zu Verlobungen, Hochzeiten, Familienfeiern und Betriebsfesten eingeladen. Die älteren Spieler ergänzten das gemeinsame Repertoire um Melodien, die sich für solche Veranstaltungen besonders gut eigneten. [1, 5]

Spielgruppe des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg im Garten des Gasthauses Bialas um 1938
Spielgruppe des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg im Garten des gräflichen Gasthauses Bialas in Schomberg, um 1938. Von links: Rudi Gambka, Ursula Plottek geb. Kirschniok, Leonhardt Maniura, Hilde Zips geb. Weindich, Trudel Opara, Rosel Kosor geb. Walloschek, Alfred Maniura, Margot Speerschneider geb. Hadzik, Gerhard Krompietz, Helmut Czysch sowie Karl Lauer, der erste Vorsitzende des Clubs. Quelle: „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1983 . Archivfotografie in digital aufgearbeiteter Schwarz-Weiß-Fassung.

Auch ein größeres Konzert im Herbst 1938 fand Eingang in die Presse. Karl Lauer begrüßte das Publikum, Müller führte durch den Abend, und neben dem gesamten Orchester traten zwei zwölfjährige Solisten auf. Den zweiten Teil des Programms gestalteten Musiker aus Bobrek sowie Willi Hunn mit solistischen Darbietungen. [4]

Der Ansager Karl Müller verstand es, den Veranstaltungen einen ausgesprochen lokalen Ton zu geben. Siegfried Kowollik erinnerte sich besonders an ein Gedicht über das Wort „Pieronje“, das je nach Situation Ärger, Erleichterung oder Begeisterung ausdrücken konnte. In der überlieferten Anekdote benutzte es sogar ein Oberschlesier, der vor dem Himmelstor stand. Ein kleines Detail – aber eines, das viel über die Atmosphäre dieser Abende verrät. [1]

Auch Mädchen spielten im Vereinsleben eine wichtige Rolle. Eine der erhaltenen Fotografien zeigt eine Gruppe junger Spielerinnen im Schomberger Vereinshaus. Nach der später veröffentlichten Bildlegende entstand die Aufnahme vermutlich während einer Faschingsfeier eines kirchlichen Vereins. Ein genaues Datum ist nicht bekannt. [5]

Mädchenspielgruppe des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg im Katholischen Vereinshaus
Mädchenspielgruppe des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg im Katholischen Vereinshaus, vermutlich während einer Faschingsfeier eines kirchlichen Vereins. In der ersten Reihe von links: ein Mädchen, das nicht dem Club angehörte, danach Ursula Kirschniok, Margot Hadzik, Luzie Skowronek, Rosel Walloschek und Trudel Opara, in der späteren Bildlegende als Trudel Kulik bezeichnet. Das genaue Aufnahmedatum ist unbekannt. Die Fotografie wurde von Siegfried Kowollik zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Quelle: „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1983, S. 31. Archivfotografie in digital aufgearbeiteter Fassung.

Noch bemerkenswerter ist eine einige Jahre später unter der Überschrift „Harmonikamädchen im »Schomberger Kloster«“ veröffentlichte Aufnahme. Der Veröffentlichung war ein Aufruf beigefügt, weitere abgebildete Personen zu identifizieren. Namentlich genannt wurden auch Gretel Orant und Hertha Breitkopf, die man damals noch nicht hatte ausfindig machen können.

Genau auf diese Weise entstand nach dem Krieg allmählich ein Archiv des alten Clubs: Jemand schickte einen Abzug ein, ein anderer erkannte eine ehemalige Freundin, wieder jemand ergänzte einen Namen oder eine neue Anschrift. [6]

Gruppenaufnahme unter dem Titel Harmonikamädchen im Schomberger Kloster
Gruppenaufnahme, veröffentlicht unter dem Titel „Harmonikamädchen im »Schomberger Kloster«“. Die zugehörige Notiz nannte unter anderem die Clubmitglieder Gretel Orant und Hertha Breitkopf und bat um die Identifizierung weiterer abgebildeter Personen. Das Aufnahmedatum ist nicht angegeben. Die Fotografie wurde von Siegfried Kowollik zur Verfügung gestellt. Quelle: „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1987, S. 27. Archivfotografie in digital aufgearbeiteter Fassung.

2. Juli 1939. Der Club fährt ins Grüne

Vereinsleben bestand nicht nur aus Noten, Unterricht und Auftritten. Am Sonntag, dem 2. Juli 1939, machte sich eine Gruppe der Schomberger Harmonikaspieler auf den Weg nach Böhmswalde im Kreis Gleiwitz. Man fuhr mit Straßenbahn und Eisenbahn. In den späteren Erinnerungen blieben das Musizieren in einem Lokal, Spiele im Garten, das gemeinsame Mittagessen und ein anschließender Spaziergang erhalten. [1]

Von diesem Tag existiert auch eine Fotografie mit elf Personen. Dank der später veröffentlichten Bildlegende kennen wir die Namen aller darauf Abgebildeten. Wir sehen deshalb nicht einfach eine anonyme Gruppe „junger Menschen von früher“, sondern konkrete Einwohner Schombergs.

Mitglieder des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg beim Ausflug nach Böhmswalde am 2. Juli 1939
Mitglieder des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg beim Vereinsausflug nach Böhmswalde, Kreis Gleiwitz, am 2. Juli 1939. Vorne von links: Rudi Gambka, Leonhardt Maniura und Addi Jonderko; in der mittleren Reihe: Rosel Kosor geb. Walloschek, Margot Speerschneider geb. Hadzik und Ursula Plottek geb. Kirschniok; hinten: Luzie Pixa geb. Skowronek, Hilde Zips geb. Weindich, Marion Mehrtens geb. Blachowski, Trudel Kulik geb. Opara und Siegfried Kowollik. Die Namen folgen der nach dem Krieg veröffentlichten Bildlegende. Die Fotografie wurde von Siegfried Kowollik zur Verfügung gestellt. Quelle: „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1981, S. 30. Archivfotografie in digital aufgearbeiteter Fassung.

In der letzten Reihe steht Siegfried Kowollik. Im Sommer 1939 war er einfach einer der Teilnehmer dieses Vereinsausflugs. Rund vierzig Jahre später gehörte er zu jenen Menschen, die nach den ehemaligen Clubkameraden suchten, Anschriften sammelten, alte Fotografien beschrifteten und damit halfen, die Geschichte dieser Gemeinschaft vor dem Vergessen zu bewahren.

Nicht nur ein Club. Das musikalische Schomberg der dreißiger Jahre

Der 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg war nicht die einzige örtliche Musikformation. Die erhaltenen Fotografien dokumentieren mehrere Gruppen, die jedoch nicht ohne Weiteres miteinander gleichgesetzt werden dürfen.

Eigenständig bestand die Handharmonika-Spielgruppe der Hohenzollerngrube Schomberg. Im September 1981 veröffentlichte das „Heimatblatt“ eine Aufnahme dieser Gruppe aus dem Jahr 1937 und unterschied sie ausdrücklich vom 1. Handharmonika-Club. Identifiziert wurde lediglich Herr Angres ganz links im Bild. [7]

Handharmonika-Spielgruppe der Hohenzollerngrube Schomberg im Jahr 1937
Handharmonika-Spielgruppe der Hohenzollerngrube Schomberg, 1937. Ganz links: Herr Angres; sein Vorname und die Namen der übrigen Personen wurden in der Veröffentlichung nicht angegeben. Die Gruppe wurde ausdrücklich als eine vom 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg getrennte Formation beschrieben. Als Eigentümerin der Fotografie wurde Trudel Seidel geb. Pakosch genannt. Quelle: „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, September 1981, S. 35. Archivfotografie in digital aufgearbeiteter Fassung.

Eine dritte bekannte Formation war der Fanfarenzug Schomberg, dem Trommler und Fanfarenbläser angehörten. Eine Notiz aus dem Jahr 1991 nennt als frühere Leiter Gerhard Schmaiduch, Oswald Koston und Gerhard Matlok.

Die genauen organisatorischen Beziehungen zwischen diesen Gruppen lassen sich derzeit nicht sicher rekonstruieren. Am sinnvollsten ist es deshalb, sie als unterschiedliche musikalische Gemeinschaften des damaligen Schomberg zu behandeln. [8]

Der Krieg erreicht den Vereinsraum

Das Vereinsleben der Vorkriegszeit spielte sich unter den politischen Bedingungen des nationalsozialistischen Deutschlands ab. Nach der Erinnerung Siegfried Kowolliks galt für den Club eine vereinheitlichte Satzung im Rahmen der Reichsmusikkammer. Er berichtete außerdem von der Verpflichtung zur Teilnahme an politischen Veranstaltungen. Diese Erinnerungen zeigen sowohl das alltägliche Musikleben als auch die von der damaligen Staatsordnung vorgegebenen Rahmenbedingungen. [1]

Nach Beginn des Krieges wurden immer mehr ältere Spieler zum Arbeitsdienst oder zum Militär eingezogen. Auch Willi Hunn und Karl Lauer wurden einberufen. Lauer übergab die Leitung des Clubs an Bruno Jonderko, während Adolf Schulz den Unterricht weiterführte. Noch bis etwa 1944 konnten Proben stattfinden. [1, 2]

Sogar das Datum eines Treffens während des Krieges ist überliefert: Am 31. Januar 1943 fanden im Gasthaus Kluzik eine Generalversammlung und eine Weihnachtsfeier des Clubs statt. [1]

Bereits zuvor hatte der Verein seinen Schriftführer verloren. Josef Maniura kam im April 1940 bei einem Unfall auf der Hohenzollerngrube ums Leben. Die Erinnerung setzt seinen Tod zwei Tage nach einem Konzert in Orzegow vom 14. April an, was auf den 16. April 1940 weist.

Bruno Jonderko wurde nach dem Einmarsch der Roten Armee in das Innere der Sowjetunion verschleppt. Nach der überlieferten Erinnerung starb er am 17. Juni 1945 in Nowosibirsk. [1]

Unter den verstorbenen und gefallenen Clubmitgliedern wurden außerdem Adolf Schulz, Hans Opara, Alfred Grützner, Georg Augustiniok, Bruno Dreihan, Adolf und Joachim Jonderko sowie Engelbert Kliem genannt. Die einzelnen Lebenswege dieser Männer müssten noch gesondert rekonstruiert werden. Nicht alle ihre Schicksale lassen sich mit der pauschalen Formulierung „an der Front gefallen“ beschreiben. [1, 9]

Zuerst fehlten einzelne Spieler, später zerstreute sich die gesamte Gemeinschaft. Einige ehemalige Mitglieder blieben jedoch in Schlesien. Erst Jahrzehnte später begann die systematische Suche nach den verlorenen Verbindungen.

Zum Weiterlesen: „Szombierki 1945. Tragedia mieszkańców” – über die dramatischen Schicksale der örtlichen Bevölkerung am Ende des Krieges.

Eine Adresse finden, einen alten Freund wiederfinden

Die alten Verbindungen wiederherzustellen bedeutete: Briefe schreiben, nachfragen und geduldig Informationen zusammentragen. Eine besonders wichtige Rolle spielte Siegfried Kowollik, unterstützt unter anderem von den Familien Alfreds und Leonhardts Maniura. Man suchte ehemalige Schul- und Clubkameraden, sammelte Fotografien und ergänzte Namen.

Das „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, die Zeitschrift ehemaliger Bewohner der Region, wurde zu einem der wichtigsten Orte für Suchaufrufe, Fotografien und neue Informationen. [10]

Im Frühjahr 1981 berichtete Kowollik, dass die Lebenswege von 39 Clubmitgliedern bereits ermittelt worden seien. Elf von ihnen lebten nicht mehr, sieben wohnten weiterhin in Schlesien. [1]

Das erste große Nachkriegstreffen fand vom 29. bis 31. Mai 1981 in Bonn-Bad Godesberg statt. Es wurde mit einem Treffen ehemaliger Schüler der Klasse Ib der Schomberger Knabenschule verbunden. Mehr als sechzig Personen kamen zusammen; der Bericht nennt dreizehn ehemalige Clubmitglieder. Auch Karl Lauer und Willi Hunn waren anwesend. [10]

Der Deutsche Harmonika-Verband zeichnete ehemalige Musiker mit Ehrenzeichen aus. Noch wichtiger war jedoch, dass man nach so vielen Jahren wieder gemeinsam spielen konnte.

Hunn hatte sich nach dem Krieg in Hamburg niedergelassen, wo er erneut unterrichtete und Musikgruppen leitete. In Bad Godesberg kehrte er jedoch zu den alten Schomberger Melodien zurück. Gemeinsam spielte man unter anderem den „Kuckucks-Walzer“ und „Wien bleibt Wien“. Außerdem wurde „Rosen und Jugend“ nach eigens vorbereiteten Textblättern gesungen. [2, 10]

Sogar ein Wettbewerb zum Erkennen alter Stücke wurde veranstaltet. Das Lösungswort lautete Adolf Schulz – der Name jenes Lehrers, der nun nicht mehr unter seinen ehemaligen Schülern sitzen konnte. Reinhold Maniura und Margot Speerschneider fanden die richtige Lösung. [10]

Die Musik schreibt die Geschichte weiter

Das Treffen von 1981 war keineswegs das Ende. Im Mai 1984 trafen sich ehemalige Schomberger Harmonikaspieler in Trossingen – einer Stadt, die eng mit der Geschichte des Harmonikabaus verbunden ist. Sie besichtigten die Hohner-Werke und nahmen an Vorführungen im Musikstudio teil. [9]

Drei Jahre später, vom 17. bis 20. September 1987, wurde in Grävenwiesbach-Laubach im Taunus das fünfzigjährige Bestehen des Clubs gefeiert. Fast siebzig Personen nahmen teil, darunter achtzehn ehemalige Mitglieder. [9]

Karl Lauer und Willi Hunn wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt und erhielten Erinnerungspokale. Acht ehemalige Spieler hatten ihre Instrumente mitgebracht. Unter der Leitung ihres früheren Dirigenten probten sie erneut und spielten anschließend Stücke, die sie einst in Schomberg aufgeführt hatten. [9]

Zum Jubiläum komponierte Heinz Engl ein eigenes Stück. Die Teilnehmer gaben ihm den Titel „Schomberger Bilderbogen“. Neben den wieder hervorgeholten alten Melodien entstand damit auch eine neue Komposition, die ausdrücklich dieser Gemeinschaft gewidmet war. [9]

Zwei Jahre später erklang die Musik erneut. Im September 1989 eröffnete eine Gruppe ehemaliger Harmonikaspieler bei den Feierlichkeiten zum 700-jährigen Jubiläum Schombergs in Recklinghausen das Programm mit dem Marsch „Junges Blut“. [12]

Noch 1991 wurde ein weiteres Treffen in Trossingen vorbereitet, das für den 17. bis 20. Juni 1993 vorgesehen war. In diesem Zusammenhang suchte man auch ehemalige Mitglieder des Fanfarenzugs Schomberg. Die erhaltene Ankündigung belegt jedoch nur die Planung; sie bestätigt nicht, dass das Treffen tatsächlich zu diesem Termin stattfand. [8]

Wenn wir heute auf die Fotografie vom 2. Juli 1939 blicken, wissen wir etwas, das die jungen Menschen vor der Kamera damals nicht wissen konnten. Nur zwei Monate später begann der Krieg, der ihre Welt auseinanderbrechen und die Clubkameraden in verschiedene Richtungen zerstreuen sollte.

Ebenso wenig konnten sie ahnen, dass sie Jahrzehnte später nach ihren alten Anschriften suchen, Gesichter auf Fotografien wiedererkennen und gemeinsam die Noten von einst aufschlagen würden.

Geblieben sind Fotografien, Namen, Erinnerungen – und Melodien, die sie auch nach vielen Jahrzehnten noch gemeinsam spielen konnten. Gerade deshalb ist die Geschichte dieses kleinen Handharmonika-Clubs heute auch ein Stück Geschichte von Schomberg und Szombierki.

Quellenhinweise und Bibliografie

Quellenhinweise

Grundlage dieses Artikels sind vor allem Erinnerungsberichte und Materialien, die nach dem Krieg im „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“ veröffentlicht wurden. Ein großer Teil der Dokumentation wurde von ehemaligen Beteiligten zusammengetragen, insbesondere von Siegfried Kowollik und Leonhardt Maniura. Da manche Erinnerungen erst Jahrzehnte nach den Ereignissen niedergeschrieben wurden, müssen einzelne Abweichungen zwischen den Überlieferungen berücksichtigt werden.

  • Gründungsdatum: Die Quellen nennen den 13. beziehungsweise den 24. Juli 1937. Im Haupttext wird deshalb bewusst nur die gesicherte Formulierung „im Juli 1937“ verwendet.
  • Erster öffentlicher Auftritt: Die Erinnerung von 1981 nennt den Ostermontag 1938. Ein später veröffentlichter Nachdruck aus der „Ostdeutschen Morgenpost“ beschreibt dagegen bereits einen Auftritt zu Silvester 1937. Es bleibt offen, ob beide Berichte exakt dieselbe Musikergruppe betreffen.
  • Czysch: Im Bericht von 1981 erscheint der Vorname Theo, in der Verlustliste von 1987 dagegen Helmut. Beide Angaben wurden deshalb nicht ohne weiteren Nachweis zu einer Person zusammengeführt.
  • Josef Skowronek: Die Nachricht, dass er 1987 bereits verstorben war, erlaubt keine sichere Aussage über Datum und Umstände seines Todes.
  • Trossingen 1993: Das erhaltene Material kündigt ein Treffen lediglich an. Ein Nachweis für seine tatsächliche Durchführung liegt bislang nicht vor.

Bibliografie und Bildquellen

  1. „Der 1. Harmonika-Club 1937 Schomberg“, „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1981, Nr. 4, S. 29–32. S. 29 · S. 30 · S. 31 · S. 32
  2. Siegfried Kowollik, „Harmonika-Pionier Willi Hunn, 70 Jahre“, Mai 1983, Nr. 5, S. 21–22. S. 21 · S. 22
  3. „50 Jahre 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg“, Mai 1987, Nr. 5, S. 25–26. S. 25 · S. 26
  4. Leonhardt Maniura, „Aus der Frühzeit des 1. Handharmonika-Clubs Schomberg 1937“, September 1990, Nr. 9, S. 13. Scan ansehen
  5. „Eine Mädchenspielgruppe im Schomberger Vereinshaus“, April 1983, Nr. 4, S. 31. Scan ansehen
  6. „Harmonikamädchen im »Schomberger Kloster«“, April 1987, Nr. 4, S. 27. Scan ansehen
  7. „Handharmonika-Spielgruppe der Hohenzollerngrube Schomberg“, September 1981, Nr. 9, S. 35. Scan ansehen
  8. „Fanfarenzug Schomberg“, Dezember 1991, Nr. 12, S. 15. Scan ansehen
  9. Siegfried Kowollik, „Glanzvolle Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg“, November 1987, Nr. 11, S. 26–30. S. 26 · S. 27 · S. 28 · S. 29 · S. 30
  10. „Schomberger Schul- und Harmonikafreunde in Bad Godesberg“, Juli/August 1981, Nr. 7/8, S. 30–33. S. 30 · S. 31 · S. 32 · S. 33
  11. „Tafel 3: Handharmonika und Kirche“, städtischer historischer Tafelweg in Klingenthal. Ergänzende Informationen zur Terminologie und zu historischen Handharmonika-Typen. Seite ansehen
  12. Bericht über die Feier zum 700-jährigen Bestehen Schombergs in Recklinghausen, „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Oktober 1989, Nr. 10. Mit dem Hinweis auf den Auftritt ehemaliger Harmonikaspieler und den Marsch „Junges Blut“.
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Mroczna grafika przedstawiająca zabytkową kolumnę z figurą Matki Boskiej w strugach deszczu na tle starych drzew. Widoczny napis: Szombierska Panienka. Historia figury Matki Boskiej, Johanna Jandy i zaginionego oryginału.

Die Schomberger Jungfrau. Die Geschichte der Mariensäule, von Johann Janda und dem verschollenen Original.

Geschichte von Schomberg

Die Schomberger Jungfrau Die Geschichte der Mariensäule, von Johann Janda und dem verschollenen Original

Wir gehen oft an ihr vorbei, wenn wir die Herz-Jesu-Kirche in Schomberg passieren. Die schöne, schlanke Marienstatue auf einer hohen Säule scheint schon immer hier gestanden zu haben. Aus den Archivalien geht jedoch eine viel komplexere Geschichte hervor: das Schicksal des verschollenen Originals, zerschossene Terrakotta, die Arbeit eines herausragenden Künstlers und die mühsame Korrektur von Mythen, die sich im Laufe der Jahrzehnte um diesen Ort gerankt haben.

Die heutige Skulptur in Schomberg ist eine direkte Fortsetzung der alten Anlage, wenn auch in veränderter Form. Um ihre wahre Geschichte kennenzulernen, muss man in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen und deutsche Presseberichte, Erinnerungen sowie spätere Berichte heranziehen, die es ermöglichen, Fakten von wiederholten Ungenauigkeiten zu trennen.

Eine Stiftung aus Sehnsucht nach der Jugendzeit

Die Initiatorin der Errichtung der Statue war Gräfin Johanna Schaffgotsch, die berühmte Erbin des Vermögens von Karl Godulla. Aus Dankbarkeit für die in Schomberg verbrachte Jugendzeit gab sie das Denkmal in Auftrag. Der direkte Anlass für die Errichtung des Denkmals im Jahr 1864 war der Umzug der Familie in das neue Palais in Breslau (an der Ecke Schweidnitzer Stadtgraben und Neue Taschenstraße). Für die Skulptur zahlte ihr Ehemann, Graf Hans Ulrich Schaffgotsch, die runde Summe von etwa 300 Talern.

Die Zeitschrift Schlesische Provinzialblätter. Neue Folge aus dem Jahr 1864 berichtet, dass der Graf die Statue an der Schomberger Straße in der Nähe des Bahnhofs Morgenroth (heute Chebzie) an einem „gut gewählten Ort“ aufstellen ließ. Aus späteren Berichten geht hervor, dass es sich um eine von Bäumen gesäumte Straße handelte, die in Richtung der damaligen Staatsgrenze zum unter russischer Herrschaft stehenden Königreich Polen führte.

Interessanterweise wurde der künstliche Hügel für die Statue bereits drei Jahre zuvor, im Jahr 1861, aufgeschüttet. Dazu wurde Erde aus dem Umbau und der Verbreiterung der nahe gelegenen Godullahütter Straße verwendet. Die Straßenbauarbeiten wurden aus privaten Mitteln der Gräflich Schaffgotsch’schen Werke finanziert, da diese Straße bis zur Ziehung der neuen Grenzen eine Schlüsselrolle als Hauptzufahrtsstraße zu den Werken in Orzegow und Morgenroth spielte.

Standort: Die Statue stand ursprünglich nicht an der heutigen Herz-Jesu-Kirche in Schomberg. Ihr heutiger Standort ist das Ergebnis einer Verlegung nach dem Krieg und der Anfertigung einer Replik, nachdem die originale Terrakottaskulptur zerstört worden war.

Ein Genie von der Weide: Johann Janda

Der Auftrag ging nach Berlin in das Atelier eines Bildhauers mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Johann Janda wurde 1827 in Klein-Darkowitz (heute in Tschechien) als Sohn eines armen Tischlers geboren. Bevor er von den damaligen Eliten geschätzt wurde, übte er seine Kunst, indem er beim Kühehüten Holzfiguren schnitzte.

Das Talent des jungen Janda wurde vom örtlichen Bürgermeister bemerkt. Dies ebnete ihm den Weg zur weiteren Ausbildung: zuerst in Breslau und später in Dresden. Die Karriere des Künstlers nahm in der schwierigen Zeit des Völkerfrühlings Fahrt auf. Angesichts der revolutionären Unruhen war sein Gönner, Baron von Stücker, gezwungen, in die Schweiz zu emigrieren. Bevor dies jedoch geschah, half er Janda, nach Berlin unter die Fittiche des berühmten Christian Daniel Rauch zu gelangen.

Janda unternahm in den Jahren 1867–1868 auch eine Reise nach Italien und schuf erfolgreich Werke in verschiedenen Materialien: Holz, Metall, Elfenbein und Terrakotta. Genau aus geformtem und gebranntem Ton fertigte er 1862 die überlebensgroße Schomberger Marienstatue an. Das Monument wurde auf einer soliden Konstruktion errichtet: Auf drei Granitplatten wurde ein ein Meter hoher Betonsockel gegossen, der wiederum eine drei Meter hohe Sandsteinsäule trug.

Schockierende Farbgebung und Schutz aus Ton

Das ursprüngliche Aussehen des Werkes unterschied sich stark von dem, wie es Jahre später in Erinnerung blieb. Die Marienstatue war anfangs bunt (polychromiert) und ihre Krone erstrahlte in Vergoldung. Der Sockel des Denkmals war hingegen grau. Die aus späteren Jahren bekannte einheitliche, braune Beschichtung war in Wirklichkeit eine Schutzlackschicht, die erst später aufgetragen wurde, um die anfällige Terrakotta vor den schädlichen Einflüssen des schlesischen Wetters zu bewahren.

Regen, Litanei und zwei Sprachen

Die feierliche Enthüllung und Einweihung des Werkes fand am 14. September 1864 statt. Von der örtlichen Kapelle in Schomberg, die an der alten Straße lag, setzte sich eine Prozession in Bewegung. Das Wetter spielte überhaupt nicht mit. Trotz eines gewaltigen Platzregens nahm der Graf selbst mit seiner Gemahlin, einer Menge von Gläubigen, gräflichen Beamten und Schulkindern an dem langen Zug teil. Für Letztere hatte der Graf eine besondere Überraschung vorbereitet – er stiftete aus diesem Anlass einen zusätzlichen Betrag von 50 Talern, der direkt für die schulischen Bedürfnisse der Jüngsten bestimmt war.

Vor Ort kam es zu einem schönen, symbolischen Moment, der in späteren Berichten festgehalten wurde. Die Zeremonie leitete der berühmte Beuthener Pfarrer Józef Szafranek (in den deutschen Chroniken als Pfarrer Schaffranek verzeichnet). Er war es, der zunächst eine Ansprache in polnischer Sprache an das versammelte Volk hielt und sich anschließend auf Deutsch an den Grafen wandte. Dieses Detail veranschaulicht gut die sprachliche und soziale Realität des damaligen Oberschlesiens: Das einfache Volk, die deutschsprachige Verwaltung und die aristokratischen Stifter funktionierten in einem einzigen, aber vielschichtigen Raum.

Demontage des Originals: Kugeln und Bienen

Die originale Terrakottastatue überdauerte an ihrem ursprünglichen Platz über ein Jahrhundert. Die Entscheidung, sie zu versetzen, wurde aus profanen Gründen getroffen. Im Juni 1968 wurde festgestellt, dass das Objekt den wachsenden Straßenverkehr behinderte.

Genau während der Verlegungsarbeiten kam es zur Zerstörung der über hundertjährigen Skulptur von Janda. Wie Franz Strzala im Jahr 1970 in den Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblättern berichtete, zerfiel die demontierte Terrakotta in Stücke. Dabei kam das ungewöhnliche Innere der Figur zum Vorschein: Die Skulptur war hohl, und diesen Raum hatte ein riesiger Bienenschwarm in Beschlag genommen.

Auf der Oberfläche der Statue wurden auch Einschusslöcher eines Gewehrs gefunden. Berichten zufolge könnten diese ein Andenken an die turbulenten Ereignisse der Schlesischen Aufstände oder an den Septemberfeldzug 1939 sein. Eines ist sicher: Das Terrakotta-Original trug Spuren einer Geschichte, die viel dramatischer war, als es aus der Perspektive eines ruhigen Wegkreuzes erscheinen mochte.

Ein neues Leben an der Kirche

Die Terrakottastücke waren nicht mehr zu retten. So wurde die Anfertigung einer Replik in Auftrag gegeben, und diese Aufgabe übernahm eine berühmte Werkstatt aus Deutsch Piekar (Piekary Śląskie). Im Herbst 1969 wurde die neue, diesmal bemalte Marienstatue östlich der Schomberger Herz-Jesu-Kirche aufgestellt.

Wissenswertes: Die Piekarier Werkstatt der Familie Schaefer

Für die Anfertigung der neuen Skulptur war die renommierte Werkstatt für kirchliche Kunst von Kazimierz Schaefer (in den deutschen Archivalien oft abgekürzt als K. Schaefer) verantwortlich. Dies ist ein wichtiges historisches Detail, da dieser Name in späteren Jahren in der Presse oft verfälscht wurde (z. B. als „Schaffer“). Die Familie Schaefer führte in Deutsch Piekar eine äußerst verdiente Bildhauerwerkstatt, aus der viele wunderbare Werke hervorgingen, die schlesische Gotteshäuser schmücken.

Erhalten blieb hingegen der originale, massive Sockel der alten Anlage. Bis heute kann man die in den Stein gemeißelte lateinische Inschrift lesen:

ST MARIA REGINA COELI ORA PRO NOBIS Heilige Maria, Königin des Himmels, bitte für uns.
Gesamtansicht der Marienstatue mit vollständiger Säule, Sockel und Umgebung vor der Kirche in Schomberg Mittlere Einstellung der Marienstatue umgeben von Grün vor der Backsteinfassade der Kirche Nahaufnahme des Details der Marienstatue und des Kapitells der historischen Säule in Schomberg

Aktueller Zustand: Polychromierte Replik auf dem originalen Sockel bei der Schomberger Kirche.

Fakten und Mythen rund um die Schomberger Statue

Die Erforschung der Lokalgeschichte erfordert oft eine geduldige Überprüfung der in der späteren Presse veröffentlichten Informationen. Ein gutes Beispiel ist ein Artikel aus einer lokalen Wochenzeitung aus dem Jahr 1999, der durch Ungenauigkeiten den Ursprung für einige später wiederholte Behauptungen bildete. Was genau lässt sich anhand älterer Quellen korrigieren?

Mythos über das Datum der Zerstörung

Manchmal findet man die Information, dass die Skulptur bereits 1868 zerstört wurde. Dies ist fast sicher ein Druckfehler oder ein sogenannter Zahlendreher. Das Original wurde während der Verlegung im Jahr 1968 demontiert und zerstört.

Mythos über den Standort

Gelegentlich wird behauptet, die Statue habe früher auf dem Dach eines Schuppens an der Godullastraße in Ruda Śląska gestanden. Dies ist höchstwahrscheinlich die Folge einer falschen Interpretation des deutschen Namens Godullahütter Landstraße, also der Landstraße, die in Richtung der Godullahütte führte. Die Skulptur stand von Anfang an auf einer hohen Säule an der Straße in der Nähe des Bahnhofs Morgenroth.

Wenn Sie das nächste Mal an der Schomberger Kirche vorbeigehen, lohnt es sich, nach oben zu schauen. Dort befindet sich nicht nur ein religiöses Symbol, sondern ein greifbares Zeugnis der komplexen Geschichte des industriellen Schlesiens: die Erinnerung an die Familie Schaffgotsch, das Schicksal des verschollenen Werkes von Johann Janda, das Echo alter Grenzen, von Kriegseinschusslöchern und außergewöhnlichen Bienen, die sich einst im hohlen Inneren der Terrakottastatue versteckten.

Quellen und Archivmaterialien
  1. Schlesische Provinzialblätter. Neue Folge, Bd. 3, 1864, S. 737–738.
  2. Der Schwarze Adler, Jg. 3, Nr. 1, Januar 1921, Rubrik: Gedenktage im Januar.
  3. Oberschlesien im Bild, Nr. 31, 27. Juli 1928, Artikel: Johann Janda, ein Bildhauer unserer Heimat.
  4. Franz Strzala, Die Marienstatue in Schomberg, in: Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt, Nr. 11, November 1970, S. 30–31.
  5. Schomberger Bilderbogen: Marienstatue in Schomberg, in: Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt, Nr. 9, September 1981, S. 33.
  6. Ernst Kotzbik, Die Mariensäule in Schomberg, in: Schaffgotsch Werks-Zeitung, 1935, Jg. 3, Nr. 4.
  7. Fotodokumentation aus den Jahren 1920–1930 sowie zeitgenössische Sammlungen.
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Schaffgotsch 1934 – akcja zakupu 5500 świątecznych gęsi dla pracowników

Operation „Weihnachtsgans“. Wie ein Direktor und Flieger Weihnachten bei den Schaffgotsch-Werken rettete

Oberschlesien · 1934 · Geschichte mit einem Augenzwinkern

Operation „Weihnachtsgans“. 5500 Vögel, Orient-Express und ein doppelter Kognak

Wie die Schaffgotsch-Werke auf die Jagd nach einem Weihnachtsgeschenk für ihre Belegschaft gingen – und wie aus einer einfachen Idee rasch eine logistische Komödie wurde.

Herbst 1934. In der Leitung der Schaffgotsch-Werke entsteht eine Idee: Zu Weihnachten müssen 5500 lebende Gänse beschafft werden.

Fünftausendfünfhundert.
Lebend.

Auf dem Papier sah alles ausgezeichnet aus. Dann erfuhr Gutsinspektor Mende aus Bobrek von den Einzelheiten.
Humoristische Schwarzweiß-Illustration eines Mannes mit einer lebenden Weihnachtsgans in Oberschlesien im Jahr 1934
Illustration: eine Weihnachtsgans im oberschlesischen Alltag der 1930er Jahre.

Der Flieger mit der Vorliebe für Vögel

Urheber dieser kühnen Idee war Dr. Hans Verres, einer der führenden Männer der mächtigen Schaffgotsch-Werke.

Die Werkszeitung erklärte seine Initiative auf eine Weise, die man auch nach mehr als neunzig Jahren kaum verbessern muss. Verres sei Flieger gewesen und habe deshalb offenbar „Vorliebe für die Vögel“ gehabt.

Der Scherz war für die damaligen Leser sofort verständlich. Verres gehörte tatsächlich zu den wichtigen Persönlichkeiten des oberschlesischen Flugsports. 1934 führte er die Fliegeruntergruppe Oberschlesien, und die regionale Presse lobte die Organisation des Flugwesens unter seiner Leitung. Als sichtbaren Erfolg nannte man den dritten Platz beim Deutschlandflug.

Zum Geburtstag schenkten ihm die Gleiwitzer Flieger sogar eine in der dortigen Staatlichen Hütte gegossene Hindenburg-Büste.

Kurz gesagt: Als der Flieger Verres auf die Idee kam, einige Tausend Gänse zu kaufen, bekam der Autor der „Schaffgotsch Werks-Zeitung“ den passenden Witz praktisch frei Haus geliefert.

Generaldirektor Dr. Berve genehmigte den Plan. Also: ans Werk!

Karikatur eines Direktors der Schaffgotsch-Werke, der 1934 den Plan zur Beschaffung von 5500 lebenden Gänsen präsentiert
Illustration: der Plan war einfach – 5500 Gänse. Die Einzelheiten sollten später kommen.

Mende nimmt den Bleistift – und plötzlich wird es ungemütlich

Für die Expedition wurden Fachleute abgestellt. Da war Gutsinspektor Mende, da war Einkaufschef Dr. Schwenzer, und am Steuer saß Fonfara. Mit dem Wagen ging es über Rosenberg, Kreuzburg, Oppeln und Deschowitz.

Die Aufgabe war einfach: 5500 Gänse finden.

Mende machte allerdings den ersten Fehler.

Er fing an zu rechnen.

Nach Mendes Berechnung würden 5500 Gänse täglich ungefähr 55 Zentner Hafer und 165 Zentner Möhren benötigen.

In heutigen Einheiten heißt das: 2,75 Tonnen Hafer + 8,25 Tonnen Möhren = rund 11 Tonnen Futter pro Tag.

Für zwanzig Tage wären das ungefähr 220 Tonnen Gänsefutter.

In diesem Augenblick begann das Weihnachtsgeschenk eher wie die Versorgungsaktion für eine mittelgroße Armee auszusehen.

Mende versuchte deshalb, Fahrer Fonfara davon zu überzeugen, vielleicht doch lieber umzudrehen. Der Einkaufschef beruhigte ihn. Ein großes Gut müsse mit so einer Kleinigkeit doch fertigwerden. Hier etwas Hafer, dort ein paar Möhren …

Da fiel Mende noch ein weiteres Detail ein:

Er hatte nicht einmal einen Platz für diese 5500 Gänse.

„Dann bauen wir eben etwas an?“

Der mitreisende Vertreter der Landwirtschaftlichen Warenzentrale Oppeln schlug eine Lösung vor, wie sie einem tüchtigen Organisator würdig war:

Dann muss eben angebaut werden.

Mende war ungefähr so begeistert, wie man es von einem Mann erwarten darf, dem gerade erklärt wurde, dass er wegen einiger Weihnachtsgänse sein Gut erweitern solle.

Sein Gut war erst nach längerer Zeit dabei, einen kleinen Gewinn abzuwerfen, und nun sollten plötzlich zusätzliche Kosten entstehen, weil irgendjemand ganz oben 5500 lebende Gänse für eine hervorragende Weihnachtsidee hielt.

Sparsamkeit! Vernunft! Eiserner Fleiß! … und ein paar Tausend Gänse.

Der Orient-Express kommt

Mende sah seine Felder in Bobrek bereits vor sich.

Darauf: 5500 friedlich umherlaufende Gänse.

Und dann fährt ein Zug vorbei.

Nicht irgendeiner.

Der Orient-Express.

Mende sah die Szene schon vor seinem inneren Auge: Der Zug fährt vorbei, die Gänse geraten kollektiv in Panik und alle 5500 heben ab. Das Weihnachtsgeschenk verlässt gerade Bobrek …

Stellen wir uns das vor: Bobrek, 1934. Unten Gruben und Schlote. Auf den Gleisen der Orient-Express. Und darüber eine riesige Wolke flüchtender Gänse!

Humoristische Vision des Inspektors Mende: Tausende Gänse fliehen über Bobrek, aufgeschreckt vom Orient-Express
Illustration: Mendes schlimmster Traum – der Orient-Express löst über Bobrek eine große Gänsewanderung aus.

Dr. Schwenzer verschreibt ein Heilmittel

Gutsinspektor Mende war, wie der Bericht erkennen lässt, inzwischen völlig niedergeschlagen. Da trat Einkaufschef Dr. Schwenzer auf den Plan.

Er brachte seinen Kollegen mit … Kognak wieder auf die Beine – und zwar einem doppelten!

Die Methode muss überzeugend gewirkt haben, denn kurz darauf beschloss Schwenzer, vorsorglich dasselbe Heilmittel selbst einzunehmen.

Die Kommission konnte weiterfahren.

Gänse gab es allerdings immer noch keine.

Wo sind all die Gänse hin?

Sie fuhren von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt, doch überall sah es ähnlich aus: keine Gänse.

Schließlich fand man die Ursache der Katastrophe.

Etwa einen Monat zuvor waren Händler aus der Gegend von Trebbin in Brandenburg durch die Region gezogen. Sie kauften Geflügel auf, das später für die Feinschmecker in Leipzig, Dresden und Berlin bestimmt war.

Laut Werksbericht hatten sie bereits ungefähr 100.000 Gänse aufgekauft.

Zum Glück hatten die Bauern noch eine „stille Reserve“

Die Lage schien aussichtslos – bis die Bauern eine sehr wichtige Nachricht hörten.

Die neue Schaffgotsch-Gänseaufkäufer-Kommission war bereit, mehr zu zahlen als die vorherigen Händler.

Und plötzlich geschah ein Wunder!

Die Gänse tauchten wieder auf.

Hier und da stellte sich heraus, dass die Bauern doch noch über eine gewisse „stille Reserve“ verfügten.

Natürlich ging es nicht ums Geld. Keineswegs. Wie der Autor ironisch bemerkte, wollten die Bauern lediglich den „armen Kumpels“ einen Weihnachtsbraten gönnen.

Dass Schaffgotsch besser zahlte, war vermutlich nur ein glücklicher Zufall.

20.000! Jetzt sind es zu viele!

Plötzlich drehte sich die Lage um 180 Grad.

Ein Bauer versprach so viele. Der nächste noch mehr. Ein dritter entdeckte gleich die nächste „stille Reserve“.

Die Kommission notierte die Zusagen, hielt aber an einer vernünftigen Regel fest:

„Erst Ware, und dann das Geld!“

In Deschowitz wurden schließlich alle Zusagen zusammengezählt.

Bedarf: 5500 Gänse
Zugesagte Lieferungen: 20.000 Gänse

Und nun begann Mende, der sich eben noch Sorgen gemacht hatte, dass es zu wenige Gänse gäbe, sich Sorgen zu machen, dass es zu viele sein könnten.

„Zwanzigtausend Gänse! Was sollen wir mit so vielen Gänsen machen?!“

Der Mann hatte es wirklich nicht leicht.

Schwenzer dagegen bewahrte die Ruhe. Sinngemäß meinte er: Nur keine Aufregung – gut wäre es schon, wenn von den zwanzigtausend am Ende fünftausend kämen.

Und wie sich herausstellte, hatte er recht.

20.000 auf dem Papier. 2000 in Wirklichkeit

Die Kommission kehrte nach Hause zurück.

Ein Tag verging. Ein zweiter. Ein dritter. Ein vierter. Ein fünfter.

Von den zugesagten 20.000 blieben in der Realität ungefähr 2000 Gänse.

Mende atmete auf.

Man musste keine gigantischen Futtermengen beschaffen. Das Gut musste nicht erweitert werden. Und vor allem würde keine Armee von zwanzigtausend Vögeln auf einmal über die Felder von Bobrek marschieren.

Es gab nur ein kleines Problem:

Bis zu den benötigten 5500 fehlte immer noch eine ganze Menge.

Und wenn man einfach tote kauft?

Mende machte einen Vorschlag, wie ihn ein praktischer Mann eben macht.

Warum musste die Gans eigentlich lebendig sein?

Man konnte doch bereits geschlachtete Gänse kaufen. Auf dem Weihnachtstisch wäre das Ergebnis schließlich ungefähr dasselbe.

Der Vorschlag kam nicht durch.

Der Einkaufschef wollte nichts davon wissen, dass ein Schaffgotsch-Arbeiter irgendeine verdächtige „krepierte Gans“ bekam, bei der niemand wusste, wann und unter welchen Umständen sie ihr Leben beendet hatte.

Die Gans sollte beim Arbeiter lebend ankommen.
Punkt.

Die zweite Offensive beginnt

Diesmal wurde die Suche ausgeweitet.

„Späher“ wurden unter anderem nach Beuthen, Ratibor, Leobschütz und Falkenberg geschickt.

Die Anweisung war im Grunde einfach:

Alles, was nach Gans aussieht, mitnehmen.

Nun half die Landwirtschaftliche Warenzentrale in Oppeln.

Ein Lastwagen wurde zu einem großen fahrenden Käfig umgebaut. Und die Tour begann: von Dorf zu Dorf, von Stadt zu Stadt.

Wo eine Gans auftauchte, erschien die Kommission. Wo die Kommission erschien, tauchte Bargeld auf. Und wo Bargeld auftauchte, erschienen – durch einen bemerkenswerten Zufall – immer häufiger auch Gänse.

Der Autor der Werkszeitung fasste es ohne Illusionen zusammen: Den Widerstand der Gänsebesitzer brach am zuverlässigsten die „klingende Münze“.

Humoristische Illustration eines zum Gänsekäfig umgebauten Lastwagens während der Einkaufsaktion der Schaffgotsch-Werke im Jahr 1934
Illustration: fahrender Käfig, Bargeld und die zweite Offensive der Gänseeinkaufskommission.

Und was ist mit Schomberg?

Die ganze Geschichte betraf die Belegschaften des großen Schaffgotsch-Konzerns, zu dem schließlich auch die Hohenzollerngrube in Schomberg (heute Szombierki) gehörte.

Gerade hier sieht man gut, dass die Zahl 5500 nicht einfach aus der Luft gegriffen war.

Die Schaffgotsch-Werke konnten Betriebsfeiern für ihre Belegschaften durchaus im großen Stil organisieren. In einem erhaltenen Vorkriegsbericht über eine Barbarafeier auf der Hohenzollerngrube ist von mehr als 3000 Beschäftigten die Rede. Das Zechenhaus reichte nicht aus. Auch Waschkaue, Maschinenhallen und weitere Betriebsräume wurden zum Feiern genutzt.

Maschinen wurden mit Tannengrün verkleidet, lange Tischreihen aufgestellt. Darauf gab es Bier, Wurst, Semmeln und etwas Rauchbares.

Für einen Tag wurde sogar die normale Betriebsordnung aufgehoben und eine besondere Ordnung für die Barbarafeier bekanntgegeben. Generaldirektor Berve und Dr. Verres gingen durch die einzelnen Räume und begrüßten die Belegschaft.

Bei diesem Maßstab klang der Gedanke „Zu Weihnachten kaufen wir 5500 Gänse“ anfangs vielleicht wirklich gar nicht so bedrohlich.

(Bis jemand das Futter ausrechnete.)

Die Geschichte ist komisch – die Zeit war es nicht unbedingt

Hinter der humorvollen Geschichte stand natürlich ein deutlich nüchternerer Hintergrund.

Im selben Jahr 1934 erschien Dr. Verres auf der Hohenzollerngrube in Schomberg während eines Besuchs von Baldur von Schirach. Bei dieser Gelegenheit sprach er unter anderem über die Lohnverhältnisse in Oberschlesien und äußerte die Hoffnung auf baldige Besserung.

Ob gerade deshalb einige Monate später die Idee mit den Weihnachtsgänsen entstand, wissen wir nicht.

Eines lässt sich aber sagen: Eine lebende Gans vor Weihnachten war ein wesentlich konkreteres Geschenk als die nächste Hoffnung auf bald bessere Löhne.

„Und wenn meine Gans zu mager ist?“

Leider verrät uns der Bericht das wichtigste Ergebnis der ganzen Aktion nicht. Wir wissen nicht, ob am Ende tatsächlich alle 5500 Gänse zusammenkamen.

Wir wissen jedoch, dass die Werkskommission weiterhin an den Erfolg glaubte und hoffte, dass jeder Schaffgotsch-Arbeiter seine Weihnachtsgans erhalten würde.

Ein Problem blieb allerdings noch.

Was passiert, wenn ein Bergmann eine zu magere Gans bekommt?

Was, wenn er reklamieren kommt?

Was, wenn er die Verantwortlichen für den Einkauf persönlich aufsuchen möchte?

Dr. Schwenzer und Inspektor Mende hatten offenbar ebenfalls darüber nachgedacht. Deshalb beantragten sie für die Weihnachtszeit vorsorglich:

14 Tage Erholungsurlaub.

Und – wie die Kommission selbst schrieb – hegten sie die stille Hoffnung, dass ihnen der Urlaub „angesichts der Gefährlichkeit der Situation“ auch tatsächlich bewilligt würde.

Nach 5500 Gänsen, Hunderten Kilometern, 4400 Zentnern möglichem Futter, der Vision vom Orient-Express, zwanzigtausend Zusagen, zweitausend realen Vögeln und mindestens einem doppelten Kognak …

kann man es ihnen kaum verdenken.

Kandidaten für den Kochtopf

Der Originalbericht trug den Titel „Auf der Jagd nach Weihnachtsgänsen“.

Eines der Fotos war mit „In Erwartung der Kumpels“ überschrieben.

Die beste Bildunterschrift hob sich die Redaktion jedoch bis zum Schluss auf. Eine Gruppe von Menschen mit den Vögeln wurde betitelt:

„Abmarsch der Kochtopfaspiranten“

Mehr als neunzig Jahre sind vergangen. Wir wissen nicht, wie viele der geplanten 5500 Gänse vor Weihnachten tatsächlich in den Haushalten der Schaffgotsch-Beschäftigten ankamen.

Eines ist jedoch sicher: Die Weihnachtsgänse-Einkaufskommission hat uns eine der absurdesten und zugleich unterhaltsamsten Geschichten aus dem industriellen Oberschlesien hinterlassen.

Und Inspektor Mende?
Wir hoffen nur, dass er seinen Urlaub bekam.
Und dass in diesen vierzehn Tagen niemand in seiner Nähe von Gänsen sprach.

Quellen und verwendete Materialien
  • Schaffgotsch Werks-Zeitung, 1934, Jg. 2, Nr. 26: „Auf der Jagd nach Weihnachtsgänsen“ – Hauptquelle der gesamten Geschichte.
  • Oberschlesische Volksstimme, 1934, Jg. 60, Nr. 284 – Besuch auf der Hohenzollerngrube und die Äußerung von Dr. Verres zu den Lohnverhältnissen in Oberschlesien.
  • Der Oberschlesische Wanderer, 1934, Jg. 107, Nr. 183 – Tätigkeit von Dr. Verres im oberschlesischen Flugsport und Erwähnung des Deutschlandflugs.
  • Oberschlesische Volksstimme, 1934, Nr. 216, 253 und 311 – Materialien zur fliegerischen Tätigkeit von Dr. Verres.
  • Ostdeutsche Morgenpost, 1934, Nr. 214 und 229 – Tätigkeit des Flugsportmilieus und seine Verbindungen zur oberschlesischen Industrie.
  • Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt, November 1963 – rückblickender Bericht über eine der Vorkriegs-Barbarafeiern auf der Hohenzollerngrube in Schomberg.
  • Unser Oberschlesien, 1958 und 1968 – spätere biografische Materialien zu Dr. Hans Verres.
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Schomberg 1927 – ilustracja codziennego życia w przedwojennych Szombierkach

Schomberg 1927. Von der Schicht in der Grube bis zum Abend bei Schyska

Szombierki ist heute ein Stadtteil von Bytom (Beuthen). Der alte Ortskern hat sich stark verändert, manche Straßen tragen andere Namen, viele Gebäude sind verschwunden, und von zahlreichen Geschäften, Gasthäusern und Werkstätten ist keine Spur mehr geblieben.

Versuchen wir diesmal etwas anderes …

Wir wollen die Geschichte Schombergs nicht vom Mittelalter bis zur Gegenwart erzählen und auch nicht einfach Namen aus einem alten Adressbuch aneinanderreihen.

Wir schreiben das Jahr 1927.

Gehen wir hinaus auf die Straße und versuchen wir, einen ganz gewöhnlichen Tag im damaligen Schomberg zu erleben. Schauen wir, wo man Brot, Milch und Fleisch kaufte, wohin man mit Zahnschmerzen ging, wo die Kinder spielten, wie man sich durch den Ort bewegte und wo sich die Einwohner am Abend trafen.

Es wird nicht die Geschichte eines einzelnen Menschen sein. Es ist eine Rekonstruktion, zusammengesetzt aus Dutzenden kleiner Hinweise, die in Adressbüchern, Dokumenten und Erinnerungen ehemaliger Einwohner erhalten geblieben sind.

Das Jahr 1927 bildet dabei unseren Bezugspunkt. Manche Einzelheiten über Preise, Gewohnheiten oder den Alltag kennen wir jedoch aus später niedergeschriebenen Erinnerungen an die 1920er und frühen 1930er Jahre. Wir wollen also nicht so tun, als hätte sich alles genau an ein und demselben Tag ereignet.

Uns interessiert etwas viel Einfacheres: Wie sah der Alltag im Schomberg der Vorkriegszeit aus?

Inhaltsverzeichnis
Schomberg und Umgebung 1927 mit eingezeichneter deutsch-polnischer Grenze
Schomberg und Umgebung im November 1927. Zeitgenössisch gestaltete Bearbeitung auf Grundlage eines amtlichen Plans des Stadtvermessungsamtes Beuthen O/S. Deutlich zu erkennen ist die deutsch-polnische Staatsgrenze.

1. Schomberg ist längst ein anderer Ort

Noch hundert Jahre zuvor war Schomberg ein kleines Dorf. 1927 aber wird das Leben längst vor allem vom Rhythmus der Industrie bestimmt.

Zwei Jahre zuvor, am 1. Oktober 1925, wurde der Gutsbezirk mit der Hohenzollerngrube in die Gemeinde eingegliedert. Nach der Vereinigung von Gemeinde und Gut lebten hier bereits mehr als achttausend Menschen.

Auf den Straßen begegnet man weiterhin Pferdefuhrwerken und Karren. Der Sattler hat noch alle Hände voll zu tun, Bäcker fahren ihre Waren aus, und auch Kohle wird mit Pferdewagen zu den Häusern gebracht.

Gleichzeitig benutzen die Einwohner bereits Straßenbahnen, Telefone und elektrischen Strom. Bauunternehmen arbeiten mit Eisenbeton, und auf den Straßen tauchen die ersten Automobile auf.

Die alte und die neue Welt existieren nebeneinander.

Beuthenerstraße im alten Schomberg mit Godulla-Schloss und Kraftwerk im Hintergrund
Beuthenerstraße, heute ul. Zabrzańska. Rechts im Vordergrund ist das Schloss von Karl Godulla zu sehen, dahinter die Bebauung Schombergs und am Horizont die charakteristische Silhouette des Kraftwerks.

2. Am Morgen. Die Grube bestimmt den Takt des Tages

Eine Erzählung über Schomberg kann kaum beginnen, ohne die Hohenzollerngrube zu erwähnen. Sie gab dem Alltag des Ortes seinen Rhythmus: Sie bestimmte Arbeitszeiten, Tagesabläufe und den Lebensunterhalt hunderter Familien.

Die Grube war der größte Arbeitgeber Schombergs. Nach späteren Erinnerungen von Siegfried Kowollik sollen dort sogar 97 Prozent der erwachsenen einheimischen Männer gearbeitet haben. Diese Zahl ist als Erinnerung eines früheren Bewohners zu verstehen, doch sie zeigt sehr deutlich, wie stark die ganze Gemeinde vom Bergbau geprägt war.

Bergleute unter Tage in der Hohenzollerngrube in Schomberg
Bergleute unter Tage in der Hohenzollerngrube. Eine solche Arbeit bestimmte den Tagesrhythmus im Schomberg der Vorkriegszeit und sicherte vielen einheimischen Familien den Lebensunterhalt.

In Quellen aus dem Jahr 1927 erscheinen die Namen der Männer an der Spitze des Betriebs: Direktor Hübner sowie Janik und Fromlowitz. In der Nähe arbeitet außerdem das Kraftwerk, dessen Direktor Hilger und dessen Betriebsleiter Ingenieur Kober ist. Die großen Industriebetriebe bildeten in Schomberg ein enges Geflecht, von dem der Alltag der Einwohner abhing.

Die Grube beschäftigte einen großen Teil der einheimischen Männer und versorgte Bergarbeiterfamilien mit Kohledeputat. Das in den großen Betrieben verdiente Geld floss später in die örtlichen Geschäfte, Bäckereien, Werkstätten und Gasthäuser zurück und hielt damit auch das übrige Wirtschaftsleben des Ortes in Gang.

Kohle blieb auch nach Schichtende Teil des Alltags. Bergleute erhielten sie als Deputat; andere Einwohner konnten Brennstoff kaufen und sich liefern lassen. Nach Erinnerungen von Anton Rzyla wurde die Kohle mit einem Pferdewagen ausgefahren: Eine Fuhre von 20 Zentnern soll acht Mark gekostet haben, hinzu kamen zwei Mark für den Transport.

Wer sich ausführlicher für die Geschichte des Betriebs interessiert, findet dazu einen eigenen Beitrag: KWK Szombierki / Hohenzollerngrube – Geschichte des Bergwerks.

3. Am Morgen muss Brot auf den Tisch

Gehen wir zur Beuthenerstraße, der heutigen ul. Zabrzańska.

Das Adressbuch von 1927 lässt uns beinahe in die einzelnen Läden hineinschauen.

Unter Nummer 5 befindet sich das Fleischgeschäft Gebauer, unter Nummer 12 das Kolonialwarengeschäft Straube. August Piechatzek führt unter Nummer 13 Maler- und Dekorationsarbeiten aus und fertigt Schilder an, während Josef Gorski unter Nummer 16 Milchprodukte verkauft.

Unter Nummer 37 befindet sich die Bäckerei von Josef Bursig.

Diese Adresse hat für mich auch eine familiäre Bedeutung. Josef Pius Bursig war mit Elisabeth, geborene Flatzek, verheiratet — einer Schwester meines Urgroßvaters Wincenty Flaczek. Der Bäcker von der Beuthenerstraße 37 war damit sein Schwager.

Bäckerei Josef Bursig, Beuthenerstraße 37 in Schomberg
Beuthenerstraße 37 — Bäckerei Josef Bursig. Daneben ist ein benachbartes Lokal mit der Bezeichnung „Gasthaus“ zu sehen. Spätere Quellen nennen unter Nummer 38 das Gasthaus Grisko, das spätere „Deutsche Haus“. Die Zeichnung zeigt somit die beiden benachbarten Lokale.

Bursig war nicht der einzige Bäcker im Ort.

An der Orzegowerstraße arbeitete Anton Juraschek, an der Verbindungsstraße Franz Oblong und an der Wilhelmstraße Karl Matzkowski. In späteren Jahren übernahm nach dem Tod Jurascheks auch Theo Flatzek dessen Bäckerei.

Den Namen Oblong können wir heute dank einer erhaltenen Fotografie zweifelsfrei lesen. Über dem Eingang des Geschäfts steht in großen Buchstaben:

„Brot-Weiss-Fein-Bäckerei Franz Oblong“.

Bäckerei Franz Oblong in Schomberg mit dem Schild Brot-Weiss-Fein-Bäckerei Franz Oblong
Bäckerei Franz Oblong in Schomberg. Über dem Eingang ist das Schild „Brot-Weiss-Fein-Bäckerei Franz Oblong“ zu sehen.

Spätere Erinnerungen haben sogar den Preis einer gewöhnlichen Semmel bewahrt: Sie soll 5 Pfennig gekostet haben.

Innenraum der Bäckerei Franz Oblong in Schomberg beim Backen
Innenraum der Bäckerei Franz Oblong in Schomberg. Ganz rechts steht der Inhaber Franz Oblong. Am Ofen ist die Arbeit in vollem Gange — gerade wird ein schlesischer Streuselkuchen, ein Kołocz, herausgenommen.

4. Bäcker Matzkowski und sein Pony Max

Mit der Bäckerei von Karl Matzkowski verbindet sich eines jener kleinen Details, die man in einem amtlichen Adressbuch vergeblich sucht.

Matzkowski soll seine Backwaren persönlich mit einem besonderen Pferdewagen durch Schomberg ausgefahren haben. Den Wagen zog ein kleines Pony namens Max, und für die Lieferung des Brotes wurden 10 Pfennig berechnet.

So lässt sich die morgendliche Wilhelmstraße gut vorstellen: Matzkowskis Brotwagen, Pferdefuhrwerke und Gruppen von Bergleuten, die zur Arbeit gingen oder von der Schicht zurückkehrten.

Gleichzeitig tauchten auf den Straßen bereits Automobile auf.

In der Wilhelmstraße 19 befand sich zuvor das Kolonialwarengeschäft von Maria Walter. Erhalten ist eine Aufnahme des Ladens aus der Zeit um 1915–1925 mit dem großen Schild „M. Walter“. Vor dem Eingang steht die Tochter der Inhaberin, Gertruda Ochmann, geborene Walter.

In späteren Erinnerungen erscheint das Haus als das Haus der „Walterka“ beziehungsweise „Frau Walter“. Frau Walter soll eines der ersten Automobile in Schomberg — möglicherweise ein dreirädriges Motorfahrzeug — unter anderem zur Versorgung ihres Geschäfts genutzt haben.

Kolonialwarengeschäft Maria Walter, Wilhelmstraße 19 in Schomberg
Kolonialwarengeschäft Maria Walter in der Wilhelmstraße 19, etwa 1915–1925. Vor dem Eingang steht die Tochter der Inhaberin, Gertruda Ochmann, geborene Walter.

Pferdegespann und Automobil begegneten sich also auf denselben Straßen. Schomberg am Ende der 1920er Jahre stand genau zwischen diesen beiden Welten.

5. Die Kinder machen sich auf den Weg zur Schule

1927 besitzt Schomberg zwei große Volksschulen — eine für Jungen und eine für Mädchen. Die Knabenschule leitet Paul Franzke, die Mädchenschule Zmieschkol. In den Quellen erscheinen außerdem Pietsch und Schweter. Daneben gibt es eine Berufsschule für angehende Bergleute sowie Fortbildungsunterricht für Handel und Handwerk.

Die älteste Graue Schule stammte noch aus dem 19. Jahrhundert. Ihren Namen verdankte sie dem grauen Putz. Zu Beginn der 1920er Jahre verfügte sie über vier Klassenräume, von denen einer auch für praktische Übungen genutzt wurde.

Graue Schule, ehemalige Knabenschule in Schomberg
Graue Schule — die ehemalige Knabenschule in Schomberg. Das Gebäude der früheren Volksschule steht bis heute an der ul. Zabrzańska 85 in Bytom.

Aus dem Jahr 1927 ist außerdem eine Aufnahme einer Klasse der Knabenvolksschule mit Konrektor Pietsch erhalten. Dank der Bildbeschriftung kennen wir die Namen vieler Schüler: Buchta, Schubert, Purgoll, Matuschowitz, Skowronek, Gabrysch, Kraiczyk, Heiduk, Kalka, Pfeiffer, Gawlik, Pollok, Duda und viele andere.

Heute sehen wir in ihnen Schüler aus einer weit entfernten Epoche.

Damals gingen sie einfach morgens zur Schule.

Schüler der Knabenvolksschule in Schomberg
Schüler der Knabenvolksschule in Schomberg. Innenansicht eines Klassenraums der damaligen Knabenvolksschule.

6. Wilhelmstraße — Handel und Alltagswege

Vor Mittag werfen wir einen Blick in die Wilhelmstraße, die heutige ul. Witosa.

Das Adressbuch von 1927 zeigt sie als eine der geschäftigsten Einkaufsstraßen Schombergs.

Unter Nummer 4 führt Viktor Kempa ein Geschäft. Unter Nummer 5 arbeitet Fleischer Wittkowski. Unter Nummer 7 handelt Franz Rzyla mit Fahrzeugen.

Unter Nummer 8 befindet sich das Gasthaus von Karl Schyska — dorthin kehren wir am Abend noch zurück.

Weiter finden wir Matzkowskis Bäckerei, Kluziks Lokal, das Unternehmen von Paul Kowolik, die Geschäfte von Heer und Ledwig, einen Buchverkauf, Fleischer, einen Friseur und weitere Betriebe der Familie Rzyla.

Bei Ledwig kann man anschreiben lassen

In der Wilhelmstraße 20 stand das große Mietshaus von Blasius Ledwig. Nach Erinnerungen lebten darin zwölf Familien.

Das Lebensmittelgeschäft führte Marie Ledwig, unterstützt von ihren Töchtern Else, Magdalena und Marie.

Bergleute kauften dort auch auf Pump — sie ließen anschreiben und bezahlten erst nach dem nächsten Zahltag.

Der Handel beruhte zu einem großen Teil auf persönlicher Bekanntschaft und Vertrauen. Die Rechnung konnte später beglichen werden.

Im selben Haus lebten unter anderem der Schuhmacher Johann Morawietz mit seiner Familie, der Gerichtsangestellte Max Bernard, der Versicherungsagent Wlodarczyk und der Kellner Kompalla.

Ein Wäschekorb und 15 Pfennig

Alltagsgeschichte besteht nicht nur aus dem Leben der Grube und des Rathauses. Dazu gehören auch ganz gewöhnliche Pflichten: Wäsche waschen, schwere Körbe tragen, die Wäsche trocknen und mangeln.

Im Hof der Ledwigs konnten die Bewohner eine handbetriebene Wäschemangel benutzen. Das Mangeln eines vollen Wäschekorbs soll 15 Pfennig gekostet haben. Eine zweite Mangel stand neben Griskos Milchgeschäft.

Heute mag ein solches Detail nebensächlich erscheinen. Damals gehörte es einfach zum normalen Wochenablauf vieler Schomberger Familien.

7. Was gibt es heute zu Mittag?

Fleisch konnte man unter anderem bei Gebauer an der Beuthenerstraße sowie bei mehreren Fleischern an der Wilhelmstraße kaufen. Gemüse verkaufte Drescher, Milchprodukte bot Gorski an.

Pferdewagen bei der Milchauslieferung auf der Wilhelmstraße in Schomberg
Milchauslieferung auf der Wilhelmstraße, heute ul. Witosa. Der Pferdewagen der Milchversorgung zeigt, wie Waren noch zu Beginn der 1930er Jahre direkt durch die Straßen Schombergs ausgefahren wurden.

Spätere Erinnerungen beschreiben das Geschäft von Maria Drescher genauer. Sie führte es in ihrer eigenen Wohnung. Neben Gemüse gab es dort Milch, Süßigkeiten und Fisch — Heringe, Sprotten und Bücklinge.

Ein Liter Milch bei Grisko soll 21 Pfennig gekostet haben; ein Ring der beliebten „Oppelner“ Wurst wurde mit 60 Pfennig erinnert.

Nicht jede Familie konnte sich jedoch regelmäßig Fleisch leisten.

In der örtlichen Erinnerung blieb Georg Gebauer erhalten, der armen kinderreichen Familien geholfen haben soll, indem er kostenlos Wurstsuppe ausgab, manchmal zusammen mit Krupnioki und Żymloki — schlesischen Blut- und Semmelwürsten.

Für eine ärmere kinderreiche Familie war das eine sehr konkrete Hilfe — die Möglichkeit, alle Familienmitglieder satt zu bekommen.

8. Arzt, Sattler, Automobil — Schomberg im Wandel

Wenn uns ein Zahn schmerzt, müssen wir nicht nach Beuthen fahren.

In der Beuthenerstraße 19 führt M. Janik eine Zahnarztpraxis. Dr. August Scholz empfängt unter Nummer 48.

In Schomberg arbeiten außerdem Hebammen, es gibt die Theresien-Apotheke, eine Krankenkasse, Säuglingsfürsorge und Hilfe für Kranke.

Schomberg war längst kein Dorf mehr, dessen Einwohner wegen jeder wichtigeren Angelegenheit nach Beuthen fahren mussten.

Ein paar Straßen weiter arbeitet weiterhin Sattler Baron — ein Handwerker, der überall dort gebraucht wird, wo Pferde und Wagen noch die Grundlage des Verkehrs bilden.

Gleichzeitig führt Richard Pauly in der Feldstraße 14 ein Unternehmen für Hochbau, Tiefbau und Eisenbetonbau.

Noch muss Pferdegeschirr repariert werden, während nur wenige Straßen weiter bereits mit Eisenbeton gebaut wird.

9. Mit der Straßenbahn zur Grenze

Auf den Straßen hört man auch die Straßenbahnen.

Durch Schomberg fuhr die Linie 5 in Richtung Bobrek, Biskupitz und weiter nach Hindenburg.

Noch interessanter war die Strecke der Linie 8. Sie führte über die Godullahütter Straße zur polnischen Godula. Die Straßenbahn passierte den Friedhof, das Vereinshaus, den Sommerschacht und das Zollgebäude — das Zollhaus.

Unterwegs kamen die Fahrgäste auch an der von den Einwohnern „Panienka“ genannten Marienfigur vorbei. Gräfin Johanna Schaffgotsch hatte sie 1864 als persönliches Dankesvotiv stiften lassen.

Weiter fuhr die Straßenbahn fast bis unmittelbar an die Staatsgrenze. Hier endete der deutsche Abschnitt der Strecke. Am Übergang befanden sich Kontrollposten und Zollstellen beider Staaten; auf polnischer Seite sorgte eine Schmalspurbahn für die Weiterfahrt.

Grenzübergang Schomberg–Godullahütte mit Straßenbahn und polnischem Zollamt
Grenzübergang Schomberg–Godullahütte in den Jahren 1922–1939. Links ist das polnische Zollamt zu sehen; von der deutschen Seite führte die Godullahütter Straße — heute ul. Frycza-Modrzewskiego — bis an die Grenze.

Der wichtigste Übergang in Richtung Godullahütte soll von 6.00 bis 19.00 Uhr geöffnet gewesen sein; der Übergang an der Orzegowerstraße wurde 1925 geschlossen.

Nach der Teilung Oberschlesiens wurden alte familiäre, wirtschaftliche und berufliche Wege von einer Staatsgrenze durchschnitten. Auf der einen Seite blieben das deutsche Schomberg und Beuthen, auf der anderen lagen unter anderem Godula, Orzegów, Chebzie, Lipiny und Chropaczów.

Genau hier verbindet sich die Geschichte Schombergs unmittelbar mit meiner eigenen Familiengeschichte.

Mein Urgroßvater Wincenty Flaczek wurde in Schomberg geboren, verband sein späteres Leben jedoch mit dem polnischen Teil Oberschlesiens. Im Jahr 1927 war er Beamter der polnischen Zollwache Straż Celna. Später arbeitete er im Zollamt Chebzie und von 1932 bis August 1939 als älterer Zollaufseher im Zollamt Godula.

Deutsches Zollhaus am Grenzübergang Schomberg–Godullahütte
Deutsches Zollhaus am Grenzübergang Schomberg–Godullahütte. In diesem Grenzraum spielte sich der tägliche Zolldienst ab, mit dem auch Wincenty Flaczek beruflich verbunden war.

Für Wincenty war die Grenze also nicht nur ein Hindernis auf dem Weg in seinen Heimatort — sie war zugleich Teil seines täglichen Dienstes.

Sie wurde zu seinem Beruf.

Spätere Erinnerungen der Einwohner berichten außerdem von Schmugglern im Bereich des Sommerschachts. Auch das gehörte zum Leben an der Grenze — wenn auch zu dessen deutlich weniger offizieller Seite.

10. Nach der Schule: Sportplätze, Teiche und „hinter den Bergen“

Nach dem Unterricht hatten Kinder und Jugendliche ihre eigenen Orte.

Das Gelände zwischen Godullahütter Straße und Orzegower Straße wurde „hinter den Bergen“ genannt. Nach Erinnerungen war es ein beliebter Spielplatz der örtlichen Jugend. In der Umgebung lagen außerdem Sportplätze, ein Schulgarten sowie zahlreiche Teiche und kleinere Wasserflächen.

Gerade im Jahr 1927 entstand außerdem die DJK Hertha Schomberg. Später unterhielt der Verein Fußballmannschaften für Erwachsene und Jugendliche, Tischtennis, Schach, Radsport, Theater sowie einen eigenen Spielmannszug.

Der Sport in Schomberg begann also keineswegs erst mit den späteren Erfolgen von Szombierki Bytom. Schon viel früher existierte eine ganze Welt lokaler Vereine, Sportplätze und Verbände.

Und wenn ein Kind ein paar Pfennig in der Tasche hatte, führen uns spätere Erinnerungen noch zu Kluzik, bei dem man Eis und Getränke kaufen konnte.

Friseur, Bücher und letzte Besorgungen

Bevor der Abend beginnt, kann man noch zum Friseur gehen. An der Beuthenerstraße arbeitet Josef Welzel, und in der Wilhelmstraße 29 führt Josef Haiduk seinen Salon.

Friseursalon Josef Haiduk, Wilhelmstraße 29 in Schomberg
Friseursalon Josef Haiduk in der Wilhelmstraße 29 — heute ul. Witosa 13. Vor dem Eingang steht der Friseurlehrling Max Purgol.

In der Wilhelmstraße 21 konnte man Bücher kaufen; spätere Erinnerungen erwähnen außerdem Czais Papierwarengeschäft, das der Schomberger Schuljugend gut bekannt war.

Langsam geht der Arbeitstag zu Ende.

11. Am Abend geht es zu Schyska

Wir kehren in die Wilhelmstraße zurück.

Unter Nummer 8 befindet sich das Gasthaus von Karl Schyska. Das Adressbuch von 1927 bestätigt seine Existenz, und spätere Erinnerungen zeigen, dass es zu den wichtigen Treffpunkten des gesellschaftlichen Lebens im Ort gehörte.

Gasthaus Karl Schyska, Wilhelmstraße 8 in Schomberg
Gasthaus Karl Schyska in der Wilhelmstraße 8 — an der Ecke der heutigen Straßen Witosa und Skromna. Hier konzentrierte sich ein Teil des abendlichen gesellschaftlichen Lebens im alten Schomberg.

Im ersten Stock befand sich ein Tanzsaal. Dort wurden unter anderem Feiern zur Barbarafeier, der schlesischen Barbórka, sowie zum 1. Mai veranstaltet. Auch die örtlichen Schachspieler trafen sich hier.

Schyska war selbstverständlich nicht der einzige Gastwirt im Ort. An der Beuthenerstraße führte Julius Cygan ein Café, außerdem gab es Griskos Restaurant und Kluziks Lokal.

Doch heute bleiben wir genau hier.

Nach der Schicht war Zeit für ein Bier, ein Glas Hochprozentiges und ein Treffen mit Bekannten. In den Erinnerungen ehemaliger Einwohner blieb sogar der Name eines beliebten, preiswerten Getränks erhalten, das in den Schomberger Gasthäusern ausgeschenkt wurde — Kutscherkorn.

Und diesmal müssen wir uns die Szene nicht einmal vorstellen.

Erhalten ist eine Aufnahme aus Schyskas Gasthaus von 1928 oder 1929 — also nur ein oder zwei Jahre nach unserem gedanklichen Spaziergang. An einem Tisch sitzen Menschen, deren Namen uns bereits in der Geschichte des Schomberger Handels begegnet sind: die Fleischermeister Mroß und Georg Gebauer, Peter Rzyla und weitere Einwohner. Dahinter steht der Wirt selbst, Karl Schyska.

Stammtisch im Gasthaus Karl Schyska, Wilhelmstraße 8 in Schomberg, 1928 oder 1929
Stammtisch im Gasthaus Karl Schyska in der Wilhelmstraße 8, 1928/29. Unter den Abgebildeten befinden sich unter anderem die Fleischermeister Mroß und Georg Gebauer sowie Peter Rzyla; hinten steht der Wirt Karl Schyska.

Im ursprünglichen Bildtext heißt es über die Erinnerungen ehemaliger Schomberger Bergleute:

„manchmal recht ‚beschwipste‘ Stunden“

so heißt es im ursprünglichen Bildtext.

Ein besseres Ende für unseren Tag lässt sich kaum finden.

Bei Bier, Gesprächen nach der Schicht, vielleicht einer Partie Schach — und, wenn gerade gefeiert wurde, auch bei Musik und Tanz.

Draußen auf der Wilhelmstraße herrscht noch Bewegung. Ein paar Straßen weiter beginnen die Bäcker bereits mit der Arbeit für den nächsten Morgen.

Morgen beginnt alles von vorn.

12. Ein ganz gewöhnlicher Tag

Natürlich hat sich genau dieser Tag so nie abgespielt.

Wir wissen nicht, ob Matzkowskis Wagen an demselben Morgen an einer bestimmten Gruppe von Kindern auf dem Schulweg vorbeifuhr oder ob am Abend bei Schyska tatsächlich eine Partie Schach gespielt wurde.

Aber die Orte, die Menschen und die beschriebenen Betriebe sind real.

Das Adressbuch von 1927 zeigt uns, wo Bäcker, Fleischer, Kaufleute, Gastwirte, Ärzte, Hebammen und Handwerker tätig waren.

Die Erinnerungen ehemaliger Einwohner fügen all das hinzu, was in einer amtlichen Liste niemals gestanden hätte: die Semmel für fünf Pfennig, das Pony Max, Einkäufe auf Pump, das Mangeln eines Wäschekorbs für 15 Pfennig, Eis für die Kinder, das Automobil der „Frau Walter“ oder die Hilfe eines Fleischers für arme Familien.

Durch solche Kleinigkeiten wird das alte Schomberg mehr als nur eine Sammlung von Daten, Namen und Schwarzweißfotografien.

Es war ein Ort, an dem die Menschen morgens zur Schicht gingen, die Kinder zur Schule, jemand bei Bursig Brot kaufte, jemand einen Wäschekorb zur Mangel brachte, jemand mit der Straßenbahn in Richtung Grenze fuhr und sich am Abend mit Bekannten bei Schyska traf.

Es war eine kleine, aber erstaunlich dichte Welt, in der sich ein großer Teil des täglichen Lebens auf nur wenigen Straßen abspielte.

Und vielleicht ist es gerade deshalb, fast hundert Jahre später, noch immer so spannend, durch das alte Schomberg zu spazieren — auch wenn uns heute vor allem alte Karten, Fotografien, Adressbücher und die Erinnerungen seiner Bewohner den Weg weisen.

Quellen und Literatur

Wichtigste Quellen:

  • Beuthen in Oberschlesien, Plan des Stadtvermessungsamtes Beuthen O/S., November 1927, Maßstab 1:8000.
  • Adressbuch von Beuthen und Umgebung aus dem Jahr 1927 — Verzeichnisse der Einwohner, Betriebe, Behörden und Dienstleistungen für Schomberg.
  • Siegfried Kowollik, Erinnerungen an Schomberg — Erinnerungen, veröffentlicht im „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“; wichtige Quelle für Angaben zum Alltag, zu Preisen, Geschäften, Verkehr, Gasthäusern und örtlichen Gewohnheiten. Dieses Material bildet einen wesentlichen Teil der heutigen Wissenssammlung zu Schomberg.
  • Bildmaterial und Bildunterschriften aus der Reihe „Schomberger Bilderbogen“ sowie Fotografien ehemaliger Einwohner, veröffentlicht im „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“.
  • Genealogische Familienunterlagen Flatzek / Flaczek / Bursig, darunter die Familienkarte zu Josef Pius Bursig und erhaltene Familienfotografien.
  • Szombierki_Baza_Wiedzy — interne Quellensammlung für flaczek.com, zusammengestellt auf Grundlage von Adressbüchern, Pressequellen, Heimatblättern und weiteren Materialien zum Schomberg der Vorkriegszeit.
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Ratusz w Szombierkach przed 1945 rokiem – Ratusz w cieniu kopalni

Das Rathaus im Schatten der Zeche

Reihe: Gemeinde, Amt, Macht

Das Rathaus im Schatten der Zeche

Wie Schomberg vor 1945 verwaltet wurde – eine selbständige Gemeinde zwischen Bevölkerung, Schaffgotsch-Konzern, Nationalsozialismus und Krieg

Schomberg / Szombierki Gemeindeverwaltung Zeche und Selbstverwaltung 1919–1945

Im Schomberger Rathaus wurde keine Kohle gefördert, doch fast jede größere Entscheidung der Verwaltung begann unter Tage. Die Grubenbaue bestimmten mit, wo gebaut werden durfte. Der Schaffgotsch-Konzern verfügte über Betriebe, Wohnungen und Grundstücke, ohne die sich selbst ein gewöhnliches kommunales Problem nur schwer lösen ließ.

Vor 1945 war Schomberg noch kein Stadtteil von Beuthen. Der Ort bildete eine große Industriegemeinde mit eigenem Rathaus, eigener Leitung und einem umfangreichen Verwaltungsapparat. Das Amt führte Gemeindekasse, Steuerwesen, Standesamt, Sozialfürsorge, Gemeindebetriebe und die technische Versorgung des Ortes.

Es handelt sich daher nicht nur um eine Geschichte wechselnder deutscher Amtsträger. Es ist die Geschichte eines Ortes, seiner Institutionen und seiner Probleme, die mit dem politischen Umbruch von 1945 nicht einfach verschwanden.

Historische Ansicht des Rathauses im industriell geprägten Schomberg
Das Rathaus war das Zentrum der Verwaltung einer selbständigen Gemeinde, die in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Gruben und Betrieben des Schaffgotsch-Konzerns lag.

Bevor Schomberg zum Stadtteil wurde

Aus heutiger Sicht wird die Geschichte Schombergs leicht der Geschichte Beuthens untergeordnet. Während eines großen Teils der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war der Ort jedoch eine eigenständige Gemeinde mit eigenen Behörden, eigenem Haushalt und eigener Verwaltung.

Eine ausführlichere Darstellung des alten Dorfes, seiner Bewohner und seines Wandels zum Industrieort bietet der Artikel „Szombierki, jakich już nie ma. Dawna wieś, kopalnia i koniec starego świata“ (Artikel auf Polnisch).

Bis 1945 lag die Gemeinde innerhalb der Grenzen Deutschlands. Die Amtssprache war Deutsch, und die leitenden Ämter trugen Bezeichnungen wie Gemeindevorsteher, Gemeindeschulze oder Bürgermeister. Verwaltet wurde jedoch eine konkrete oberschlesische Gemeinschaft mit vielschichtigen sprachlichen, regionalen und nationalen Identitäten.

In den Registern wurden Geburten, Eheschließungen und Sterbefälle verzeichnet. Aus der Gemeindekasse finanzierte man Schulen, Straßen, Beleuchtung und Sozialfürsorge. Im Rathaus wurden Steuerfragen, Genehmigungen und Beschwerden bearbeitet – unabhängig davon, welche Sprache die Einwohner zu Hause verwendeten.

Schomberg war dabei in einem heute nur schwer vorstellbaren Maß vom Bergbau geprägt. Die Zeche war nicht nur einer von vielen Arbeitgebern. Sie beeinflusste Raumentwicklung, Bebauung, Beschäftigung und den Alltag der meisten Familien.

Kurze Chronologie der Gemeindeleitung anzeigen
bis 1918

Anton Schigulski – Gemeindevorsteher.

1918 – 29. Januar 1919

Übergangsverwaltung; die Namen sind bislang unbekannt.

1919–1929/1930

Gerhard Enger – Amts- und Gemeindevorsteher.

1930 – etwa 1933/1934

Dr. Hans Kuhna – Bürgermeister.

1934

Morczinek – als Gemeindeschulze belegt.

März 1937

Walter Hauptmann – als Bürgermeister belegt.

15. Oktober 1937 – 14. November 1939

Paul Gloger – Amtsvorsteher und Bürgermeister.

21. November 1939 – Mitte September 1941

Joseph Lison – Bürgermeister oder Leiter der Gemeinde.

Herbst 1941 – 19. Februar 1942

Die Person an der Spitze der Gemeinde ist nicht geklärt.

20. Februar 1942 – 15. Januar 1945

Reinhold Mandrella – Bürgermeister; Josef Bursig als Stellvertreter.

Selbstverwaltung unter Tage

Gerhard Enger übernahm am 29. Januar 1919 die Leitung von Amt und Gemeinde. Schomberg kam damals aus Krieg, Revolution und dem Zerfall der alten kaiserlichen Ordnung. Bald folgten die oberschlesischen Aufstände, die Volksabstimmung, Wirtschaftskrise und Inflation.

Eine nach dem Krieg entstandene Quelle berichtet, Enger habe zuvor das Standesamt in Klausberg geleitet. Wann und wie lange er diese Funktion ausübte, wird dort allerdings nicht angegeben.

Wichtiger als die Einzelheiten seiner Biografie ist, womit sich die Gemeinde befasste. Schulräume wurden renoviert, in der Knabenschule eine Zentralheizung eingebaut, der Schulhof geordnet, die Beleuchtung in Richtung Beuthen modernisiert und Arbeiten an der Abwasserreinigung durchgeführt.

Das waren keine Vorhaben, die nach einem monumentalen Denkmal verlangten. Gerade aus solchen Entscheidungen bestand jedoch die Verwaltung eines Ortes, der rund um die Zeche rasch wuchs.

Die Geschichte des Betriebes, der Raum, Beschäftigung und Sozialstruktur des Ortes prägte, schildert ein eigener Artikel: „Hohenzollerngrube / KWK Szombierki — Żelazny gigant, który wchłonął Szombierki“ (Artikel auf Polnisch).

1929 wurde Enger einstimmig erneut zum Gemeindevorsteher gewählt. Die Wahl bedurfte noch der Bestätigung durch die Aufsichtsbehörde – ein Hinweis darauf, dass die örtliche Selbstverwaltung nicht völlig unabhängig von Landkreis und Staat war.

Auf einer Aufnahme der Freiwilligen Feuerwehr steht Enger neben dem Gemeindesekretär Dull, dem Gemeindeelektriker Glenz und weiteren Vertretern der örtlichen Gemeinschaft. Ein älteres Bild derselben Organisation zeigt Anton Schigulski, den 1918 verstorbenen Gemeindevorsteher.

1930 übernahm Dr. Hans Kuhna das Amt. Der Jurist hatte zuvor für die Verwaltung der Schaffgotsch-Gruben gearbeitet. Diese Erfahrung passte zu den örtlichen Verhältnissen. Größere Investitionen erforderten nicht nur Geld, sondern auch Vereinbarungen mit dem Eigentümer von Flächen, Gebäuden und unterirdischen Grubenbauen.

Noch deutlicher zeigte sich die Abhängigkeit vom Konzern während der Amtszeit Paul Glogers. Bergschäden begrenzten die Baumöglichkeiten, und die Gemeinde konnte ihre Entwicklung nur innerhalb des durch den Bergbau gesetzten Rahmens planen.

Ein gutes Beispiel war die Lage von 25 Familien, die in baufälligen Baracken lebten. Die Gemeinde verfügte weder über ausreichende Mittel noch über genügend Wohnungen, um das Problem allein zu lösen. Nach Glogers späterer Darstellung verhandelte er mit der Direktion von Schaffgotsch; die Familien sollten daraufhin Wohnungen in einer Nachbargemeinde erhalten.

Die Gemeinde konnte die Einwohner vertreten und verhandeln, besaß aber keine vollständige Kontrolle über Bebauung, Wohnraum und die räumliche Entwicklung des Ortes.

Genau darin bestand das Leben des Rathauses im Schatten der Zeche.

Als die Partei ins Rathaus einzog

Die 1930er Jahre brachten einen tieferen Wandel als den bloßen Austausch eines Gemeindeleiters. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde die kommunale Selbstverwaltung schrittweise Staat und NSDAP untergeordnet.

Aus späteren Erinnerungen geht hervor, dass Hans Kuhna der Partei nicht angehörte. Sein Konflikt mit einem der NSDAP verbundenen Kirchenrendanten soll als Vorwand für seine Entfernung aus dem Amt gedient haben. Eine Absetzungsurkunde wurde bislang nicht gefunden; fest steht jedoch, dass Kuhna Schomberg vor 1934 nicht mehr leitete.

1934 stand Morczinek an der Spitze der Gemeinde. Die Presse bezeichnete ihn als Gemeindeschulze und Parteigenossen. Er befasste sich weiterhin mit gewöhnlichen Verwaltungsfragen: Steuern, Kreisumlagen, der Zusammensetzung der Gemeindevertretung und den Regeln für Gaststätten.

Zugleich war er im Bund Deutscher Osten tätig, einer nationalpolitischen und propagandistischen Organisation. Amtliche Funktion und ideologische Aktivität begannen ineinanderzugreifen.

Im März 1937 amtierte Walter Hauptmann als Bürgermeister von Schomberg. Seine spätere Laufbahn führte durch den Apparat der NSDAP, propagandistische Tätigkeit und das Amt des Kreisleiters in Beuthen. Das Schomberger Rathaus wurde zu einer Station seines politischen Aufstiegs.

Familienanzeige, in der Walter Hauptmann 1937 als Bürgermeister von Schomberg genannt wird
Anzeige zur Geburt von Dietlind Ingwalde Hauptmann, veröffentlicht in „Der Oberschlesische Wanderer“, 109. Jahrgang, Nr. 79 von 1937. Walter Hauptmann wird darin als Bürgermeister von Schomberg genannt.

Das Rathaus hörte deshalb nicht auf, sich mit Schulen, Steuern, Sozialfürsorge und Infrastruktur zu befassen. Verändert hatte sich jedoch der politische Rahmen der Entscheidungen. Die Verwaltung wurde in die Diktatur eingegliedert, und ein Amtsträger konnte zugleich Leiter einer lokalen Institution und Funktionär des Parteiapparates sein.

Auch Paul Gloger, der Schomberg ab Oktober 1937 leitete, gehörte der NSDAP an. Die erhaltenen Berichte zeigen ihn vor allem bei Finanz-, Investitions- und Wohnungsfragen; sein Amt arbeitete jedoch bereits innerhalb des nationalsozialistischen Staates.

Der Krieg erreicht das Rathaus

Im September 1939 traten neben die gewöhnlichen kommunalen Aufgaben die unmittelbaren Folgen des Krieges: Beschussgefahr, Truppenbewegungen, Unruhe unter den Einwohnern und die Notwendigkeit, die öffentliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Gloger erinnerte sich an eine nächtliche Fahrt mit dem Polizeikommandanten in ein gefährdetes Gebiet und an den Versuch, Einwohner zu beruhigen, die sich auf das Verlassen des Ortes vorbereiteten. Wenige Wochen später wurde er nach Klausberg versetzt.

Vom 21. November 1939 an leitete Joseph Lison Schomberg. Eine Nachkriegsquelle bezeichnet ihn als Kriegsgeschäftsführer des Studentenbundes. Er blieb bis Mitte September 1941 im Amt.

Nach seinem Ausscheiden folgt eine mehrmonatige Lücke. Es ist nicht geklärt, wer die Gemeinde bis Februar 1942 formal leitete. Eine größere Rolle könnte Josef Pius Bursig gespielt haben; in den bislang gefundenen Unterlagen wird er jedoch nicht als kommissarischer Bürgermeister bezeichnet.

Bursig betrieb in Schomberg eine Bäckerei. 1926 wurde er Gemeinderat, drei Jahre später Gemeindeschöffe und 1942 erscheint er bereits als stellvertretender Bürgermeister. Er war weder Jurist des Konzerns noch ein von außen entsandter Funktionär. Über viele Jahre durchlief er mehrere Stufen der örtlichen Selbstverwaltung.

Am 20. Februar 1942 überreichte Bursig Reinhold Mandrella die Ernennungsurkunde. Der neue Bürgermeister leitete die Gemeinde bis zum 15. Januar 1945.

Über seine konkreten Entscheidungen ist wenig bekannt. Das Amt führte jedoch weiterhin Register, erhob Steuern, betreute Einwohner und verwaltete Sozialfürsorge sowie Infrastruktur. Der Krieg hob die alltägliche Verwaltung nicht auf. Er vergrößerte vielmehr die Zahl der Vorschriften und Weisungen von oben.

Ein gutes Beispiel für diese Kontinuität ist Günter Sandler. Im Januar 1940 begann er im Schomberger Rathaus seine Ausbildung zum künftigen Verwaltungsbeamten. Er beendete sie im Juli 1942, als Mandrella bereits an der Spitze der Gemeinde stand.

In dieser Zeit wechselten die Leiter der Gemeinde, während der Krieg immer weitere Länder erfasste. Der angehende Beamte lernte dennoch weiterhin Aktenführung und Verwaltungsverfahren.

In den bislang zusammengetragenen Materialien wurde kein Dokument gefunden, das im Januar 1945 eine geordnete Übergabe des Amtes zeigt. Die bekannte Überlieferung schildert vielmehr den Zerfall der Verwaltung unter den Bedingungen der heranrückenden Front.

Fortsetzung der Geschichte Schomberg 1945: Die Tragödie der Einwohner und das Ende einer Epoche Der Einmarsch der Roten Armee, zivile Opfer, der Brand des Schlosses, die Deportation von Bergleuten, das Schicksal der Frauen und die kurze verwaltungsgeschichtliche Episode des Namens „Chruszczów“. Artikel auf Polnisch.

Die Menschen hinter den Schaltern

Verwaltungsgeschichte wird leicht zu einer Liste von Bürgermeistern. Ein Amt funktionierte jedoch nicht allein durch den Mann im repräsentativen Dienstzimmer.

Den besten Beleg liefert eine Aufnahme des Personals der Gemeindeverwaltung Schomberg, die wahrscheinlich zwischen 1937 und 1939 entstand. Vor der Kamera stehen fast dreißig Menschen, die gemeinsam den alltäglichen Verwaltungsapparat der Gemeinde bildeten.

Personal der Gemeindeverwaltung Schomberg mit Bürgermeister Paul Gloger, 1937 bis 1939
Das Personal der Gemeindeverwaltung Schomberg mit Paul Gloger, wahrscheinlich zwischen 1937 und 1939. Veröffentlicht wurde die Aufnahme im Oktober 1977.
Finanzen Gemeindekasse, Steuern, Verwaltungsvollstreckung und Rechnungsprüfung.
Angelegenheiten der Einwohner Standesamt, Hauptamt, Registratur und Fernsprechvermittlung.
Sozialfürsorge Sozialamt, Fürsorgerinnen und Unterstützung von Arbeiterfamilien.
Kommunalwirtschaft Gemeindebetriebe, Wirtschaftsamt und örtliche Dienstleistungen.
Infrastruktur Elektrizität, Rohrnetz, Schulgebäude und technische Anlagen.
Leitung Der Gemeindeleiter entschied, doch das Fachpersonal hielt die Abläufe aufrecht.

Josef Müller bekleidete als Gemeindeoberinspektor eine hohe Stellung in der Verwaltung. Ein Nachruf schilderte ihn als einen den Einwohnern gut bekannten und um die Gemeinde verdienten Beamten, nannte jedoch keine konkreten Leistungen.

Helene Nowak, geborene Heiduk, arbeitete in der Gemeindeverwaltung und verfügte über umfassende Kenntnisse der Schomberger Sozialarbeit. Sehr wahrscheinlich ist sie mit Helene Heiduck auf der Personalaufnahme identisch.

Josef Glenz arbeitete als Elektromeister. Wahrscheinlich handelt es sich um dieselbe Person, die auf der älteren Feuerwehrfotografie als Gemeindeelektriker Glenz bezeichnet wird. Damit wäre er ein Beispiel für die Kontinuität des technischen Personals trotz wechselnder Leitung.

Ein Teil der Verwaltungsmitarbeiter engagierte sich auch in örtlichen Organisationen. Auf Feuerwehrfotografien erscheinen neben den Gemeindeleitern der Sekretär Dull und der Elektriker Glenz. Die Gemeinde unterstützte außerdem lokale Vereine, darunter den Turn- und Spielverein Schomberg 06.

Personenverzeichnis zur Aufnahme anzeigen

Die Funktionen folgen der im Oktober 1977 veröffentlichten Bildlegende. Die Datierung auf 1937–1939 ergibt sich aus der Anwesenheit Paul Glogers.

  • Günter SchyskaGemeindekasse.
  • Rudolf GriskoWirtschaftsamt.
  • Walter SwobodaFunktion nicht angegeben.
  • Johannes „Hans“ BulkaStandesamt.
  • Paul GlogerBürgermeister.
  • Konrad KochanowskiHauptamt.
  • Rudolf MeierSozialamt.
  • Josef GlenzElektromeister.
  • Fräulein BoenischWirtschaftsamt.
  • Fräulein StrauchFunktion nicht angegeben.
  • Helene ImmischVorzimmer des Bürgermeisters.
  • Nicht identifizierte PersonZweite Reihe.
  • Liesel ImmischSozialamt.
  • Martha SchneiderRegistratur und Fernsprechvermittlung.
  • Klara KnappeFürsorgerin.
  • Helene HeiduckWahrscheinlich die spätere Helene Nowak.
  • Josef RollikRohrmeister.
  • Agnes TeichmannWirtschaftsbetriebe.
  • August GratzaSteuern.
  • Georg DrabantSozialamt.
  • Reinhold BregullaFunktion nicht angegeben.
  • Karl MüllerWirtschaftsamt.
  • Anton WoschSchulhausmeister.
  • August MrutzekVollziehungsbeamter.
  • Nicht identifizierte PersonDritte Reihe.
  • Eberhard DornRechnungsprüfungsamt.
  • TobisGemeindekasse; Vorname nicht ermittelt.

Was nach 1945 blieb

Im Januar 1945 endete die Geschichte der deutschen Verwaltung Schombergs. Nicht beendet waren damit die Geschichte des Ortes und seine alltäglichen Bedürfnisse.

Die polnische Verwaltung nahm ihre Tätigkeit in einem Ort auf, der über Rathaus, Schulen, Straßen, kommunale Netze und eine über Jahrzehnte gewachsene Bebauung verfügte. Zugleich musste sie sich mit denselben materiellen Problemen auseinandersetzen: Bergschäden, Wohnungsnot und der Versorgung einer großen Industriebevölkerung.

Das bedeutete keine einfache personelle oder rechtliche Kontinuität. Staat, Amtssprache und politisches System hatten sich verändert. Die Kontinuität betraf vor allem den Ort selbst: Geburten und Sterbefälle mussten weiterhin registriert, Schulen unterhalten, Straßen repariert, Licht und Wasser bereitgestellt und Familien unterstützt werden.

Deshalb ist die Geschichte des Rathauses vor 1945 nicht nur die Geschichte von Amtsträgern, die längst verschwunden sind. Sie erklärt, wie Schomberg funktionierte, bevor der Ort Teil des Nachkriegs-Beuthen wurde.

Systeme, Namen und Amtssiegel wechselten. Die Kasse musste dennoch stimmen. Kinder mussten registriert, Familien unterstützt, Schulen unterhalten und durch Bergschäden beschädigte Gebäude repariert werden. Gerade in dieser alltäglichen Arbeit liegt die eigentliche Geschichte des Schomberger Rathauses.

Bibliografie und Quellen

Zeitgenössische Presse und amtliche Quellen

  • „Katolik“, 1929, 62. Jahrgang, Nr. 113.
  • „Katolik Codzienny“, 1926, 29. Jahrgang, Nr. 10; 1929, 32. Jahrgang, Nr. 218.
  • „Der Oberschlesische Wanderer“, 1934, 107. Jahrgang, Nr. 253.
  • „Der Oberschlesische Wanderer“, 1935, 108. Jahrgang, Nr. 250.
  • „Der Oberschlesische Wanderer“, 1937, 109. Jahrgang, Nr. 79.
  • „Amtsblatt der Regierung zu Oppeln für 1932“, Band 117, Nr. 30 und 49.
  • „Kattowitzer Zeitung“, 1940, 72. Jahrgang, Nr. 62 und 212.
  • „Gau-Anordnungsblatt“ der Gauleitung Oberschlesien, 12. Dezember 1941.

Heimatblätter und Erinnerungsberichte

  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Mai 1967, Nr. 5, Adolf Derschat, „Bürgermeister Carl Czichy aus Klausberg“.
  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Februar 1978, Nr. 2, „Der Schomberger Bürgermeister Gerhard Enger“.
  • Siegfried Kowollik, „Der Schomberger Bürgermeister Dr. Hans Kuhna“, „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Juni 1979, Nr. 6.
  • Leonhardt Maniura, „Schomberg und der Zweite Weltkrieg“, „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Juni 1989, Nr. 6.
  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Juni 1991, Nr. 6 – Fotografien der Freiwilligen Feuerwehr Schomberg.
  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Oktober 1977, Nr. 10 – Fotografie des Personals der Gemeindeverwaltung.
  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, September 1979, Nr. 9 – Nachruf auf Helene Nowak, geb. Heiduk.
  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Februar 1981, Nr. 2 – Nachruf auf Josef Müller.
  • „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Juni 1978, Nr. 6 – „Zum Gedenken an Günter Sandler, Schomberg“.

Darstellungen und Hilfsmaterialien

  • „Pod rządami gauleiterów: elity i instancje władzy w rejencji katowickiej w latach 1939–1945“.
  • „Górny Śląsk podczas II wojny światowej: między utopią niemieckiej wspólnoty narodowej a rzeczywistością okupacji na terenach wcielonych do Trzeciej Rzeszy“.
  • Genealogische Unterlagen und Familienwissen Bursig / Flaczek.
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Stylizowana wizualizacja ośmiobocznej kapliczki w Szombierkach pośród brzóz

Achtseitiger Bildstock in Schomberg. Geschichte, Legenden und das Rätsel seines Verschwindens

Achtseitiger Bildstock in Schomberg inmitten von Birken — historische Visualisierung
Historische Visualisierung des achtseitigen Bildstocks in Schomberg, erstellt auf der Grundlage von vier originalen Archivfotografien. (Eigene Bearbeitung basierend auf fotopolska.eu).

Wenn man heute die viel befahrene Straße vom Zentrum Beuthens (Bytom) nach Schomberg (Szombierki) passiert, denkt man selten darüber nach, was sich hier vor Jahrhunderten befand. Doch noch vor relativ kurzer Zeit stand in der Nähe dieser Straße, auf einer kleinen Birkengruppe, ein rätselhaftes Objekt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führten lokale Geschichtsliebhaber in der Presse erbitterte Debatten über diesen scheinbar gewöhnlichen Bildstock. Er barg in sich Geschichten von einer tödlichen Epidemie, Volksmagie und einem sagenumwobenen russischen General. Er überstand beide Weltkriege, um schließlich 1966 aus der Landschaft zu verschwinden, als er in die Lehmgrube der örtlichen Ziegelei abrutschte.

Quellenhinweis

Die Überlieferungen über die Entstehung dieses Bildstocks sind späten Datums und teilweise legendär. Daher trenne ich im Folgenden das, was aus historischen Quellen und späteren Berichten hervorgeht, von dem, was zur lokalen Sage gehört.

Der achtseitige Wächter der Straße auf der Birkengruppe

Wie aus Berichten hervorgeht, die 1924 in der historischen Beilage „Aus dem Beuthener Lande“ sowie in späteren Ausarbeitungen von Józef Larisch veröffentlicht wurden, befand sich das Objekt auf der linken Seite der Chaussee, die von Beuthen nach Schomberg führte (nahe der Kreuzung mit der heutigen Kamienna-Straße). Es handelte sich um einen massiven, gemauerten und grau verputzten Bildstock in Form eines Turms, der auf einem achteckigen Grundriss errichtet wurde. Den Beschreibungen zufolge war er etwa 1,6 Meter breit und rund 3,5 Meter hoch, gekrönt von einem kleinen, spitzbogigen Dach.

Etwa einen halben Meter unterhalb des Daches befanden sich acht kleine Nischen. Ursprünglich war in jeder von ihnen ein auf Blech gemaltes religiöses Bild angebracht. Doch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Zahn der Zeit nur einige Darstellungen verschont: Maria mit dem Kinde, den hl. Joseph sowie Christus mit dem Lamm. Der Rest war fast völlig verblasst, und aus einer Nische soll das Blech komplett verschwunden sein. Woher stammte dieses Bauwerk auf dem Schomberger Feld? Auf diese Frage gab es jahrelang keine eindeutige Antwort.

Theorie I: Opfer des „hitzigen Fiebers“ von 1737

Herbstliche Landschaft, die die Epidemie von 1737 symbolisiert — illustrative Visualisierung
Visualisierung: Im Jahr 1737 verwüstete das „hitzige Fieber“ die Gegend. Die Sage besagt, dass die Kranken im Fieberwahn auf die Felder liefen, wo sie nach ihrem Tod an den Orten begraben wurden, an denen sie niederfielen.

Eine der Interpretationen, abgeleitet aus der alten Chronik von Franz Gramer und späteren regionalen Schriften, brachte den Bildstock mit der Epidemie von 1737 in Verbindung. In der Quelle selbst taucht der Begriff hitziges Fieber auf; erst spätere Ausarbeitungen versuchten, dies mit Typhus gleichzusetzen. Der Überlieferung nach starben innerhalb von vier Monaten etwa 300 Menschen.

Die lokale Sage, die von alten Chronisten zitiert wurde, zeichnete ein sehr suggestives Bild jener Tage. Es wurde erzählt, dass die Kranken, verzehrt von hohem Fieber und Wahnvorstellungen, aus ihren Betten sprangen, aus den Häusern rannten und vor sich hin liefen – den Erzählungen zufolge sogar bis zu einer Achtelmeile weit. Wenn sie tot vor Erschöpfung auf den Feldern oder an den Wegen zusammenbrachen, sollen sie genau dort begraben worden sein, wo sie ihren letzten Atemzug taten. Die Angehörigen der Opfer stifteten später an solchen Orten Bildstöcke oder andere Gedenkzeichen.

Gramer selbst stand dieser Geschichte vorsichtig gegenüber, da die Form der Schomberger Säule auf einen älteren Ursprung als das 18. Jahrhundert hindeuten könnte. Weder die damaligen Gemeindebehörden noch die Gutsverwaltung konnten das Rätsel lösen – zumindest den Berichten vom Beginn des 20. Jahrhunderts zufolge wurden damals keine Dokumente vorgelegt, die den Ursprung des Objekts geklärt hätten.

Theorie II: Blitzschlag, sieben Kinder und schlesische Magie

Gewitter über der Baumgruppe in Schomberg — Visualisierung der Legende vom Blitzeinschlag
Visualisierung: Eine alte schlesische Sage erzählte, dass ein Blitz in die Baumgruppe einschlug, unter der Kinder Schutz gesucht hatten. Man versuchte die Opfer zu retten, indem man sie in der Erde vergrub, damit diese die zerstörerische Kraft „herausziehe“.

Eine völlig andere Geschichte bewahrte die lokale Tradition, die später von Józef Larisch notiert wurde. Dieser Sage nach suchte nach dem Dritten Schlesischen Krieg, also nach 1763, ein außergewöhnlich heftiges Gewitter die Gegend heim. Auf dem Weg vom Schwarzwald (Czarny Las) und Schomberg befand sich damals eine Gruppe von Kindern, die zur Marienkirche in Beuthen zum Religionsunterricht unterwegs war. Auf der Suche nach Schutz liefen sie auf eine nahe gelegene Anhöhe unter eine Baumgruppe.

Ein heftiger Blitzeinschlag soll sieben von ihnen getötet haben. Dies gehört eindeutig in den Bereich der Volkssage, aber gerade deshalb ist diese Überlieferung so faszinierend. Die Erwachsenen versuchten angeblich, die Opfer zu retten, indem sie sie in der Erde vergruben, damit diese den „Blitz herausziehe“, also dem Körper die zerstörerische elektrische Kraft entziehe. Als diese alte Maßnahme wirkungslos blieb, sollen die Kinder auf dem Hügel begraben und über ihrem Grab der Bildstock errichtet worden sein.

Die Legende erklärte auch die Auswahl der Bilder in den acht Nischen. In sieben von ihnen sollten sich die Bildnisse der Schutzheiligen befinden, die den Vornamen der verstorbenen Kinder entsprachen: Maria, Margarethe, Thekla, Antonius, Ignatius, Joseph und Petrus. Die achte Nische soll der Gute Hirte eingenommen haben.

Theorie III: Ein angeblicher russischer General und eine Glocke mit dem Datum 1700

Alte Glocke mit dem Datum 1700 vor dem Hintergrund eines Gutshofes — illustrative Visualisierung
Visualisierung: Nach einem Bericht von 1924 blieb von einem abgerissenen Sakralbau eine Glocke mit dem Datum 1700 erhalten. Sie soll als Arbeitsglocke auf das Schomberger Gut gekommen sein.

Im Jahr 1924 erschien in der Beilage „Aus dem Beuthener Lande“ eine weitere, weitaus fantasievollere Version. Josef Henne behauptete, dass der kleine, achtseitige Bildstock keine eigenständige Kapelle war, sondern der erhaltene Überrest eines größeren Sakralbaus aus dem 17. Jahrhundert. Dieser Erzählung zufolge wurde dort ein russischer General namens Schombierski begraben, der angeblich auf diesen Feldern während der Kämpfe mit den Tataren gefallen war. Von seinem Nachnamen soll sich der Name der Siedlung abgeleitet haben.

Dies ist ein klassisches Beispiel für Volksetymologie. Der Name Schomberg ist viel früher belegt und wird meist mit der alten Form Schoenenberg/Schönberg in Verbindung gebracht, sodass die Legende über den General den Ursprung des Ortes nicht erklärt.

Dennoch enthält Hennes Bericht ein faszinierendes materielles Detail. Der Autor behauptete, dass aus dem abgerissenen Bauwerk eine Glocke erhalten blieb, die auf das nahe gelegene Gut (Dominium Schomberg) gebracht wurde. Sie soll die große Jahreszahl 1700 und die Worte „Jesus Maria“ getragen haben. Wenn dieser Bericht zutrifft, wurde sie später nicht mehr sakral genutzt, sondern als gewöhnliche Arbeitsglocke, um die Menschen zur Arbeit auf dem Gutshof zu rufen.

Theorie IV: Napoleonische Soldaten, ein ertrunkenes Gespann und versteckte Taler

Ein äußerst wertvolles Zeugnis dafür, wie sich die lokale Erinnerung in der Zwischenkriegszeit entwickelte und veränderte, ist ein Ausschnitt aus der deutschsprachigen Presse mit dem Titel „Ein hundertjähriger Bildstock zwischen Schomberg und der Hohenzollerngrube“. Verfasst wurde er von einem Maschinisten namens Strzala (Masch.-Wärter Strzala), einem Mitarbeiter der Hohenzollerngrube (Szombierki). Sein Ziel war es, die Bergleute zu sensibilisieren, damit sie auf dem Weg zur Schicht nicht achtlos an diesem legendenumwobenen Ort vorbeigehen.

Der Autor der damaligen Publikation zitiert Varianten von Sagen, die den freien Umgang der Einwohner mit der Gestaltung der lokalen Geschichte zeigen:

  • Das Grab der Soldaten von 1813: Der Autor beruft sich auf die Gramer-Chronik, verändert deren Sinn jedoch völlig. Gramer schrieb über die Opfer der Epidemie von 1737, während wir in Strzalas Artikel erfahren, dass nach der Schlacht an der Katzbach etwa 300 verwundete Franzosen, Russen und Preußen nach Beuthen kamen, an Typhus starben und der Bildstock angeblich auf ihrem mit Kalk zugeschütteten Massengrab stand.
  • Der Schatz der Familie Cygan: Um diesen napoleonischen historischen Faden glaubwürdiger zu machen, erinnert der Ausschnitt an ein Ereignis aus dem Jahr 1924, als bei Schachtarbeiten auf dem Grundstück der Familie Cygan in Schomberg ein Topf mit silbernen Talern aus dem Jahr 1812 ausgegraben wurde, die vor den französischen Truppen versteckt worden waren.
  • Ein ertrunkenes Gespann: Ein völlig neues Motiv taucht auf — einer der Sagen zufolge befand sich an der Stelle des Bildstocks einst ein Tümpel, in dem ein ganzes Pferdegespann mitsamt den Menschen ertrank („ein Gespann mit Mann und Maus umgekommen ist“).
  • Verzerrte Varianten anderer Mythen: Der Autor merkt an, dass das Objekt ein Dankeszeichen nach der Choleraepidemie im 19. Jahrhundert gewesen sein könnte. Er ruft auch die Legende von den vom Blitz getroffenen Kindern ins Gedächtnis, mit dem Unterschied, dass sie in seiner Erzählung nicht zum Religionsunterricht unterwegs waren, sondern dort einfach Gänse hüteten (beim Gänsehüten).

Dieser historische Presseanhang ist ein perfektes Beispiel dafür, wie harte Fakten fließend mit der Volksfantasie verschmolzen und erstaunliche, völlig von den Quellen losgelöste mythische Geschichten schufen, die in der lokalen Gemeinschaft kursierten.

Der Bildstock aus den Sagen und die echte St.-Josephs-Kapelle

Wenn man sich in die verworrene Vergangenheit der Schomberger Denkmäler vertieft, ist Wachsamkeit geboten. Der geheimnisvolle Bildstock am Straßenrand wird manchmal mit einem anderen, für diesen Ort zentralen Objekt verwechselt — der gemauerten Kapelle des hl. Joseph und der Jungfrau Maria, in der jahrelang die berühmte „Beuthener Madonna“ aufbewahrt wurde. Wenn Sie an den historischen und dokumentierten Schicksalen dieses zweiten, viel größeren Objekts interessiert sind — dessen Stifter und langjähriger Glöckner übrigens mein Ururgroßvater, der Gemeindevorsteher Simon Flatzek, war —, lade ich Sie ein, die separaten Artikel zu lesen:

Quellen und Bibliografie

  • Gramer Franz, Chronik der Stadt Beuthen in Ober-Schlesien, Beuthen 1863, S. 194–195.
  • Graba Joseph, Oberschlesische Heimat, Jahrgang VI, 1910, S. 22–23 (Erwähnungen basierend auf der Gramer-Chronik).
  • Henne Josef, Die Kapelle an der Schomberger Chaussee, in: „Aus dem Beuthener Lande”, Nr. 19, Beuthen, 21. Mai 1924.
  • Larisch Józef, Szombierki. Zarys rozwoju dzielnicy, Bytom 1989, S. 153–155.
  • Strzala, Ein hundertjähriger Bildstock zwischen Schomberg und der Hohenzollerngrube, in: „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt”, Nr. 7/8 (Juli/August), 1975, S. 52.
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