
Harmonikaspieler aus Schomberg. Die Geschichte eines 1937 gegründeten Clubs
Mit ihren Instrumenten gingen sie zu Fuß zu den Proben nach Bobrek, spielten bei Hochzeiten, in Gaststätten und Vereinssälen – und fanden Jahrzehnte später wieder zusammen, um erneut gemeinsam zu musizieren. Die Geschichte des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg hat sich in Fotografien, Erinnerungsberichten und in der beharrlichen Arbeit seiner ehemaligen Mitglieder erhalten.
Inhaltsverzeichnis
„Guzikówka“ – was ist das eigentlich?
Das polnische Wort „guzikówka“ mag heute zunächst etwas rätselhaft klingen. Gemeint ist umgangssprachlich eine Knopfharmonika – ein Balg-Instrument, bei dem anstelle einer Klaviertastatur Knöpfe verwendet werden.
Für den Schomberger Club sprechen die Quellen ausdrücklich von diatonischen Handharmonikas. Der deutsche Begriff Handharmonika war allerdings weiter gefasst und konnte unterschiedliche Arten von Balg-Instrumenten bezeichnen. Man sollte ihn deshalb nicht automatisch mit einem einzigen Instrumententyp oder Modell gleichsetzen. [1, 11]

Hinter diesen Zahlen standen jedoch konkrete Menschen: Kinder und Jugendliche auf dem Heimweg von den Abendproben, Musiklehrer nach ihrem Arbeitstag, junge Frauen bei örtlichen Veranstaltungen, Bergleute und Familien, die sich zur Musik trafen. Um zu verstehen, wie in Schomberg ein eigener Handharmonika-Club entstehen konnte, müssen wir zunächst einige Jahre zurückgehen – und mit seinen ersten Musikern den Weg ins benachbarte Bobrek nehmen.
Zuerst musste man nach Bobrek laufen
In den Jahren 1935–1936 besaßen die jungen Musiker aus Schomberg noch keinen eigenen Verein. Also nahmen sie ihre Instrumente und gingen nach Bobrek, wo seit Ende 1934 ein Club unter dem musikalischen Einfluss von Willi Hunn und Adolf Schulz tätig war. Die Proben fanden in der dortigen neuen Schule statt.
Zu den jungen Leuten aus Schomberg, die an diesen Proben teilnahmen, gehörten unter anderem Alfred Grützner, Rudi Miemietz, Gerhard Krompietz, Rudi Gambka, Luzie Skowronek, Margot Hadzik und Hilde Weindich. [1]
Die Zahl der Interessierten wuchs. Bei einer Zusammenkunft im Bobreker Hüttenkasino kam man 1937 zu dem Schluss, dass Schomberg inzwischen genügend Spieler für einen eigenen Verein hatte. Im Juli 1937 wurde im Gasthaus „Deutsches Haus“ der 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg gegründet. [1, 2, 3]
Zum ersten Vorsitzenden wurde Karl Lauer gewählt, sein Stellvertreter war Hans Opara. Bruno Jonderko übernahm das Amt des Kassierers, Josef Maniura wurde Schriftführer. An den Gründungsgesprächen beteiligte sich auch Josef Skowronek. [1]
Die Gründung eines eigenen Vereins bedeutete keineswegs das Ende der Kontakte nach Bobrek. Die Schomberger Musiker profitierten weiterhin von den Erfahrungen der dortigen Lehrer und arbeiteten mit ihren Nachbarn zusammen. Der Club entstand also nicht allein durch einen formalen Gründungsakt, sondern aus Monaten gemeinsamer Proben, Unterrichtsstunden und jener ganz alltäglichen Wege, die man mit dem Instrument in der Hand zwischen beiden Orten zurücklegte.
Willi Hunn und die Abendproben Adolf Schulzes
Willi Hunn stammte aus Zaisenhausen in Baden, wo er am 13. Juni 1913 geboren wurde. Sein Vater leitete eine Niederlassung der Firma Hohner. Willi selbst erlernte den Beruf des Akkordeonbauers und erhielt anschließend eine musikalische Ausbildung an der Deutschen Harmonikaschule in Stuttgart.
Im Februar 1934 trat er eine Stelle im Beuthener Musikhaus Th. Cieplik an der Bahnhofstraße an. Bald darauf organisierte er Musikgruppen in weiteren Orten des oberschlesischen Industriegebiets. Ende 1937 eröffnete er schließlich eine eigene Musikschule in Gleiwitz. [2]
Für den Schomberger Club übernahm Hunn die allgemeine musikalische Leitung. Die regelmäßige Arbeit mit den Schülern lag jedoch vor allem bei Adolf Schulz aus Bobrek. Schulz war Schlosser in der Julienhütte. Weil er tagsüber arbeitete, konnte er seine Abende dem Unterricht der jungen Harmonikaspieler widmen. Viele von ihnen waren gerade einmal acht bis vierzehn Jahre alt. [1, 2]

Knöpfe, Noten und fünfzig Pfennig
Die Proben folgten einem festen Ablauf. Zunächst arbeitete Schulz einzeln mit den jüngsten Spielern und den Anfängern. Danach probte eine Gruppe von ungefähr fünfzehn bis zwanzig Personen, zum Schluss kamen die älteren und fortgeschritteneren Musiker an die Reihe.
Der Unterricht fand in Gebäuden der Schomberger Knabenschule und später auch im Katholischen Vereinshaus an der damaligen Godullahütter Straße statt. [1]
Es genügte nicht, nur die richtigen Knöpfe zu drücken. Die Schüler mussten auch Notenschrift lernen. In den Erinnerungen der ehemaligen Clubmitglieder wird insbesondere das zehnlinige Helbling-System genannt, daneben aber auch Habla, Record, Claude und Holzschuh.
Zunächst spielte man einfachere Melodien, später Konzertwalzer, Märsche, Tänze und Bearbeitungen populärer Stücke. Genannt werden unter anderem Kompositionen von Hermann Schittenhelm und Alfons Holzschuh sowie Titel wie „Aus dem schönen Wien“, „Blaue Adria“ und „Elsäßische Bauerntänze“. [1]
In der Anfangszeit verfügte die Gruppe noch über kein gesondertes Bassinstrument. Die Erinnerungen sprechen deshalb vom ersten und zweiten Spiel. Gerade dieses Detail zeigt, wie der Verein Schritt für Schritt aufgebaut wurde: Man begann mit dem, was vorhanden war, und wagte sich nach und nach an anspruchsvollere Musik.
Natürlich hatte das Vereinsleben auch eine weniger romantische Seite: Beiträge, Gebühren und Mitgliedsbücher. Jugendliche zahlten monatlich 50 Pfennig, Erwachsene 70 Pfennig. Hinzu kamen eine einmalige Organisationsgebühr von 10 Pfennig und 15 Pfennig für das Mitgliedsbuch. Passive Mitglieder, die den Verein unterstützten, zahlten eine Aufnahmegebühr von 5 Reichsmark. Die Gesamtzahl der Vereinsmitglieder wurde später rückblickend auf etwa 40 bis 60 Personen geschätzt. [1]
Schomberg hört zu
Wann stand der Club zum ersten Mal öffentlich auf einer Bühne? Die erhaltenen Quellen geben darauf keine völlig eindeutige Antwort. Ein später abgedruckter Bericht der „Ostdeutschen Morgenpost“ beschreibt bereits einen Silvesterauftritt Ende 1937 im „Deutschen Haus“, bei dem Krzisinski aus Beuthen dirigiert haben soll. Ehemalige Clubmitglieder erinnerten sich dagegen später daran, dass ihr erster öffentlicher Auftritt am Ostermontag 1938 im Hüttenkasino in Bobrek stattgefunden habe. [1, 4]
Es gibt keinen Grund, beide Überlieferungen künstlich miteinander in Einklang zu bringen. Sicher ist vor allem eines: Um den Jahreswechsel 1937/1938 verließen die Schomberger Handharmonikas die Probenräume und wurden öffentlich gehört.
Beim Osterkonzert in Bobrek erklangen unter Hunnes Leitung „Bauernhochzeit“, „Rheinländer-Polka“ und der Walzer „Am Weichselstrande“. In den folgenden Monaten spielte der Club in Schomberg, Beuthen und weiteren Nachbarorten. [1]
Regelmäßig trat man im Gasthaus Bialas und im Katholischen Vereinshaus auf. Die Musiker wurden zu Verlobungen, Hochzeiten, Familienfeiern und Betriebsfesten eingeladen. Die älteren Spieler ergänzten das gemeinsame Repertoire um Melodien, die sich für solche Veranstaltungen besonders gut eigneten. [1, 5]

Auch ein größeres Konzert im Herbst 1938 fand Eingang in die Presse. Karl Lauer begrüßte das Publikum, Müller führte durch den Abend, und neben dem gesamten Orchester traten zwei zwölfjährige Solisten auf. Den zweiten Teil des Programms gestalteten Musiker aus Bobrek sowie Willi Hunn mit solistischen Darbietungen. [4]
Der Ansager Karl Müller verstand es, den Veranstaltungen einen ausgesprochen lokalen Ton zu geben. Siegfried Kowollik erinnerte sich besonders an ein Gedicht über das Wort „Pieronje“, das je nach Situation Ärger, Erleichterung oder Begeisterung ausdrücken konnte. In der überlieferten Anekdote benutzte es sogar ein Oberschlesier, der vor dem Himmelstor stand. Ein kleines Detail – aber eines, das viel über die Atmosphäre dieser Abende verrät. [1]
Auch Mädchen spielten im Vereinsleben eine wichtige Rolle. Eine der erhaltenen Fotografien zeigt eine Gruppe junger Spielerinnen im Schomberger Vereinshaus. Nach der später veröffentlichten Bildlegende entstand die Aufnahme vermutlich während einer Faschingsfeier eines kirchlichen Vereins. Ein genaues Datum ist nicht bekannt. [5]

Noch bemerkenswerter ist eine einige Jahre später unter der Überschrift „Harmonikamädchen im »Schomberger Kloster«“ veröffentlichte Aufnahme. Der Veröffentlichung war ein Aufruf beigefügt, weitere abgebildete Personen zu identifizieren. Namentlich genannt wurden auch Gretel Orant und Hertha Breitkopf, die man damals noch nicht hatte ausfindig machen können.
Genau auf diese Weise entstand nach dem Krieg allmählich ein Archiv des alten Clubs: Jemand schickte einen Abzug ein, ein anderer erkannte eine ehemalige Freundin, wieder jemand ergänzte einen Namen oder eine neue Anschrift. [6]

2. Juli 1939. Der Club fährt ins Grüne
Vereinsleben bestand nicht nur aus Noten, Unterricht und Auftritten. Am Sonntag, dem 2. Juli 1939, machte sich eine Gruppe der Schomberger Harmonikaspieler auf den Weg nach Böhmswalde im Kreis Gleiwitz. Man fuhr mit Straßenbahn und Eisenbahn. In den späteren Erinnerungen blieben das Musizieren in einem Lokal, Spiele im Garten, das gemeinsame Mittagessen und ein anschließender Spaziergang erhalten. [1]
Von diesem Tag existiert auch eine Fotografie mit elf Personen. Dank der später veröffentlichten Bildlegende kennen wir die Namen aller darauf Abgebildeten. Wir sehen deshalb nicht einfach eine anonyme Gruppe „junger Menschen von früher“, sondern konkrete Einwohner Schombergs.

In der letzten Reihe steht Siegfried Kowollik. Im Sommer 1939 war er einfach einer der Teilnehmer dieses Vereinsausflugs. Rund vierzig Jahre später gehörte er zu jenen Menschen, die nach den ehemaligen Clubkameraden suchten, Anschriften sammelten, alte Fotografien beschrifteten und damit halfen, die Geschichte dieser Gemeinschaft vor dem Vergessen zu bewahren.
Nicht nur ein Club. Das musikalische Schomberg der dreißiger Jahre
Der 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg war nicht die einzige örtliche Musikformation. Die erhaltenen Fotografien dokumentieren mehrere Gruppen, die jedoch nicht ohne Weiteres miteinander gleichgesetzt werden dürfen.
Eigenständig bestand die Handharmonika-Spielgruppe der Hohenzollerngrube Schomberg. Im September 1981 veröffentlichte das „Heimatblatt“ eine Aufnahme dieser Gruppe aus dem Jahr 1937 und unterschied sie ausdrücklich vom 1. Handharmonika-Club. Identifiziert wurde lediglich Herr Angres ganz links im Bild. [7]

Eine dritte bekannte Formation war der Fanfarenzug Schomberg, dem Trommler und Fanfarenbläser angehörten. Eine Notiz aus dem Jahr 1991 nennt als frühere Leiter Gerhard Schmaiduch, Oswald Koston und Gerhard Matlok.
Die genauen organisatorischen Beziehungen zwischen diesen Gruppen lassen sich derzeit nicht sicher rekonstruieren. Am sinnvollsten ist es deshalb, sie als unterschiedliche musikalische Gemeinschaften des damaligen Schomberg zu behandeln. [8]
Der Krieg erreicht den Vereinsraum
Das Vereinsleben der Vorkriegszeit spielte sich unter den politischen Bedingungen des nationalsozialistischen Deutschlands ab. Nach der Erinnerung Siegfried Kowolliks galt für den Club eine vereinheitlichte Satzung im Rahmen der Reichsmusikkammer. Er berichtete außerdem von der Verpflichtung zur Teilnahme an politischen Veranstaltungen. Diese Erinnerungen zeigen sowohl das alltägliche Musikleben als auch die von der damaligen Staatsordnung vorgegebenen Rahmenbedingungen. [1]
Nach Beginn des Krieges wurden immer mehr ältere Spieler zum Arbeitsdienst oder zum Militär eingezogen. Auch Willi Hunn und Karl Lauer wurden einberufen. Lauer übergab die Leitung des Clubs an Bruno Jonderko, während Adolf Schulz den Unterricht weiterführte. Noch bis etwa 1944 konnten Proben stattfinden. [1, 2]
Sogar das Datum eines Treffens während des Krieges ist überliefert: Am 31. Januar 1943 fanden im Gasthaus Kluzik eine Generalversammlung und eine Weihnachtsfeier des Clubs statt. [1]
Bereits zuvor hatte der Verein seinen Schriftführer verloren. Josef Maniura kam im April 1940 bei einem Unfall auf der Hohenzollerngrube ums Leben. Die Erinnerung setzt seinen Tod zwei Tage nach einem Konzert in Orzegow vom 14. April an, was auf den 16. April 1940 weist.
Bruno Jonderko wurde nach dem Einmarsch der Roten Armee in das Innere der Sowjetunion verschleppt. Nach der überlieferten Erinnerung starb er am 17. Juni 1945 in Nowosibirsk. [1]
Unter den verstorbenen und gefallenen Clubmitgliedern wurden außerdem Adolf Schulz, Hans Opara, Alfred Grützner, Georg Augustiniok, Bruno Dreihan, Adolf und Joachim Jonderko sowie Engelbert Kliem genannt. Die einzelnen Lebenswege dieser Männer müssten noch gesondert rekonstruiert werden. Nicht alle ihre Schicksale lassen sich mit der pauschalen Formulierung „an der Front gefallen“ beschreiben. [1, 9]
Zuerst fehlten einzelne Spieler, später zerstreute sich die gesamte Gemeinschaft. Einige ehemalige Mitglieder blieben jedoch in Schlesien. Erst Jahrzehnte später begann die systematische Suche nach den verlorenen Verbindungen.
Eine Adresse finden, einen alten Freund wiederfinden
Die alten Verbindungen wiederherzustellen bedeutete: Briefe schreiben, nachfragen und geduldig Informationen zusammentragen. Eine besonders wichtige Rolle spielte Siegfried Kowollik, unterstützt unter anderem von den Familien Alfreds und Leonhardts Maniura. Man suchte ehemalige Schul- und Clubkameraden, sammelte Fotografien und ergänzte Namen.
Das „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, die Zeitschrift ehemaliger Bewohner der Region, wurde zu einem der wichtigsten Orte für Suchaufrufe, Fotografien und neue Informationen. [10]
Im Frühjahr 1981 berichtete Kowollik, dass die Lebenswege von 39 Clubmitgliedern bereits ermittelt worden seien. Elf von ihnen lebten nicht mehr, sieben wohnten weiterhin in Schlesien. [1]
Das erste große Nachkriegstreffen fand vom 29. bis 31. Mai 1981 in Bonn-Bad Godesberg statt. Es wurde mit einem Treffen ehemaliger Schüler der Klasse Ib der Schomberger Knabenschule verbunden. Mehr als sechzig Personen kamen zusammen; der Bericht nennt dreizehn ehemalige Clubmitglieder. Auch Karl Lauer und Willi Hunn waren anwesend. [10]
Der Deutsche Harmonika-Verband zeichnete ehemalige Musiker mit Ehrenzeichen aus. Noch wichtiger war jedoch, dass man nach so vielen Jahren wieder gemeinsam spielen konnte.
Hunn hatte sich nach dem Krieg in Hamburg niedergelassen, wo er erneut unterrichtete und Musikgruppen leitete. In Bad Godesberg kehrte er jedoch zu den alten Schomberger Melodien zurück. Gemeinsam spielte man unter anderem den „Kuckucks-Walzer“ und „Wien bleibt Wien“. Außerdem wurde „Rosen und Jugend“ nach eigens vorbereiteten Textblättern gesungen. [2, 10]
Sogar ein Wettbewerb zum Erkennen alter Stücke wurde veranstaltet. Das Lösungswort lautete Adolf Schulz – der Name jenes Lehrers, der nun nicht mehr unter seinen ehemaligen Schülern sitzen konnte. Reinhold Maniura und Margot Speerschneider fanden die richtige Lösung. [10]
Die Musik schreibt die Geschichte weiter
Das Treffen von 1981 war keineswegs das Ende. Im Mai 1984 trafen sich ehemalige Schomberger Harmonikaspieler in Trossingen – einer Stadt, die eng mit der Geschichte des Harmonikabaus verbunden ist. Sie besichtigten die Hohner-Werke und nahmen an Vorführungen im Musikstudio teil. [9]
Drei Jahre später, vom 17. bis 20. September 1987, wurde in Grävenwiesbach-Laubach im Taunus das fünfzigjährige Bestehen des Clubs gefeiert. Fast siebzig Personen nahmen teil, darunter achtzehn ehemalige Mitglieder. [9]
Karl Lauer und Willi Hunn wurden zu Ehrenmitgliedern ernannt und erhielten Erinnerungspokale. Acht ehemalige Spieler hatten ihre Instrumente mitgebracht. Unter der Leitung ihres früheren Dirigenten probten sie erneut und spielten anschließend Stücke, die sie einst in Schomberg aufgeführt hatten. [9]
Zum Jubiläum komponierte Heinz Engl ein eigenes Stück. Die Teilnehmer gaben ihm den Titel „Schomberger Bilderbogen“. Neben den wieder hervorgeholten alten Melodien entstand damit auch eine neue Komposition, die ausdrücklich dieser Gemeinschaft gewidmet war. [9]
Zwei Jahre später erklang die Musik erneut. Im September 1989 eröffnete eine Gruppe ehemaliger Harmonikaspieler bei den Feierlichkeiten zum 700-jährigen Jubiläum Schombergs in Recklinghausen das Programm mit dem Marsch „Junges Blut“. [12]
Noch 1991 wurde ein weiteres Treffen in Trossingen vorbereitet, das für den 17. bis 20. Juni 1993 vorgesehen war. In diesem Zusammenhang suchte man auch ehemalige Mitglieder des Fanfarenzugs Schomberg. Die erhaltene Ankündigung belegt jedoch nur die Planung; sie bestätigt nicht, dass das Treffen tatsächlich zu diesem Termin stattfand. [8]
Wenn wir heute auf die Fotografie vom 2. Juli 1939 blicken, wissen wir etwas, das die jungen Menschen vor der Kamera damals nicht wissen konnten. Nur zwei Monate später begann der Krieg, der ihre Welt auseinanderbrechen und die Clubkameraden in verschiedene Richtungen zerstreuen sollte.
Ebenso wenig konnten sie ahnen, dass sie Jahrzehnte später nach ihren alten Anschriften suchen, Gesichter auf Fotografien wiedererkennen und gemeinsam die Noten von einst aufschlagen würden.
Geblieben sind Fotografien, Namen, Erinnerungen – und Melodien, die sie auch nach vielen Jahrzehnten noch gemeinsam spielen konnten. Gerade deshalb ist die Geschichte dieses kleinen Handharmonika-Clubs heute auch ein Stück Geschichte von Schomberg und Szombierki.
Quellenhinweise und Bibliografie
Quellenhinweise
Grundlage dieses Artikels sind vor allem Erinnerungsberichte und Materialien, die nach dem Krieg im „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“ veröffentlicht wurden. Ein großer Teil der Dokumentation wurde von ehemaligen Beteiligten zusammengetragen, insbesondere von Siegfried Kowollik und Leonhardt Maniura. Da manche Erinnerungen erst Jahrzehnte nach den Ereignissen niedergeschrieben wurden, müssen einzelne Abweichungen zwischen den Überlieferungen berücksichtigt werden.
- Gründungsdatum: Die Quellen nennen den 13. beziehungsweise den 24. Juli 1937. Im Haupttext wird deshalb bewusst nur die gesicherte Formulierung „im Juli 1937“ verwendet.
- Erster öffentlicher Auftritt: Die Erinnerung von 1981 nennt den Ostermontag 1938. Ein später veröffentlichter Nachdruck aus der „Ostdeutschen Morgenpost“ beschreibt dagegen bereits einen Auftritt zu Silvester 1937. Es bleibt offen, ob beide Berichte exakt dieselbe Musikergruppe betreffen.
- Czysch: Im Bericht von 1981 erscheint der Vorname Theo, in der Verlustliste von 1987 dagegen Helmut. Beide Angaben wurden deshalb nicht ohne weiteren Nachweis zu einer Person zusammengeführt.
- Josef Skowronek: Die Nachricht, dass er 1987 bereits verstorben war, erlaubt keine sichere Aussage über Datum und Umstände seines Todes.
- Trossingen 1993: Das erhaltene Material kündigt ein Treffen lediglich an. Ein Nachweis für seine tatsächliche Durchführung liegt bislang nicht vor.
Bibliografie und Bildquellen
- „Der 1. Harmonika-Club 1937 Schomberg“, „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, April 1981, Nr. 4, S. 29–32. S. 29 · S. 30 · S. 31 · S. 32
- Siegfried Kowollik, „Harmonika-Pionier Willi Hunn, 70 Jahre“, Mai 1983, Nr. 5, S. 21–22. S. 21 · S. 22
- „50 Jahre 1. Handharmonika-Club 1937 Schomberg“, Mai 1987, Nr. 5, S. 25–26. S. 25 · S. 26
- Leonhardt Maniura, „Aus der Frühzeit des 1. Handharmonika-Clubs Schomberg 1937“, September 1990, Nr. 9, S. 13. Scan ansehen
- „Eine Mädchenspielgruppe im Schomberger Vereinshaus“, April 1983, Nr. 4, S. 31. Scan ansehen
- „Harmonikamädchen im »Schomberger Kloster«“, April 1987, Nr. 4, S. 27. Scan ansehen
- „Handharmonika-Spielgruppe der Hohenzollerngrube Schomberg“, September 1981, Nr. 9, S. 35. Scan ansehen
- „Fanfarenzug Schomberg“, Dezember 1991, Nr. 12, S. 15. Scan ansehen
- Siegfried Kowollik, „Glanzvolle Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg“, November 1987, Nr. 11, S. 26–30. S. 26 · S. 27 · S. 28 · S. 29 · S. 30
- „Schomberger Schul- und Harmonikafreunde in Bad Godesberg“, Juli/August 1981, Nr. 7/8, S. 30–33. S. 30 · S. 31 · S. 32 · S. 33
- „Tafel 3: Handharmonika und Kirche“, städtischer historischer Tafelweg in Klingenthal. Ergänzende Informationen zur Terminologie und zu historischen Handharmonika-Typen. Seite ansehen
- Bericht über die Feier zum 700-jährigen Bestehen Schombergs in Recklinghausen, „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“, Oktober 1989, Nr. 10. Mit dem Hinweis auf den Auftritt ehemaliger Harmonikaspieler und den Marsch „Junges Blut“.



