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Schlesische Sprache

Günther Jendryschik i Schamberger Wörterbogen – język dawnych Szombierek

Günther Jendryschik – „Schamberger Wörterbogen“. Kindheit im Grenzland und die Sprache des alten Schomberg

Schamberger Wörterbogen · 1987

Wodzonka, Haschok, Maschlonka, Utopletz, Boikes. Auf den ersten Blick können diese Wörter aus den Aufzeichnungen eines ehemaligen Schombergers fremd wirken. Liest man sie jedoch mit schlesischem Klang, treten hinter der deutschen Schreibweise vertraute Formen hervor: wodzionka, hasiok, maślonka, utoplec und bojki. Und plötzlich klingt vieles wieder erstaunlich vertraut.

Wodzonka→wodzionka Haschok→hasiok Maschlonka→maślonka Utopletz→utoplec Boikes→bojki

Der Verfasser dieses ungewöhnlichen kleinen Wörterbuchs war Günther Jendryschik (1925–1995), ein gebürtiger Schomberger. Im November 1987 veröffentlichte er im „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“ seinen augenzwinkernd betitelten Text „Schamberger Wörterbogen“.

Jendryschik wollte kein wissenschaftliches Wörterbuch verfassen. Er schrieb die Sprache seiner eigenen Kindheit nieder, so wie sie ihm nach Jahrzehnten in Erinnerung geblieben war. Und diese Kindheit spielte sich tatsächlich in einem zweisprachigen Umfeld ab. Bereits 1975 bezeichnete er gemeinsam mit Siegfried Kowollik Schomberg rückblickend als „Zweisprachengebiet“ und erinnerte daran, dass außerhalb der Schule sehr viel Polnisch gesprochen wurde.

Die Sprache des alten Schomberg lässt sich deshalb nur schwer in starre Lehrbuchkategorien pressen. Lokale, slawische und deutsche Elemente gingen im Alltag selbstverständlich ineinander über. Mitunter erhielt sogar ein slawischer Wortstamm eine deutsche Endung. Ein gutes Beispiel sind die örtlichen bojki, also Geschichten und Schwänke, die Jendryschik als „Boikes“ notierte.

Inhaltsverzeichnis

Hof, Haus und Kindheit

Auf dem Hof befand sich der Hasiok, manchmal auch ein Misthaufen. Jendryschik schreibt ohne Umschweife, dass es dabei an entsprechendem Geruch nicht mangelte. Die Fußböden wurden mit einem Lappen gewischt, und zum Ausrollen des Teigs diente die Nudelkula. Die Ryczka war ein niedriger Schemel oder Fußtritt; in einem der örtlichen Scherze reichte sie sogar als „Reisemittel“ – höchstens mit der Ryczka unters Bett.

Im Haus lief man in Papucie oder Lacie herum, und die kleinsten Kinder trugen mitunter so kurze Hemden, dass der Pępek zu sehen war. Für Disziplin sorgten die Eltern: Väter griffen zum Gürtel, Mütter eher zum Hausschuh. Temperamentvolle Jungen hießen etwa Schuß; aus dem kleinen Hoppek wurde später vielleicht ein Gupielok oder Chachar, der mit anderen Chacharen auf der Straße unterwegs war. Ein kleines Mädchen war eine Dziewka, manchmal liebevoll ein Kocik, später eine Dziewa. Und wenn am Morgen ein Säugling lautstark weinte, konnte er kurzerhand zum Budzik werden.

Schicht und Sonntagskleidung

Für viele Väter bestimmte die Schicht auf der Grube den Tagesrhythmus. Sie trugen meist einen Schnurrbart und rasierten den Bart mit der Brzitfa. Im Winter kam auf dem Weg zur Arbeit die Baranienka auf den Kopf, über der Schulter hing die Torba. Darin lagen eine Schnitte Brot mit Spirka und häufig auch eine Plaskówka, eine flache Flasche. In der Pfeife rauchte man Pressowka, während die Jüngeren sich eher einen Skrent drehten. Die Eleganz war dem Sonntag vorbehalten: Die Väter holten Schlips und Kraglik hervor, die Großväter trugen ein Vorhengla – einen steifen, festlichen Hemdbrust-Einsatz – und gingen so zur Kirche. Ältere Frauen banden sich die Hustka, jüngere trugen Ketzki und Spodnitze.

Der Geschmack des alten Schomberg

Jendryschik erinnert an eine ganze Reihe von Speisen, deren Namen zum damaligen Alltag gehörten: Wodzionka, Ścierka, Smażonka, Karminadle, Krupnioki, Żymloki, Hekele, Placki, Maślonka, Kluski, Modra Kapusta, Krolik, Makówki, Moczka, Pierniki und Kakauszale. Frische, noch warme Krupnioki und Żymloki kaufte man in Beuthen bei „Dingetal“, wie Jendryschik den Namen erinnerte. Beuthener Quellen belegen tatsächlich den Familiennamen Dingethal, auch im Fleischerhandwerk.

Dominium und Kinderstreifzüge

Bei seinen Erinnerungen an das Essen verwendet Jendryschik an einer Stelle ein schlichtes Wort: Bieda – Armut. Freitags gingen die Kinder zur Molkerei im Dominium, um Maślonka zu holen. Auf die großen Felder des Gutes zog man außerdem, um Mlecze für die Kaninchen zu sammeln. Dabei war Aufmerksamkeit gefragt, denn jederzeit konnte der berittene Aufseher Pitarek auftauchen. Dann galt es, den Zaun zu erreichen, bevor der Reiter die kleinen Eindringlinge einholte.

Jendryschik erinnert sich außerdem daran, dass man im Winter kaschelte. Das schlesisch-deutsche Verb bezeichnet das Gleiten oder Rutschen auf dem Eis. Fehlte die Ausrüstung, dienten Bretter einer alten Betzka als Skier. Heute würde man im Raum Beuthen für ein Ausrutschen vielleicht eher klojznąć oder klojzdnąć sagen; eine gemeinsame Etymologie dieser Wörter ist damit jedoch nicht behauptet.

Orte und Menschen

Das Schomberg der Vorkriegszeit bestand in der Erinnerung aus einem dichten Netz von Orten und Menschen, zu denen man einfach „ging“. Man traf sich an der Panienka oder am Transformator beim Haus von Dr. Scholz. Semmeln holte man bei Bursig oder Mazkowski, Krakauer oder Oppler bei Kowollik oder Urbainczyk. Auf ein Bier ging man zu Schyska oder Bialas. Bei Pokladnik bekam man Salmiakpastillen durch das Küchenfenster, und nach der Kirche kaufte man bei Koston Kokosflocken. Jendryschik nennt außerdem Menschen, die ihm im Gedächtnis geblieben waren: die dicke Walterka, den alten Kotzybik, den kleinen Kapelonek, Lehrer Bautek und Fleischbeschauer Wenzel.

Bojki am Żeleźniok

Die langen Winterabende verbrachte man am warmen Żeleźniok. Wenn in den Häusern die Karbidka brannte, wurden Bojki erzählt. In diesen örtlichen Geschichten erschienen Utopletz und Smora, ebenso der aus dem Bergmannsbrauchtum bekannte Skarbnik. Jendryschik erinnert auch an eine Schomberger Erzählung über den alten Karol Godula: Nachts sollte der mächtige Industrielle mit seiner Kutsche durch die leeren Straßen Schombergs fahren, während die Pferde anstelle ihrer Köpfe lodernde Flammen trugen.

Bräuche im Jahreslauf

Der Jahreslauf war von festen Bräuchen geprägt. Um Neujahr zog die Kollende durch die Häuser, an Dreikönig gingen verkleidete Kinder singend von Haus zu Haus. Der Ostermontag konnte so ausgiebig begossen werden, dass Mädchen und Frauen ihre nassen Ketzki und Spodnitze mehrmals am Tag wechselten und auswrangen. Im Juni gab es auf dem Sportplatz das Johannisfeuer und auch den Rummel. Ein kleines Kinderkarussell wurde noch von älteren Jungen mit Muskelkraft angetrieben. Die Regel lautete: „dreimal drücken – einmal fahren“. Im Herbst ließ man selbst gebaute Drachen steigen und verbrannte sich beim Kartoffelfeuer die Finger; zu Allerheiligen passierte Ähnliches beim Anzünden der Kerzen auf dem Friedhof.

„dreimal drücken – einmal fahren“

Für die Bergleute war die Barbórka ein besonderer Tag: Es gab Freibier, Wurst und Semmeln. Jendryschik fügt mit trockenem Humor hinzu, dass danach auch zahlreiche Betrunkene auf den Straßen zu sehen waren. Anfang Dezember hingen bei Zaja in der Wilhelmstraße Nikolauslarven im Schaufenster. Für die Kinder war eine volle Tüte vom Nikolaus zweifellos die angenehmere Aussicht als Dresche vom Knecht Ruprecht – oder gar vom gefürchteten Dziobok.

Vom „Wörterbogen“ zum „Schomberger Lexikon“

Jendryschik las seinen „Schamberger Wörterbogen“ bei der Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg in Laubach vor. Laut der Notiz im „Heimatblatt“ sorgte der Text unter den ehemaligen Schombergern für große Heiterkeit und stürmischen Beifall. Damit war die Idee noch nicht beendet: Siegfried Kowollik bat die Leser um weitere „Schomberger Ausdrücke“. Wenn genügend Material zusammenkäme, könne daraus sogar ein „Schomberger Lexikon“ entstehen.

Ob dieses vollständige Lexikon jemals verwirklicht wurde, ist bislang nicht bekannt. Geblieben sind jedenfalls die beiden Seiten Jendryschiks – und erstaunlich viele Wörter, die nach so vielen Jahrzehnten in Beuthen und Szombierki noch immer vertraut klingen.

Quellen und Bibliografie

Hauptquelle

Günther Jendryschik, „Schamberger Wörterbogen“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1987, S. 31–32.

Grundlegende und kontextuelle Quellen

  1. Günther Jendryschik, Siegfried Kowollik, „Ein Schomberger Lehrer feiert seinen 80. Geburtstag!“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 2, Februar 1975, S. 15–16.
  2. Günther Jendryschik, „Zirkus Belli in Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 5, Mai 1978, S. 29–30.
  3. Siegfried Kowollik, „Der Arbeitskreis «Schomberger Heimatgeschichte»“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 4, April 1979, S. 32–33.
  4. Günther Jendryschik, „Das Schrammelorchester in Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 6, Juni 1979.
  5. Siegfried Kowollik, „Schomberger Bilderbogen“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1979, S. 31–33.
  6. „Schomberger Schul- und Harmonikafreunde in Bad Godesberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 7/8, Juli/August 1981, S. 30–33.
  7. Siegfried Kowollik, „Glanzvolle Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1987, S. 26–30.
  8. „Drei Schomberger Harmonikafreunde“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1990.
  9. FamilySearch Family Tree, Profil: Guenther Jendryschik (1925–1995), ID M819-Y8S.
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