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Meine Vorfahren

Schomberg 1927 – ilustracja codziennego życia w przedwojennych Szombierkach

Schomberg 1927. Von der Schicht in der Grube bis zum Abend bei Schyska

Szombierki ist heute ein Stadtteil von Bytom (Beuthen). Der alte Ortskern hat sich stark verändert, manche Straßen tragen andere Namen, viele Gebäude sind verschwunden, und von zahlreichen Geschäften, Gasthäusern und Werkstätten ist keine Spur mehr geblieben.

Versuchen wir diesmal etwas anderes …

Wir wollen die Geschichte Schombergs nicht vom Mittelalter bis zur Gegenwart erzählen und auch nicht einfach Namen aus einem alten Adressbuch aneinanderreihen.

Wir schreiben das Jahr 1927.

Gehen wir hinaus auf die Straße und versuchen wir, einen ganz gewöhnlichen Tag im damaligen Schomberg zu erleben. Schauen wir, wo man Brot, Milch und Fleisch kaufte, wohin man mit Zahnschmerzen ging, wo die Kinder spielten, wie man sich durch den Ort bewegte und wo sich die Einwohner am Abend trafen.

Es wird nicht die Geschichte eines einzelnen Menschen sein. Es ist eine Rekonstruktion, zusammengesetzt aus Dutzenden kleiner Hinweise, die in Adressbüchern, Dokumenten und Erinnerungen ehemaliger Einwohner erhalten geblieben sind.

Das Jahr 1927 bildet dabei unseren Bezugspunkt. Manche Einzelheiten über Preise, Gewohnheiten oder den Alltag kennen wir jedoch aus später niedergeschriebenen Erinnerungen an die 1920er und frühen 1930er Jahre. Wir wollen also nicht so tun, als hätte sich alles genau an ein und demselben Tag ereignet.

Uns interessiert etwas viel Einfacheres: Wie sah der Alltag im Schomberg der Vorkriegszeit aus?

Inhaltsverzeichnis
Schomberg und Umgebung 1927 mit eingezeichneter deutsch-polnischer Grenze
Schomberg und Umgebung im November 1927. Zeitgenössisch gestaltete Bearbeitung auf Grundlage eines amtlichen Plans des Stadtvermessungsamtes Beuthen O/S. Deutlich zu erkennen ist die deutsch-polnische Staatsgrenze.

1. Schomberg ist längst ein anderer Ort

Noch hundert Jahre zuvor war Schomberg ein kleines Dorf. 1927 aber wird das Leben längst vor allem vom Rhythmus der Industrie bestimmt.

Zwei Jahre zuvor, am 1. Oktober 1925, wurde der Gutsbezirk mit der Hohenzollerngrube in die Gemeinde eingegliedert. Nach der Vereinigung von Gemeinde und Gut lebten hier bereits mehr als achttausend Menschen.

Auf den Straßen begegnet man weiterhin Pferdefuhrwerken und Karren. Der Sattler hat noch alle Hände voll zu tun, Bäcker fahren ihre Waren aus, und auch Kohle wird mit Pferdewagen zu den Häusern gebracht.

Gleichzeitig benutzen die Einwohner bereits Straßenbahnen, Telefone und elektrischen Strom. Bauunternehmen arbeiten mit Eisenbeton, und auf den Straßen tauchen die ersten Automobile auf.

Die alte und die neue Welt existieren nebeneinander.

Beuthenerstraße im alten Schomberg mit Godulla-Schloss und Kraftwerk im Hintergrund
Beuthenerstraße, heute ul. Zabrzańska. Rechts im Vordergrund ist das Schloss von Karl Godulla zu sehen, dahinter die Bebauung Schombergs und am Horizont die charakteristische Silhouette des Kraftwerks.

2. Am Morgen. Die Grube bestimmt den Takt des Tages

Eine Erzählung über Schomberg kann kaum beginnen, ohne die Hohenzollerngrube zu erwähnen. Sie gab dem Alltag des Ortes seinen Rhythmus: Sie bestimmte Arbeitszeiten, Tagesabläufe und den Lebensunterhalt hunderter Familien.

Die Grube war der größte Arbeitgeber Schombergs. Nach späteren Erinnerungen von Siegfried Kowollik sollen dort sogar 97 Prozent der erwachsenen einheimischen Männer gearbeitet haben. Diese Zahl ist als Erinnerung eines früheren Bewohners zu verstehen, doch sie zeigt sehr deutlich, wie stark die ganze Gemeinde vom Bergbau geprägt war.

Bergleute unter Tage in der Hohenzollerngrube in Schomberg
Bergleute unter Tage in der Hohenzollerngrube. Eine solche Arbeit bestimmte den Tagesrhythmus im Schomberg der Vorkriegszeit und sicherte vielen einheimischen Familien den Lebensunterhalt.

In Quellen aus dem Jahr 1927 erscheinen die Namen der Männer an der Spitze des Betriebs: Direktor Hübner sowie Janik und Fromlowitz. In der Nähe arbeitet außerdem das Kraftwerk, dessen Direktor Hilger und dessen Betriebsleiter Ingenieur Kober ist. Die großen Industriebetriebe bildeten in Schomberg ein enges Geflecht, von dem der Alltag der Einwohner abhing.

Die Grube beschäftigte einen großen Teil der einheimischen Männer und versorgte Bergarbeiterfamilien mit Kohledeputat. Das in den großen Betrieben verdiente Geld floss später in die örtlichen Geschäfte, Bäckereien, Werkstätten und Gasthäuser zurück und hielt damit auch das übrige Wirtschaftsleben des Ortes in Gang.

Kohle blieb auch nach Schichtende Teil des Alltags. Bergleute erhielten sie als Deputat; andere Einwohner konnten Brennstoff kaufen und sich liefern lassen. Nach Erinnerungen von Anton Rzyla wurde die Kohle mit einem Pferdewagen ausgefahren: Eine Fuhre von 20 Zentnern soll acht Mark gekostet haben, hinzu kamen zwei Mark für den Transport.

Wer sich ausführlicher für die Geschichte des Betriebs interessiert, findet dazu einen eigenen Beitrag: KWK Szombierki / Hohenzollerngrube – Geschichte des Bergwerks.

3. Am Morgen muss Brot auf den Tisch

Gehen wir zur Beuthenerstraße, der heutigen ul. Zabrzańska.

Das Adressbuch von 1927 lässt uns beinahe in die einzelnen Läden hineinschauen.

Unter Nummer 5 befindet sich das Fleischgeschäft Gebauer, unter Nummer 12 das Kolonialwarengeschäft Straube. August Piechatzek führt unter Nummer 13 Maler- und Dekorationsarbeiten aus und fertigt Schilder an, während Josef Gorski unter Nummer 16 Milchprodukte verkauft.

Unter Nummer 37 befindet sich die Bäckerei von Josef Bursig.

Diese Adresse hat für mich auch eine familiäre Bedeutung. Josef Pius Bursig war mit Elisabeth, geborene Flatzek, verheiratet — einer Schwester meines Urgroßvaters Wincenty Flaczek. Der Bäcker von der Beuthenerstraße 37 war damit sein Schwager.

Bäckerei Josef Bursig, Beuthenerstraße 37 in Schomberg
Beuthenerstraße 37 — Bäckerei Josef Bursig. Daneben ist ein benachbartes Lokal mit der Bezeichnung „Gasthaus“ zu sehen. Spätere Quellen nennen unter Nummer 38 das Gasthaus Grisko, das spätere „Deutsche Haus“. Die Zeichnung zeigt somit die beiden benachbarten Lokale.

Bursig war nicht der einzige Bäcker im Ort.

An der Orzegowerstraße arbeitete Anton Juraschek, an der Verbindungsstraße Franz Oblong und an der Wilhelmstraße Karl Matzkowski. In späteren Jahren übernahm nach dem Tod Jurascheks auch Theo Flatzek dessen Bäckerei.

Den Namen Oblong können wir heute dank einer erhaltenen Fotografie zweifelsfrei lesen. Über dem Eingang des Geschäfts steht in großen Buchstaben:

„Brot-Weiss-Fein-Bäckerei Franz Oblong“.

Bäckerei Franz Oblong in Schomberg mit dem Schild Brot-Weiss-Fein-Bäckerei Franz Oblong
Bäckerei Franz Oblong in Schomberg. Über dem Eingang ist das Schild „Brot-Weiss-Fein-Bäckerei Franz Oblong“ zu sehen.

Spätere Erinnerungen haben sogar den Preis einer gewöhnlichen Semmel bewahrt: Sie soll 5 Pfennig gekostet haben.

Innenraum der Bäckerei Franz Oblong in Schomberg beim Backen
Innenraum der Bäckerei Franz Oblong in Schomberg. Ganz rechts steht der Inhaber Franz Oblong. Am Ofen ist die Arbeit in vollem Gange — gerade wird ein schlesischer Streuselkuchen, ein Kołocz, herausgenommen.

4. Bäcker Matzkowski und sein Pony Max

Mit der Bäckerei von Karl Matzkowski verbindet sich eines jener kleinen Details, die man in einem amtlichen Adressbuch vergeblich sucht.

Matzkowski soll seine Backwaren persönlich mit einem besonderen Pferdewagen durch Schomberg ausgefahren haben. Den Wagen zog ein kleines Pony namens Max, und für die Lieferung des Brotes wurden 10 Pfennig berechnet.

So lässt sich die morgendliche Wilhelmstraße gut vorstellen: Matzkowskis Brotwagen, Pferdefuhrwerke und Gruppen von Bergleuten, die zur Arbeit gingen oder von der Schicht zurückkehrten.

Gleichzeitig tauchten auf den Straßen bereits Automobile auf.

In der Wilhelmstraße 19 befand sich zuvor das Kolonialwarengeschäft von Maria Walter. Erhalten ist eine Aufnahme des Ladens aus der Zeit um 1915–1925 mit dem großen Schild „M. Walter“. Vor dem Eingang steht die Tochter der Inhaberin, Gertruda Ochmann, geborene Walter.

In späteren Erinnerungen erscheint das Haus als das Haus der „Walterka“ beziehungsweise „Frau Walter“. Frau Walter soll eines der ersten Automobile in Schomberg — möglicherweise ein dreirädriges Motorfahrzeug — unter anderem zur Versorgung ihres Geschäfts genutzt haben.

Kolonialwarengeschäft Maria Walter, Wilhelmstraße 19 in Schomberg
Kolonialwarengeschäft Maria Walter in der Wilhelmstraße 19, etwa 1915–1925. Vor dem Eingang steht die Tochter der Inhaberin, Gertruda Ochmann, geborene Walter.

Pferdegespann und Automobil begegneten sich also auf denselben Straßen. Schomberg am Ende der 1920er Jahre stand genau zwischen diesen beiden Welten.

5. Die Kinder machen sich auf den Weg zur Schule

1927 besitzt Schomberg zwei große Volksschulen — eine für Jungen und eine für Mädchen. Die Knabenschule leitet Paul Franzke, die Mädchenschule Zmieschkol. In den Quellen erscheinen außerdem Pietsch und Schweter. Daneben gibt es eine Berufsschule für angehende Bergleute sowie Fortbildungsunterricht für Handel und Handwerk.

Die älteste Graue Schule stammte noch aus dem 19. Jahrhundert. Ihren Namen verdankte sie dem grauen Putz. Zu Beginn der 1920er Jahre verfügte sie über vier Klassenräume, von denen einer auch für praktische Übungen genutzt wurde.

Graue Schule, ehemalige Knabenschule in Schomberg
Graue Schule — die ehemalige Knabenschule in Schomberg. Das Gebäude der früheren Volksschule steht bis heute an der ul. Zabrzańska 85 in Bytom.

Aus dem Jahr 1927 ist außerdem eine Aufnahme einer Klasse der Knabenvolksschule mit Konrektor Pietsch erhalten. Dank der Bildbeschriftung kennen wir die Namen vieler Schüler: Buchta, Schubert, Purgoll, Matuschowitz, Skowronek, Gabrysch, Kraiczyk, Heiduk, Kalka, Pfeiffer, Gawlik, Pollok, Duda und viele andere.

Heute sehen wir in ihnen Schüler aus einer weit entfernten Epoche.

Damals gingen sie einfach morgens zur Schule.

Schüler der Knabenvolksschule in Schomberg
Schüler der Knabenvolksschule in Schomberg. Innenansicht eines Klassenraums der damaligen Knabenvolksschule.

6. Wilhelmstraße — Handel und Alltagswege

Vor Mittag werfen wir einen Blick in die Wilhelmstraße, die heutige ul. Witosa.

Das Adressbuch von 1927 zeigt sie als eine der geschäftigsten Einkaufsstraßen Schombergs.

Unter Nummer 4 führt Viktor Kempa ein Geschäft. Unter Nummer 5 arbeitet Fleischer Wittkowski. Unter Nummer 7 handelt Franz Rzyla mit Fahrzeugen.

Unter Nummer 8 befindet sich das Gasthaus von Karl Schyska — dorthin kehren wir am Abend noch zurück.

Weiter finden wir Matzkowskis Bäckerei, Kluziks Lokal, das Unternehmen von Paul Kowolik, die Geschäfte von Heer und Ledwig, einen Buchverkauf, Fleischer, einen Friseur und weitere Betriebe der Familie Rzyla.

Bei Ledwig kann man anschreiben lassen

In der Wilhelmstraße 20 stand das große Mietshaus von Blasius Ledwig. Nach Erinnerungen lebten darin zwölf Familien.

Das Lebensmittelgeschäft führte Marie Ledwig, unterstützt von ihren Töchtern Else, Magdalena und Marie.

Bergleute kauften dort auch auf Pump — sie ließen anschreiben und bezahlten erst nach dem nächsten Zahltag.

Der Handel beruhte zu einem großen Teil auf persönlicher Bekanntschaft und Vertrauen. Die Rechnung konnte später beglichen werden.

Im selben Haus lebten unter anderem der Schuhmacher Johann Morawietz mit seiner Familie, der Gerichtsangestellte Max Bernard, der Versicherungsagent Wlodarczyk und der Kellner Kompalla.

Ein Wäschekorb und 15 Pfennig

Alltagsgeschichte besteht nicht nur aus dem Leben der Grube und des Rathauses. Dazu gehören auch ganz gewöhnliche Pflichten: Wäsche waschen, schwere Körbe tragen, die Wäsche trocknen und mangeln.

Im Hof der Ledwigs konnten die Bewohner eine handbetriebene Wäschemangel benutzen. Das Mangeln eines vollen Wäschekorbs soll 15 Pfennig gekostet haben. Eine zweite Mangel stand neben Griskos Milchgeschäft.

Heute mag ein solches Detail nebensächlich erscheinen. Damals gehörte es einfach zum normalen Wochenablauf vieler Schomberger Familien.

7. Was gibt es heute zu Mittag?

Fleisch konnte man unter anderem bei Gebauer an der Beuthenerstraße sowie bei mehreren Fleischern an der Wilhelmstraße kaufen. Gemüse verkaufte Drescher, Milchprodukte bot Gorski an.

Pferdewagen bei der Milchauslieferung auf der Wilhelmstraße in Schomberg
Milchauslieferung auf der Wilhelmstraße, heute ul. Witosa. Der Pferdewagen der Milchversorgung zeigt, wie Waren noch zu Beginn der 1930er Jahre direkt durch die Straßen Schombergs ausgefahren wurden.

Spätere Erinnerungen beschreiben das Geschäft von Maria Drescher genauer. Sie führte es in ihrer eigenen Wohnung. Neben Gemüse gab es dort Milch, Süßigkeiten und Fisch — Heringe, Sprotten und Bücklinge.

Ein Liter Milch bei Grisko soll 21 Pfennig gekostet haben; ein Ring der beliebten „Oppelner“ Wurst wurde mit 60 Pfennig erinnert.

Nicht jede Familie konnte sich jedoch regelmäßig Fleisch leisten.

In der örtlichen Erinnerung blieb Georg Gebauer erhalten, der armen kinderreichen Familien geholfen haben soll, indem er kostenlos Wurstsuppe ausgab, manchmal zusammen mit Krupnioki und Żymloki — schlesischen Blut- und Semmelwürsten.

Für eine ärmere kinderreiche Familie war das eine sehr konkrete Hilfe — die Möglichkeit, alle Familienmitglieder satt zu bekommen.

8. Arzt, Sattler, Automobil — Schomberg im Wandel

Wenn uns ein Zahn schmerzt, müssen wir nicht nach Beuthen fahren.

In der Beuthenerstraße 19 führt M. Janik eine Zahnarztpraxis. Dr. August Scholz empfängt unter Nummer 48.

In Schomberg arbeiten außerdem Hebammen, es gibt die Theresien-Apotheke, eine Krankenkasse, Säuglingsfürsorge und Hilfe für Kranke.

Schomberg war längst kein Dorf mehr, dessen Einwohner wegen jeder wichtigeren Angelegenheit nach Beuthen fahren mussten.

Ein paar Straßen weiter arbeitet weiterhin Sattler Baron — ein Handwerker, der überall dort gebraucht wird, wo Pferde und Wagen noch die Grundlage des Verkehrs bilden.

Gleichzeitig führt Richard Pauly in der Feldstraße 14 ein Unternehmen für Hochbau, Tiefbau und Eisenbetonbau.

Noch muss Pferdegeschirr repariert werden, während nur wenige Straßen weiter bereits mit Eisenbeton gebaut wird.

9. Mit der Straßenbahn zur Grenze

Auf den Straßen hört man auch die Straßenbahnen.

Durch Schomberg fuhr die Linie 5 in Richtung Bobrek, Biskupitz und weiter nach Hindenburg.

Noch interessanter war die Strecke der Linie 8. Sie führte über die Godullahütter Straße zur polnischen Godula. Die Straßenbahn passierte den Friedhof, das Vereinshaus, den Sommerschacht und das Zollgebäude — das Zollhaus.

Unterwegs kamen die Fahrgäste auch an der von den Einwohnern „Panienka“ genannten Marienfigur vorbei. Gräfin Johanna Schaffgotsch hatte sie 1864 als persönliches Dankesvotiv stiften lassen.

Weiter fuhr die Straßenbahn fast bis unmittelbar an die Staatsgrenze. Hier endete der deutsche Abschnitt der Strecke. Am Übergang befanden sich Kontrollposten und Zollstellen beider Staaten; auf polnischer Seite sorgte eine Schmalspurbahn für die Weiterfahrt.

Grenzübergang Schomberg–Godullahütte mit Straßenbahn und polnischem Zollamt
Grenzübergang Schomberg–Godullahütte in den Jahren 1922–1939. Links ist das polnische Zollamt zu sehen; von der deutschen Seite führte die Godullahütter Straße — heute ul. Frycza-Modrzewskiego — bis an die Grenze.

Der wichtigste Übergang in Richtung Godullahütte soll von 6.00 bis 19.00 Uhr geöffnet gewesen sein; der Übergang an der Orzegowerstraße wurde 1925 geschlossen.

Nach der Teilung Oberschlesiens wurden alte familiäre, wirtschaftliche und berufliche Wege von einer Staatsgrenze durchschnitten. Auf der einen Seite blieben das deutsche Schomberg und Beuthen, auf der anderen lagen unter anderem Godula, Orzegów, Chebzie, Lipiny und Chropaczów.

Genau hier verbindet sich die Geschichte Schombergs unmittelbar mit meiner eigenen Familiengeschichte.

Mein Urgroßvater Wincenty Flaczek wurde in Schomberg geboren, verband sein späteres Leben jedoch mit dem polnischen Teil Oberschlesiens. Im Jahr 1927 war er Beamter der polnischen Zollwache Straż Celna. Später arbeitete er im Zollamt Chebzie und von 1932 bis August 1939 als älterer Zollaufseher im Zollamt Godula.

Deutsches Zollhaus am Grenzübergang Schomberg–Godullahütte
Deutsches Zollhaus am Grenzübergang Schomberg–Godullahütte. In diesem Grenzraum spielte sich der tägliche Zolldienst ab, mit dem auch Wincenty Flaczek beruflich verbunden war.

Für Wincenty war die Grenze also nicht nur ein Hindernis auf dem Weg in seinen Heimatort — sie war zugleich Teil seines täglichen Dienstes.

Sie wurde zu seinem Beruf.

Spätere Erinnerungen der Einwohner berichten außerdem von Schmugglern im Bereich des Sommerschachts. Auch das gehörte zum Leben an der Grenze — wenn auch zu dessen deutlich weniger offizieller Seite.

10. Nach der Schule: Sportplätze, Teiche und „hinter den Bergen“

Nach dem Unterricht hatten Kinder und Jugendliche ihre eigenen Orte.

Das Gelände zwischen Godullahütter Straße und Orzegower Straße wurde „hinter den Bergen“ genannt. Nach Erinnerungen war es ein beliebter Spielplatz der örtlichen Jugend. In der Umgebung lagen außerdem Sportplätze, ein Schulgarten sowie zahlreiche Teiche und kleinere Wasserflächen.

Gerade im Jahr 1927 entstand außerdem die DJK Hertha Schomberg. Später unterhielt der Verein Fußballmannschaften für Erwachsene und Jugendliche, Tischtennis, Schach, Radsport, Theater sowie einen eigenen Spielmannszug.

Der Sport in Schomberg begann also keineswegs erst mit den späteren Erfolgen von Szombierki Bytom. Schon viel früher existierte eine ganze Welt lokaler Vereine, Sportplätze und Verbände.

Und wenn ein Kind ein paar Pfennig in der Tasche hatte, führen uns spätere Erinnerungen noch zu Kluzik, bei dem man Eis und Getränke kaufen konnte.

Friseur, Bücher und letzte Besorgungen

Bevor der Abend beginnt, kann man noch zum Friseur gehen. An der Beuthenerstraße arbeitet Josef Welzel, und in der Wilhelmstraße 29 führt Josef Haiduk seinen Salon.

Friseursalon Josef Haiduk, Wilhelmstraße 29 in Schomberg
Friseursalon Josef Haiduk in der Wilhelmstraße 29 — heute ul. Witosa 13. Vor dem Eingang steht der Friseurlehrling Max Purgol.

In der Wilhelmstraße 21 konnte man Bücher kaufen; spätere Erinnerungen erwähnen außerdem Czais Papierwarengeschäft, das der Schomberger Schuljugend gut bekannt war.

Langsam geht der Arbeitstag zu Ende.

11. Am Abend geht es zu Schyska

Wir kehren in die Wilhelmstraße zurück.

Unter Nummer 8 befindet sich das Gasthaus von Karl Schyska. Das Adressbuch von 1927 bestätigt seine Existenz, und spätere Erinnerungen zeigen, dass es zu den wichtigen Treffpunkten des gesellschaftlichen Lebens im Ort gehörte.

Gasthaus Karl Schyska, Wilhelmstraße 8 in Schomberg
Gasthaus Karl Schyska in der Wilhelmstraße 8 — an der Ecke der heutigen Straßen Witosa und Skromna. Hier konzentrierte sich ein Teil des abendlichen gesellschaftlichen Lebens im alten Schomberg.

Im ersten Stock befand sich ein Tanzsaal. Dort wurden unter anderem Feiern zur Barbarafeier, der schlesischen Barbórka, sowie zum 1. Mai veranstaltet. Auch die örtlichen Schachspieler trafen sich hier.

Schyska war selbstverständlich nicht der einzige Gastwirt im Ort. An der Beuthenerstraße führte Julius Cygan ein Café, außerdem gab es Griskos Restaurant und Kluziks Lokal.

Doch heute bleiben wir genau hier.

Nach der Schicht war Zeit für ein Bier, ein Glas Hochprozentiges und ein Treffen mit Bekannten. In den Erinnerungen ehemaliger Einwohner blieb sogar der Name eines beliebten, preiswerten Getränks erhalten, das in den Schomberger Gasthäusern ausgeschenkt wurde — Kutscherkorn.

Und diesmal müssen wir uns die Szene nicht einmal vorstellen.

Erhalten ist eine Aufnahme aus Schyskas Gasthaus von 1928 oder 1929 — also nur ein oder zwei Jahre nach unserem gedanklichen Spaziergang. An einem Tisch sitzen Menschen, deren Namen uns bereits in der Geschichte des Schomberger Handels begegnet sind: die Fleischermeister Mroß und Georg Gebauer, Peter Rzyla und weitere Einwohner. Dahinter steht der Wirt selbst, Karl Schyska.

Stammtisch im Gasthaus Karl Schyska, Wilhelmstraße 8 in Schomberg, 1928 oder 1929
Stammtisch im Gasthaus Karl Schyska in der Wilhelmstraße 8, 1928/29. Unter den Abgebildeten befinden sich unter anderem die Fleischermeister Mroß und Georg Gebauer sowie Peter Rzyla; hinten steht der Wirt Karl Schyska.

Im ursprünglichen Bildtext heißt es über die Erinnerungen ehemaliger Schomberger Bergleute:

„manchmal recht ‚beschwipste‘ Stunden“

so heißt es im ursprünglichen Bildtext.

Ein besseres Ende für unseren Tag lässt sich kaum finden.

Bei Bier, Gesprächen nach der Schicht, vielleicht einer Partie Schach — und, wenn gerade gefeiert wurde, auch bei Musik und Tanz.

Draußen auf der Wilhelmstraße herrscht noch Bewegung. Ein paar Straßen weiter beginnen die Bäcker bereits mit der Arbeit für den nächsten Morgen.

Morgen beginnt alles von vorn.

12. Ein ganz gewöhnlicher Tag

Natürlich hat sich genau dieser Tag so nie abgespielt.

Wir wissen nicht, ob Matzkowskis Wagen an demselben Morgen an einer bestimmten Gruppe von Kindern auf dem Schulweg vorbeifuhr oder ob am Abend bei Schyska tatsächlich eine Partie Schach gespielt wurde.

Aber die Orte, die Menschen und die beschriebenen Betriebe sind real.

Das Adressbuch von 1927 zeigt uns, wo Bäcker, Fleischer, Kaufleute, Gastwirte, Ärzte, Hebammen und Handwerker tätig waren.

Die Erinnerungen ehemaliger Einwohner fügen all das hinzu, was in einer amtlichen Liste niemals gestanden hätte: die Semmel für fünf Pfennig, das Pony Max, Einkäufe auf Pump, das Mangeln eines Wäschekorbs für 15 Pfennig, Eis für die Kinder, das Automobil der „Frau Walter“ oder die Hilfe eines Fleischers für arme Familien.

Durch solche Kleinigkeiten wird das alte Schomberg mehr als nur eine Sammlung von Daten, Namen und Schwarzweißfotografien.

Es war ein Ort, an dem die Menschen morgens zur Schicht gingen, die Kinder zur Schule, jemand bei Bursig Brot kaufte, jemand einen Wäschekorb zur Mangel brachte, jemand mit der Straßenbahn in Richtung Grenze fuhr und sich am Abend mit Bekannten bei Schyska traf.

Es war eine kleine, aber erstaunlich dichte Welt, in der sich ein großer Teil des täglichen Lebens auf nur wenigen Straßen abspielte.

Und vielleicht ist es gerade deshalb, fast hundert Jahre später, noch immer so spannend, durch das alte Schomberg zu spazieren — auch wenn uns heute vor allem alte Karten, Fotografien, Adressbücher und die Erinnerungen seiner Bewohner den Weg weisen.

Quellen und Literatur

Wichtigste Quellen:

  • Beuthen in Oberschlesien, Plan des Stadtvermessungsamtes Beuthen O/S., November 1927, Maßstab 1:8000.
  • Adressbuch von Beuthen und Umgebung aus dem Jahr 1927 — Verzeichnisse der Einwohner, Betriebe, Behörden und Dienstleistungen für Schomberg.
  • Siegfried Kowollik, Erinnerungen an Schomberg — Erinnerungen, veröffentlicht im „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“; wichtige Quelle für Angaben zum Alltag, zu Preisen, Geschäften, Verkehr, Gasthäusern und örtlichen Gewohnheiten. Dieses Material bildet einen wesentlichen Teil der heutigen Wissenssammlung zu Schomberg.
  • Bildmaterial und Bildunterschriften aus der Reihe „Schomberger Bilderbogen“ sowie Fotografien ehemaliger Einwohner, veröffentlicht im „Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt“.
  • Genealogische Familienunterlagen Flatzek / Flaczek / Bursig, darunter die Familienkarte zu Josef Pius Bursig und erhaltene Familienfotografien.
  • Szombierki_Baza_Wiedzy — interne Quellensammlung für flaczek.com, zusammengestellt auf Grundlage von Adressbüchern, Pressequellen, Heimatblättern und weiteren Materialien zum Schomberg der Vorkriegszeit.
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