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Biografien

Günther Jendryschik i Schamberger Wörterbogen – język dawnych Szombierek

Günther Jendryschik – „Schamberger Wörterbogen“. Kindheit im Grenzland und die Sprache des alten Schomberg

Schamberger Wörterbogen · 1987

Wodzonka, Haschok, Maschlonka, Utopletz, Boikes. Auf den ersten Blick können diese Wörter aus den Aufzeichnungen eines ehemaligen Schombergers fremd wirken. Liest man sie jedoch mit schlesischem Klang, treten hinter der deutschen Schreibweise vertraute Formen hervor: wodzionka, hasiok, maślonka, utoplec und bojki. Und plötzlich klingt vieles wieder erstaunlich vertraut.

Wodzonka→wodzionka Haschok→hasiok Maschlonka→maślonka Utopletz→utoplec Boikes→bojki

Der Verfasser dieses ungewöhnlichen kleinen Wörterbuchs war Günther Jendryschik (1925–1995), ein gebürtiger Schomberger. Im November 1987 veröffentlichte er im „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt“ seinen augenzwinkernd betitelten Text „Schamberger Wörterbogen“.

Jendryschik wollte kein wissenschaftliches Wörterbuch verfassen. Er schrieb die Sprache seiner eigenen Kindheit nieder, so wie sie ihm nach Jahrzehnten in Erinnerung geblieben war. Und diese Kindheit spielte sich tatsächlich in einem zweisprachigen Umfeld ab. Bereits 1975 bezeichnete er gemeinsam mit Siegfried Kowollik Schomberg rückblickend als „Zweisprachengebiet“ und erinnerte daran, dass außerhalb der Schule sehr viel Polnisch gesprochen wurde.

Die Sprache des alten Schomberg lässt sich deshalb nur schwer in starre Lehrbuchkategorien pressen. Lokale, slawische und deutsche Elemente gingen im Alltag selbstverständlich ineinander über. Mitunter erhielt sogar ein slawischer Wortstamm eine deutsche Endung. Ein gutes Beispiel sind die örtlichen bojki, also Geschichten und Schwänke, die Jendryschik als „Boikes“ notierte.

Inhaltsverzeichnis

Hof, Haus und Kindheit

Auf dem Hof befand sich der Hasiok, manchmal auch ein Misthaufen. Jendryschik schreibt ohne Umschweife, dass es dabei an entsprechendem Geruch nicht mangelte. Die Fußböden wurden mit einem Lappen gewischt, und zum Ausrollen des Teigs diente die Nudelkula. Die Ryczka war ein niedriger Schemel oder Fußtritt; in einem der örtlichen Scherze reichte sie sogar als „Reisemittel“ – höchstens mit der Ryczka unters Bett.

Im Haus lief man in Papucie oder Lacie herum, und die kleinsten Kinder trugen mitunter so kurze Hemden, dass der Pępek zu sehen war. Für Disziplin sorgten die Eltern: Väter griffen zum Gürtel, Mütter eher zum Hausschuh. Temperamentvolle Jungen hießen etwa Schuß; aus dem kleinen Hoppek wurde später vielleicht ein Gupielok oder Chachar, der mit anderen Chacharen auf der Straße unterwegs war. Ein kleines Mädchen war eine Dziewka, manchmal liebevoll ein Kocik, später eine Dziewa. Und wenn am Morgen ein Säugling lautstark weinte, konnte er kurzerhand zum Budzik werden.

Schicht und Sonntagskleidung

Für viele Väter bestimmte die Schicht auf der Grube den Tagesrhythmus. Sie trugen meist einen Schnurrbart und rasierten den Bart mit der Brzitfa. Im Winter kam auf dem Weg zur Arbeit die Baranienka auf den Kopf, über der Schulter hing die Torba. Darin lagen eine Schnitte Brot mit Spirka und häufig auch eine Plaskówka, eine flache Flasche. In der Pfeife rauchte man Pressowka, während die Jüngeren sich eher einen Skrent drehten. Die Eleganz war dem Sonntag vorbehalten: Die Väter holten Schlips und Kraglik hervor, die Großväter trugen ein Vorhengla – einen steifen, festlichen Hemdbrust-Einsatz – und gingen so zur Kirche. Ältere Frauen banden sich die Hustka, jüngere trugen Ketzki und Spodnitze.

Der Geschmack des alten Schomberg

Jendryschik erinnert an eine ganze Reihe von Speisen, deren Namen zum damaligen Alltag gehörten: Wodzionka, Ścierka, Smażonka, Karminadle, Krupnioki, Żymloki, Hekele, Placki, Maślonka, Kluski, Modra Kapusta, Krolik, Makówki, Moczka, Pierniki und Kakauszale. Frische, noch warme Krupnioki und Żymloki kaufte man in Beuthen bei „Dingetal“, wie Jendryschik den Namen erinnerte. Beuthener Quellen belegen tatsächlich den Familiennamen Dingethal, auch im Fleischerhandwerk.

Dominium und Kinderstreifzüge

Bei seinen Erinnerungen an das Essen verwendet Jendryschik an einer Stelle ein schlichtes Wort: Bieda – Armut. Freitags gingen die Kinder zur Molkerei im Dominium, um Maślonka zu holen. Auf die großen Felder des Gutes zog man außerdem, um Mlecze für die Kaninchen zu sammeln. Dabei war Aufmerksamkeit gefragt, denn jederzeit konnte der berittene Aufseher Pitarek auftauchen. Dann galt es, den Zaun zu erreichen, bevor der Reiter die kleinen Eindringlinge einholte.

Jendryschik erinnert sich außerdem daran, dass man im Winter kaschelte. Das schlesisch-deutsche Verb bezeichnet das Gleiten oder Rutschen auf dem Eis. Fehlte die Ausrüstung, dienten Bretter einer alten Betzka als Skier. Heute würde man im Raum Beuthen für ein Ausrutschen vielleicht eher klojznąć oder klojzdnąć sagen; eine gemeinsame Etymologie dieser Wörter ist damit jedoch nicht behauptet.

Orte und Menschen

Das Schomberg der Vorkriegszeit bestand in der Erinnerung aus einem dichten Netz von Orten und Menschen, zu denen man einfach „ging“. Man traf sich an der Panienka oder am Transformator beim Haus von Dr. Scholz. Semmeln holte man bei Bursig oder Mazkowski, Krakauer oder Oppler bei Kowollik oder Urbainczyk. Auf ein Bier ging man zu Schyska oder Bialas. Bei Pokladnik bekam man Salmiakpastillen durch das Küchenfenster, und nach der Kirche kaufte man bei Koston Kokosflocken. Jendryschik nennt außerdem Menschen, die ihm im Gedächtnis geblieben waren: die dicke Walterka, den alten Kotzybik, den kleinen Kapelonek, Lehrer Bautek und Fleischbeschauer Wenzel.

Bojki am Żeleźniok

Die langen Winterabende verbrachte man am warmen Żeleźniok. Wenn in den Häusern die Karbidka brannte, wurden Bojki erzählt. In diesen örtlichen Geschichten erschienen Utopletz und Smora, ebenso der aus dem Bergmannsbrauchtum bekannte Skarbnik. Jendryschik erinnert auch an eine Schomberger Erzählung über den alten Karol Godula: Nachts sollte der mächtige Industrielle mit seiner Kutsche durch die leeren Straßen Schombergs fahren, während die Pferde anstelle ihrer Köpfe lodernde Flammen trugen.

Bräuche im Jahreslauf

Der Jahreslauf war von festen Bräuchen geprägt. Um Neujahr zog die Kollende durch die Häuser, an Dreikönig gingen verkleidete Kinder singend von Haus zu Haus. Der Ostermontag konnte so ausgiebig begossen werden, dass Mädchen und Frauen ihre nassen Ketzki und Spodnitze mehrmals am Tag wechselten und auswrangen. Im Juni gab es auf dem Sportplatz das Johannisfeuer und auch den Rummel. Ein kleines Kinderkarussell wurde noch von älteren Jungen mit Muskelkraft angetrieben. Die Regel lautete: „dreimal drücken – einmal fahren“. Im Herbst ließ man selbst gebaute Drachen steigen und verbrannte sich beim Kartoffelfeuer die Finger; zu Allerheiligen passierte Ähnliches beim Anzünden der Kerzen auf dem Friedhof.

„dreimal drücken – einmal fahren“

Für die Bergleute war die Barbórka ein besonderer Tag: Es gab Freibier, Wurst und Semmeln. Jendryschik fügt mit trockenem Humor hinzu, dass danach auch zahlreiche Betrunkene auf den Straßen zu sehen waren. Anfang Dezember hingen bei Zaja in der Wilhelmstraße Nikolauslarven im Schaufenster. Für die Kinder war eine volle Tüte vom Nikolaus zweifellos die angenehmere Aussicht als Dresche vom Knecht Ruprecht – oder gar vom gefürchteten Dziobok.

Vom „Wörterbogen“ zum „Schomberger Lexikon“

Jendryschik las seinen „Schamberger Wörterbogen“ bei der Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg in Laubach vor. Laut der Notiz im „Heimatblatt“ sorgte der Text unter den ehemaligen Schombergern für große Heiterkeit und stürmischen Beifall. Damit war die Idee noch nicht beendet: Siegfried Kowollik bat die Leser um weitere „Schomberger Ausdrücke“. Wenn genügend Material zusammenkäme, könne daraus sogar ein „Schomberger Lexikon“ entstehen.

Ob dieses vollständige Lexikon jemals verwirklicht wurde, ist bislang nicht bekannt. Geblieben sind jedenfalls die beiden Seiten Jendryschiks – und erstaunlich viele Wörter, die nach so vielen Jahrzehnten in Beuthen und Szombierki noch immer vertraut klingen.

Quellen und Bibliografie

Hauptquelle

Günther Jendryschik, „Schamberger Wörterbogen“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1987, S. 31–32.

Grundlegende und kontextuelle Quellen

  1. Günther Jendryschik, Siegfried Kowollik, „Ein Schomberger Lehrer feiert seinen 80. Geburtstag!“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 2, Februar 1975, S. 15–16.
  2. Günther Jendryschik, „Zirkus Belli in Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 5, Mai 1978, S. 29–30.
  3. Siegfried Kowollik, „Der Arbeitskreis «Schomberger Heimatgeschichte»“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 4, April 1979, S. 32–33.
  4. Günther Jendryschik, „Das Schrammelorchester in Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 6, Juni 1979.
  5. Siegfried Kowollik, „Schomberger Bilderbogen“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1979, S. 31–33.
  6. „Schomberger Schul- und Harmonikafreunde in Bad Godesberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 7/8, Juli/August 1981, S. 30–33.
  7. Siegfried Kowollik, „Glanzvolle Jubiläumsfeier des 1. Handharmonika-Clubs 1937 Schomberg“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1987, S. 26–30.
  8. „Drei Schomberger Harmonikafreunde“, „Gleiwitzer–Beuthener–Tarnowitzer Heimatblatt“, Nr. 11, November 1990.
  9. FamilySearch Family Tree, Profil: Guenther Jendryschik (1925–1995), ID M819-Y8S.
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Sylwetka Paula Glogera na tle industrialnej zabudowy kopalni. Grafika do artykułu o burmistrzu Szombierek w latach 1937-1939.

Paul Gloger – Bürgermeister von Schomberg am Vorabend des Krieges

Reihe: Gemeinde, Amt, Macht

Paul Gloger — Bürgermeister von Schomberg am Vorabend des Krieges

Deutscher Kommunalbeamter und Bürgermeister des industriell geprägten Schomberg (heute Szombierki) in den Jahren 1937–1939

1890–1983 Königszelt 1933–1937 Schomberg 1937–1939 Klausberg 1939–1945
Paul Gloger, Bürgermeister von Schomberg in den Jahren 1937–1939
Paul Gloger (1890–1983), Bürgermeister von Schomberg in den Jahren 1937–1939. Digitale Rekonstruktion des Porträts auf Grundlage einer Archivfotografie.

Die Geschichte von Schomberg, dem heutigen Szombierki, ist nicht nur die Geschichte von Gruben, Hütten und dem Schaffgotsch-Konzern. Sie ist zugleich die Geschichte einer Gemeindeverwaltung, die das Leben eines Ortes organisieren musste, der nahezu vollständig von der Großindustrie geprägt war. Von 1937 bis 1939 stand Paul Gloger an ihrer Spitze — ein erfahrener deutscher Kommunalbeamter, der zuvor in der Verwaltung von Königszelt, dem heutigen Jaworzyna Śląska, tätig gewesen war.

Seine Amtszeit fiel in die letzten Friedensjahre und die ersten Wochen des Krieges. Die erhaltenen Überlieferungen zeigen ihn als routinierten Verwalter, der sich mit Finanzen, kommunalen Streitfällen, Bergschäden und Wohnungsproblemen beschäftigte. Zugleich entwickelte sich seine Laufbahn unter den Bedingungen des nationalsozialistischen Staates — ein Kontext, der weder verschwiegen noch durch ein einfaches Urteil ersetzt werden darf.

Herkunft und erste Erfahrungen

Paul Gloger wurde am 18. August 1890 in Hertwigswalde, dem heutigen Doboszowice im Kreis Ząbkowice, geboren. Er war der Sohn des Landwirts Paul Gloger und dessen Ehefrau Anna, geborene Christoph. Er stammte damit aus einem ländlichen Milieu, doch sein weiterer beruflicher Weg führte ihn schon früh vom elterlichen Hof weg.

Die achtjährige Volksschule schloss er als bester Schüler ab. Später besuchte er landwirtschaftliche Kurse in Breslau und ergänzte seine Kenntnisse mit der Zeit durch finanzwirtschaftliche Studien an der dortigen Universität. Aus den erhaltenen Angaben entsteht das Bild eines Mannes, der Bildung vor allem praktisch einzusetzen wusste: in Buchführung, Kontrolle, Arbeitsorganisation und der Verwaltung öffentlicher Mittel.

Seine Verwaltungslaufbahn begann 1908 als Volontär in der Gemeinde Kohlfurt, dem heutigen Węgliniec. Von 1909 bis 1912 arbeitete er als Assistent in der landwirtschaftlichen Kontrolle in Breslau. Er war damals noch sehr jung, sammelte jedoch bereits Erfahrungen in jenen Bereichen, die später die Grundlage seiner beruflichen Stellung bilden sollten.

Vom Husaren zum Verwaltungsbeamten

1912 wurde Gloger zum 2. Leib-Husaren-Regiment in Danzig-Langfuhr einberufen, einer Formation, die als Teil der „Schwarzen Husaren“ bekannt war. Er wurde zum Unteroffizier befördert. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs versah er jedoch nicht ausschließlich Frontdienst. Er arbeitete im Zahlmeisterbüro des Regiments und erhielt 1915 während seines Einsatzes in Frankreich die Funktion eines Feldzahlmeisters der Reserve.

1918 kehrte er von der Front in der Ukraine zurück. Nach Kriegsende arbeitete er noch in der Intendantur in Breslau; 1919 wurde er aus der Reichswehr entlassen. Die militärischen Erfahrungen machten aus ihm keinen Berufsoffizier. Sie schärften vielmehr das Profil eines Verwaltungsbeamten, der mit Finanzen, Versorgung und der Funktionsweise größerer Organisationen vertraut war.

1922 übernahm er die kaufmännische Leitung einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Münsterberg, dem heutigen Ziębice. Zugleich engagierte er sich in der kommunalen Selbstverwaltung: zunächst als Gemeindevertreter, später als Mitglied des Magistrats. Seit 1929 lebte er in Schweidnitz, dem heutigen Świdnica, wo er ebenfalls in den örtlichen Rat einzog.

Königszelt und der politische Kontext seiner Laufbahn

1933 wurde Paul Gloger zum Amts- und Gemeindevorsteher von Königszelt, dem heutigen Jaworzyna Śląska, berufen. Seit Oktober desselben Jahres amtierte er als Bürgermeister und war formal für zwölf Jahre gewählt. Offizielle Adressbücher verzeichneten ihn als amtierenden Bürgermeister einer Gemeinde mit rund 3.900 Einwohnern.

Er war jedoch kein Verwaltungsbeamter, der außerhalb des politischen Systems seiner Zeit stand. Nach Darstellungen zur Vorkriegsgeschichte von Königszelt gehörte er seit 1930 der NSDAP an und nahm im Januar 1932 an einem dreiwöchigen Parteikurs in München teil. In Königszelt soll er außerdem einen Vortrag über die Aufgaben der Gemeinde im nationalsozialistischen Staat gehalten haben.

Mit genau diesem administrativen, finanziellen und politischen Erfahrungshintergrund wurde er 1937 nach Oberschlesien versetzt. Dort sollte er eine Gemeinde übernehmen, die wesentlich komplexer war als das vergleichsweise kleine Königszelt.

Der Auftrag in Schomberg

Paul Gloger übernahm am 15. Oktober 1937 das Amt des Amtsvorstehers und Bürgermeisters von Schomberg, dem heutigen Szombierki. Nach späteren Erinnerungen wurde er auf Veranlassung des Beuthener Landrats Freiherr von Wangenheim dorthin geholt, um die Lage nach früheren, nach parteipolitischen Kriterien ausgewählten Verwaltungsleitern zu ordnen.

Dieses Bild stammt vor allem aus späteren Erinnerungen Glogers selbst und aus dem Umfeld ehemaliger deutscher Einwohner. Es ist daher mit Vorsicht zu lesen. Es zeigt jedoch, wie sein Auftreten in Schomberg nach dem Krieg erinnert wurde: als Ankunft eines erfahrenen Beamten, der die finanziellen und organisatorischen Probleme der Gemeinde in den Griff bekommen sollte.

Schomberg war keine gewöhnliche Vorortgemeinde. Ihr Funktionieren war eng mit den Gruben und Betrieben der Schaffgotsch-Unternehmen verbunden. Die Gemeindeverwaltung musste ständig mit der Industrie, den Kreisbehörden und dem benachbarten Beuthen verhandeln. Der Bürgermeister leitete also keinen autonomen Organismus, sondern eine Gemeinde, die von den Entscheidungen eines mächtigen Privatkonzerns und von den Folgen des unterirdischen Bergbaus abhängig war.

Eine von der Industrie abhängige Gemeinde

In einer viele Jahre später gehaltenen Rede schätzte Gloger, dass etwa 97 Prozent der Männer in Schomberg im Bergbau arbeiteten und die Abhängigkeit der Gemeinde von den Schaffgotsch-Unternehmen rund 80 Prozent betrug. Selbst wenn man diese Zahlen als erinnerungsbedingte Annäherung versteht, geben sie den Charakter des Ortes gut wieder.

Der Bergbau prägte auch den Raum. Das Risiko von Bergschäden erschwerte die Genehmigung größerer Bauvorhaben. Bei jedem Projekt musste berücksichtigt werden, was unter der Oberfläche geschah: Grubenbaue, Bodensenkungen und die Interessen der Industriebetriebe.

7 Verwaltungsstreitigkeiten, die — nach späterer Darstellung — zugunsten der Gemeinde beendet wurden
70.000 RM Summe, die in einem der wichtigsten Streitfälle von der Stadt Beuthen erlangt worden sein soll
25 Familien Bewohner von Baracken, für die neue Wohnungen außerhalb der Gemeinde ausgehandelt wurden

Zu den am häufigsten genannten Erfolgen Glogers gehörte der Abschluss von sieben Verwaltungsstreitigkeiten. Einer davon soll Schomberg 70.000 Reichsmark von der Stadt Beuthen eingebracht haben. Mit den gewonnenen Mitteln wurden kleinere, aber sichtbare Maßnahmen verbunden: der Umbau der Ortseinfahrt, die Anlage eines Weges im westlichen Teil der Gemeinde und die Ordnung des Parks.

Den deutlichsten sozialen Charakter hatte der Fall von 25 Familien, die unter schlechten Bedingungen in Baracken am Sportplatz lebten. Nach den überlieferten Berichten führte Gloger Gespräche mit der Direktion der Schaffgotsch-Unternehmen und erreichte, dass ihnen neue Wohnungen in einer Nachbargemeinde zur Verfügung gestellt wurden. Es handelte sich nicht um ein großes Wohnungsbauprogramm, sondern um ein Beispiel für einen für seinen Verwaltungsstil typischen Ansatz: ein konkretes Problem durch Verhandlungen mit der Industrie zu lösen.

Die Menschen im Amt und kommunale Angelegenheiten

Verwaltung war nicht das Werk einer einzelnen Person. In Nachkriegsaufstellungen sind die Namen einiger Beamter überliefert, die mit Gloger zusammenarbeiteten. Ihre Namen erinnern daran, dass hinter den Entscheidungen des Bürgermeisters ein Team stand, das das Meldewesen, die Finanzen, die Korrespondenz, wirtschaftliche Angelegenheiten und die tägliche Betreuung der Einwohner organisierte.

Helene ImmischSekretariat des Bürgermeisters
Hans BulkaStandesamt
Konrad KochanowskiLeiter des Hauptbüros
Günter SchyskaGemeindekasse
Rudolf GriskoWirtschaftsabteilung

Gerade in diesem Bereich zeichnen die Quellen das deutlichste Bild von Gloger. Nicht als Urheber großer ideologischer Projekte, sondern als Bürgermeister, der sich mit den Einnahmen der Gemeinde, der Organisation des Amtes, Straßen, Grünanlagen, Wohnungen und den Beziehungen zu Unternehmen befasste. Diese Perspektive ist wichtig, aber unvollständig — sie wurde zu einem erheblichen Teil durch seine eigenen Erinnerungen und durch Nachkriegstexte aus dem Umfeld ehemaliger deutscher Einwohner geprägt.

September 1939

Der Kriegsausbruch versetzte das grenznahe Schomberg in eine völlig neue Lage. Aus späteren Berichten geht hervor, dass der Ort von polnischer Artillerie aus Richtung Godula und aus dem Raum Hubertushütte beschossen wurde. Gloger soll Kontakt zum Militär aufgenommen haben, um Schutz für die Gemeinde und Informationen über die tatsächliche Gefahrenlage zu erhalten.

Gloger erinnerte sich auch an eine historische Haubitze, die als Bestandteil eines Denkmals für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs am Rathaus aufgestellt war. Er vermutete, dass ihr Rohr aus der Luft für eine aktive Feuerstellung gehalten worden sein könnte. Dies war seine eigene Deutung, die sich mit den verfügbaren Materialien nicht überprüfen lässt.

Die bekannteste Erzählung betrifft die Nacht vom 2. auf den 3. September. Unter den Einwohnern soll sich Panik ausgebreitet haben; zugleich sei die Absicht entstanden, in Richtung Miechowice und Maciejkowice zu fliehen. Gloger soll sich gemeinsam mit dem örtlichen Polizeikommandanten zu den Grenzgräben begeben haben und sich dabei stellenweise unter Beschuss bewegt haben, um die Lage selbst zu erkunden. Nach seiner Rückkehr soll er die Einwohner davon überzeugt haben, dass der Gemeinde kein unmittelbarer Infanterieangriff drohe, und so eine chaotische Evakuierung verhindert haben.

Das Entscheidende an dieser Geschichte ist nicht das Bild eines Bürgermeisters „an der Frontlinie“, sondern der Versuch, Informationen zu beschaffen, als Gerüchte und Angst begannen, das Handeln der Verwaltung zu ersetzen.

Heute lassen sich nicht mehr alle Einzelheiten dieser Episode klären. Der Bericht bleibt jedoch ein interessantes Zeugnis dafür, wie Gloger Jahrzehnte später die Rolle eines lokalen Verwaltungsleiters verstand: als die eines Menschen, der auch im Chaos des Krieges Informationen prüfen und Ordnung unter der Zivilbevölkerung aufrechterhalten sollte.

Klausberg und das Kriegsende

Am 15. November 1939 beendete Gloger seine Tätigkeit in Schomberg und übernahm das Bürgermeisteramt in Klausberg, dem heutigen Mikulczyce. Die neue Gemeinde zählte etwa 20.000 Einwohner und war damit deutlich größer als die von ihm zuvor geleitete Gemeinde.

Nachkriegstexte beschrieben ihn als Beamten, der gegenüber dem unmittelbaren Diktat örtlicher Parteistrukturen Distanz gewahrt und sich an Vorgaben staatlicher Aufsichtsbehörden orientiert habe. Diese Charakterisierung ist als Bewertung aus dem Umfeld ehemaliger Einwohner zu behandeln, nicht als Beweis politischer Unabhängigkeit. Gloger blieb Bürgermeister innerhalb der Strukturen des Dritten Reiches.

In Klausberg blieb er bis Januar 1945. Gegen Kriegsende verließ er Schlesien. In Erinnerungsquellen erscheint das Bild seiner Abreise „mit der Panzerfaust in der Hand“. Anschließend meldete er sich zum Militärdienst und kämpfte auf dem Gebiet der Tschechoslowakei. Nach Ende der Kampfhandlungen wurde er von den Amerikanern interniert und blieb bis August 1947 in Internierung.

Nachkriegsjahre und die Erinnerung an Schomberg

Nach seiner Entlassung ließ sich Gloger in Alten-Buseck in Hessen nieder, wo er ein Haus baute. Den Kontakt zum Umfeld ehemaliger Einwohner Oberschlesiens brach er jedoch nicht ab. Auch im hohen Alter beteiligte er sich an Treffen und Initiativen, die der Bewahrung der Erinnerung an das Vorkriegs-Schomberg dienten.

Am 10. und 11. Mai 1975 nahm er am zweiten Klassentreffen in Bonn-Bad Godesberg teil. Dort hielt er eine Rede über die soziale Struktur Schombergs und die Schwierigkeiten bei der Verwaltung der Gemeinde. Er unterstützte das Sammeln von Materialien zur lokalen Geschichte und erklärte, diese Arbeit möglichst sachlich und unpolitisch führen zu wollen. 1978 sandte er den Teilnehmern eines weiteren Treffens Grüße.

Ehemalige Mitarbeiter und Autoren von Erinnerungstexten hoben sein sehr gutes Gedächtnis für Verwaltungs- und Kommunalfragen hervor. S. Kowollik bezeichnete seine Haltung als geradlinig, christlich und humanitär. Dabei handelt es sich jedoch um persönliche Einschätzungen aus einem Milieu, das die Erinnerung an verlorene Heimatorte pflegte. Sie informieren über Glogers Nachkriegsbild, können aber die Analyse seiner amtlichen Tätigkeit während der Zeit des Dritten Reiches nicht ersetzen.

Paul Gloger starb am 26. April 1983 im Alter von 92 Jahren in Alten-Buseck.

Wie ist Paul Gloger einzuordnen?

Paul Gloger lässt sich weder bequem in das Bild eines lokalen Wohltäters einordnen noch auf das vereinfachte Porträt eines anonymen Funktionärs der Diktatur reduzieren. Er war Mitglied der NSDAP und bekleidete seine Ämter im Rahmen einer Laufbahn, die sich im nationalsozialistischen Staat entwickelte. Dieser Umstand darf aus seiner Biografie nicht ausgeblendet werden.

Zugleich zeigen die erhaltenen Materialien konkrete Verwaltungsentscheidungen: geführte Streitverfahren, eingeworbene Mittel, kleinere Investitionen, Wohnungsverhandlungen sowie Maßnahmen in den ersten Kriegstagen. Eine quellennahe Darstellung sollte beide Ebenen gleichzeitig sichtbar machen — die politische Einbindung und die alltägliche Verwaltungspraxis.

Aufgabe dieses Textes ist es weder, Gloger zu rechtfertigen, noch ein Urteil zu fällen, das über die Quellen hinausgeht. Seine Biografie zeigt vielmehr, wie die Verwaltung einer industriell geprägten Gemeinde auf lokaler Ebene funktionierte, wie berufliche Kompetenz mit Loyalität gegenüber dem System zusammenhing und wie nach dem Krieg die Erinnerung an deutsche Beamte des früheren Oberschlesiens geformt wurde.

Paul Gloger — Chronologie

18. August 1890

Geboren in Hertwigswalde, dem heutigen Doboszowice.

1908

Beginn seiner Tätigkeit als Volontär in der Gemeinde Kohlfurt.

1909–1912

Tätigkeit in der landwirtschaftlichen Kontrolle in Breslau.

1912

Einberufung zum 2. Leib-Husaren-Regiment in Danzig-Langfuhr.

1914–1919

Tätigkeit im Zahlmeisterdienst; Einsatz unter anderem in Frankreich und in der Ukraine.

1922

Kaufmännischer Leiter einer landwirtschaftlichen Genossenschaft in Münsterberg und Einstieg in die kommunale Selbstverwaltung.

1930

Nach einer Darstellung zur Geschichte Königszelts war er zu diesem Zeitpunkt bereits Mitglied der NSDAP.

1933

Übernahme eines Amtes in Königszelt und anschließend des Bürgermeisterpostens der Gemeinde.

15. Oktober 1937

Amtsvorsteher und Bürgermeister von Schomberg.

2./3. September 1939

Nach späterer Darstellung Erkundung der Lage am Rand der Gemeinde und Maßnahmen gegen die Panik unter den Einwohnern.

15. November 1939

Übernahme des Bürgermeisteramts in Klausberg, dem heutigen Mikulczyce.

Januar 1945

Verlassen Schlesiens und Meldung zum Militärdienst.

1945–August 1947

Internierung durch die Amerikaner.

10.–11. Mai 1975

Teilnahme an einem Treffen ehemaliger Einwohner in Bonn-Bad Godesberg.

26. April 1983

Tod in Alten-Buseck in Hessen im Alter von 92 Jahren.

Bibliografie und verwendete Quellen

Im Folgenden sind die wichtigsten Quellen zusammengestellt, die für die Rekonstruktion der Biografie Paul Glogers und für diesen Beitrag herangezogen wurden:

Regionalpresse und Heimatpublikationen

  • Gleiwitzer-Beuthener-Tarnowitzer Heimatblatt — Ausgaben aus den Jahren 1975 (Nr. 9 — Bericht über das Klassentreffen in Bonn-Bad Godesberg und die Rede P. Glogers über die soziale Struktur Schombergs), 1977 (Nr. 10), 1978 (Nr. 7/8), 1979 (Nr. 11), 1983 (Nr. 6) sowie 1989 (Nr. 5 — ausführlicher Beitrag von Leonhardt Maniura über den Kriegsausbruch und Glogers Erinnerungen an den September 1939).
  • Der Oberschlesische Wanderer — Ausgaben von 1938 (Nr. 236) und 1939 (Nr. 46).

Offizielle Register und amtliche Adressbücher

  • Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel, Band IV — amtliche Adressverzeichnisse, die unter anderem Glogers Bürgermeisteramt in Königszelt (heute Jaworzyna Śląska) sowie demografische Angaben zur Gemeinde dokumentieren.

Ergänzende Darstellungen und Ortsidentifikation

  • „Königszelt przed II wojną światową“ („Königszelt vor dem Zweiten Weltkrieg“), Teil I und II, Świdnicki Portal Historyczny / SOKiBP — ergänzend herangezogen für Angaben zu Glogers NSDAP-Mitgliedschaft, dem Parteikurs von 1932 und seiner öffentlichen Tätigkeit in Königszelt: Teil I und Teil II.
  • Geschichtliches Ortsverzeichnis, Eintrag „Hertwigswalde, Doboszowice“ — zur Identifikation des heutigen Namens des Geburtsortes: Ortseintrag.
Hinweis zum Charakter der Quellen: Ein erheblicher Teil der Informationen über Glogers Tätigkeit in Schomberg und über die Ereignisse im September 1939 stammt aus Nachkriegserinnerungen und Veröffentlichungen deutscher Heimatkreise. Diese Materialien bewahren wertvolle Namen, Zahlen und lokale Einzelheiten, stellen die Vergangenheit jedoch aus der Perspektive ehemaliger deutscher Einwohner dar. Im Artikel werden deshalb amtliche Angaben von späteren Bewertungen, Anekdoten und Erinnerungserzählungen getrennt.

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Portret inżyniera Carla-Heinza Stephana w sepii z nałożonymi szkicami technicznymi oraz infrastrukturą śląskiej kopalni węgla kamiennego w tle.

Carl-Heinz Stephan – schlesischer Ingenieur des modernen Bergbaus

Carl-Heinz Stephan (1904–1989) – schlesischer Ingenieur des modernen Bergbaus
Industrielle Biografie

Carl-Heinz Stephan

Ein schlesischer Ingenieur, der Zeche, Technik und soziale Verantwortung verband
Porträt von Dr.-Ing. Carl-Heinz Stephan
Dr.-Ing. Carl-Heinz Stephan (1904–1989) – aus Schomberg (Szombierki) stammender Bergbauingenieur, Bergwerksdirektor und späterer Vorstandsvorsitzender der Rheinstahl Bergbau AG.

Carl-Heinz Stephan wurde am 27. November 1904 in Beuthen-Schomberg im Schatten der Fördertürme und Schornsteine eines der wichtigsten Industriegebiete Oberschlesiens geboren. Er wuchs in einer Welt auf, in der die Grube nicht nur ein Arbeitsplatz war. Sie bestimmte den Rhythmus ganzer Stadtteile, organisierte das Familienleben, schuf Siedlungen und prägte den Alltag Tausender Menschen. Genau aus dieser Landschaft nahm er die Überzeugung mit, dass Bergbautechnik nicht losgelöst vom Menschen betrachtet werden kann.

Seine Biografie verbindet zwei Traditionen der schlesischen Moderne. Die erste vertrat sein Vater, Dr. jur. Bernhard Stephan – Jurist, Reichstagsabgeordneter und Pionier der Sozialpolitik in den Gütern der Schaffgotschs. Die zweite schuf Carl-Heinz selbst: als Konstrukteur, Direktor und Industriemanager, der nach einer Konzentration der Förderung, der vollständigen Mechanisierung des Transports und dem Bau von Zechen strebte, die als ein einziger kohärenter technischer Organismus funktionierten.

Sein Weg führte von der Schule in Schomberg über Beuthen, Breslau und Clausthal zu den Zechen in Bobrek und im Klodnitztal, und nach dem Krieg – nach Bottrop und in die Vorstände der großen Unternehmen des Ruhrgebiets. Stephan gehörte zu einer Generation, die ihr heimatliches Schlesien verlor, es aber nie aufhörte, als den wichtigsten Bezugspunkt der eigenen Identität zu betrachten.

Hohenzollerngrube in Beuthen-Schomberg
Hohenzollerngrube in Schomberg – die Industrielandschaft des Ortes, in dem Carl-Heinz Stephan 1904 geboren wurde.

Ein Vater, der Verantwortung lehrte

Bernhard Stephan war Jurist, Reichstagsabgeordneter und einer der Führer der oberschlesischen Katholiken. Ab 1900 fungierte er als Generalbevollmächtigter der Güter der Gräfin Johanna von Schaffgotsch. Er verstand die industrielle Entwicklung umfassender als nur als Steigerung der Förderung und der Gewinne. Er führte Maßnahmen ein, die die Lebensbedingungen der Arbeiter und ihrer Familien verbessern sollten: den Bau von Siedlungen, Wohnbeihilfen, Kinderzulagen und Prämiensysteme.

In die Geschichte ging auch sein Kampf gegen den Alkoholismus ein, dessen Bestandteil der kostenlose Ausschank von Milch war. Bernhard Stephan versuchte auf diese Weise, ein verantwortungsvolleres System der sozialen Fürsorge rund um die Grube zu schaffen. Er starb am 8. August 1914. Carl-Heinz war damals knapp zehn Jahre alt, doch das Erbe des Vaters blieb im familiären Gedächtnis lebendig.

In der späteren Tätigkeit des Sohnes – insbesondere in seinem Engagement für den Wohnungsbau für Vertriebene und Menschen, die mit dem Bergbau verbunden waren – lässt sich derselbe Gedanke erkennen: Ein Unternehmen ist nicht nur für die Produktion verantwortlich, sondern auch für das soziale Umfeld, das durch es existiert.

Von der Schule in Schomberg zum Ingenieurdiplom

Carl-Heinz begann seine Ausbildung an der Volksschule in Schomberg. Er besuchte das Gymnasium in Beuthen und Breslau. Anschließend studierte er an der Bergakademie in Clausthal sowie an der Technischen Hochschule in Breslau. Im Jahr 1928 legte er die Diplom-Hauptprüfung ab und bestätigte damit seine Vorbereitung auf die Arbeit in der anspruchsvollen Welt des Tiefbaus.

Die nächste Etappe war die staatliche Praxis. Als Bergreferendar sammelte er Erfahrungen in den Bergämtern in Breslau und Dortmund. Im Jahr 1932 legte er die große Staatsprüfung ab und wurde zum Bergassessor ernannt. Er verband somit technisches Wissen mit Verwaltungserfahrung und der Kenntnis der Vorschriften, die den Grubenbetrieb regelten.

Schon als junger Ingenieur machte er sich als Erfinder einen Namen. Im Jahr 1929 meldete er ein Patent für einen nachgiebigen Grubenausbau an, das später unter der Nummer DE530813C veröffentlicht wurde. Diese Lösung sollte besser auf den Gebirgsdruck reagieren und zeigte eine Denkweise, die Stephan seine gesamte Karriere über begleitete: Eine Vorrichtung sollte nicht gegen die Bedingungen in der Grube arbeiten, sondern genau an diese angepasst sein.

Im Jahr 1940 verteidigte er in Berlin seine Doktorarbeit mit dem Titel Der Kammerbau mit breitem Blick, ein Beitrag zur Frage der Konzentration beim Abbau der mächtigen Flöze Oberschlesiens. Betreuer der Arbeit war Professor Niemczyk. Thema der Promotion war die Konzentration der Förderung beim Abbau mächtiger oberschlesischer Flöze – ein Problem, mit dem Stephan bereits zuvor in der Grubenpraxis konfrontiert war.

Bobrek – das Bergwerk als Labor der Zukunft

Im Jahr 1932 begann Stephan seine Arbeit in den Betrieben der Gräfin Johanna von Schaffgotsch. Er war zunächst als Direktionsassistent und ab 1935 als vollwertiger Bergwerksdirektor auf der „Gräfin-Johanna-Grube“ in Bobrek tätig. Er wohnte mit seiner Familie auf dem Werksgelände unter der Adresse Bobrek-Karf OS., Johannaschacht.

Seine Frau war Gertrud, geborene Bohnekamp. Das Ehepaar hatte zwei Söhne: Hans-Georg und Michael, der am 13. März 1937 in der Privatklinik von Dr. Schubert in Beuthen geboren wurde. Das Familienleben der Stephans spielte sich somit in unmittelbarer Nähe zu den Schächten, Maschinen und Grubengleisen ab.

Stephan behandelte die Grube wie kommunizierende Röhren. Gewinnung, Ausbau, Transport, Energie und Schachtförderung konnten nicht isoliert voneinander modernisiert werden. Jede Verbesserung ergab erst dann Sinn, wenn sie die Effizienz des gesamten Systems steigerte. In diesem Ansatz ist sowohl sein Patent als auch sein Interesse an Gurtförderern und der Konzentration der Förderung zu sehen.

Technischer Wandel: Von Schüttelrutschen zum kontinuierlichen Transport

In einem Referat vom 14. Februar 1935 verglich Stephan Gurtförderer mit Schüttelrutschen. Die Ergebnisse sprachen für die Förderbänder: Sie ermöglichten eine Verdoppelung der Förderung und verbrauchten deutlich weniger Energie. Eine Versuchsanlage im „Marieflöz 1. Sohle Ostfeld“ war 70 Meter lang und hatte eine Gurtbreite von 650 Millimetern. In 18 Monaten transportierte sie 275.000 Tonnen Haufwerk ohne nennenswerte Störungen.

250–300 Tonnenpro Schicht betrug die praktische Leistungsgrenze von Schüttelrutschen.
275.000 Tonnentransportierte die Versuchsanlage mit Förderband innerhalb von 18 Monaten.
26 kWbenötigte ein Förderband mit einer Länge von 300 Metern.
70 kWverbrauchte eine vergleichbare Anlage aus Schüttelrutschen.

Die höheren Anschaffungskosten des Förderbandes wurden durch Leistung, Zuverlässigkeit und geringeren Energieverbrauch aufgewogen. Für Stephan war der Transport kein bloßer Zusatz zur Förderung. Er wurde zu ihrem Rückgrat.

Berve-Schacht und der Komplex Johanna-Berve

Im April 1938 wurde der von Stephan entworfene Berve-Schacht in Bobrek in Betrieb genommen. Der Einsatz von Skip-Förderanlagen und weitreichender Mechanisierung machte ihn zu einem Symbol für eine neue Etappe in der Entwicklung der Zeche. Es ging nicht mehr um eine einzelne moderne Maschine, sondern um die Unterordnung der Technologie unter ein einziges Ziel: den kontinuierlichen und konzentrierten Fluss des Förderguts.

Im Jahr 1941 übernahm Stephan die Leitung der konsolidierten Betriebseinheit der Johanna-Grube. Das Hauptaugenmerk lag auf der Integration der Schächte Johanna und Berve, aber zu der von ihm geleiteten Struktur gehörte auch die Lithandragrube in Friedenshütte (Nowy Bytom). Die Einheit Johanna-Berve erreichte eine Förderung von bis zu 15.000 Tonnen Kohle täglich – ein Ergebnis, das das gigantische Ausmaß der Produktionskonzentration verdeutlicht.

In dem Komplex wurden auch Lösungen eingeführt, die als „Panzerjohanna“ bezeichnet wurden. Ihre Bedeutung gliederte sich in das breitere Mechanisierungsprogramm der Schaffgotsch-Werke ein. Stephan baute ein System, in dem Gewinnung, horizontaler Transport und vertikale Förderung in einem Rhythmus arbeiten sollten, ohne Engpässe, die die Leistungsfähigkeit der gesamten Grube einschränkten.

Berve-Schacht der Gräfin-Johanna-Grube in Bobrek
Berve-Schacht des Grubenkomplexes Gräfin Johanna in Bobrek, in Betrieb genommen 1938 unter der Leitung von Carl-Heinz Stephan.

Schächte Godulla und Arthur – Modernisierungen und neue Herausforderungen

Ein weiteres großes Unterfangen war die grundlegende Modernisierung des Godullaschachtes, der zur Gotthardgrube (später Zeche Karol in Orzegów) gehörte. Nach zwei Jahren Bauzeit nahm Stephan am 1. Oktober 1941 die vollständig modernisierte Schachtanlage in Betrieb und stattete sie mit hochleistungsfähigen Skip-Förderanlagen aus. Das Projekt war eine Weiterentwicklung der Erfahrungen, die bei der Mechanisierung der Grube in Bobrek gesammelt wurden.

Stephan leitete auch den Ausbau und die Erschließung von Tiefenflözen im Raum Friedenshütte und Kochlowitz, wo Arbeiten am Abteufen und zur Modernisierung von Förder- und Wetterschächten durchgeführt wurden, darunter der Wirek-Schacht und der Graf-Arthur-Schacht. Aufgrund der komplizierten Eigentumsverhältnisse (an der Schnittstelle der Abbaufelder der Schaffgotschs, Ballestrems und Donnersmarcks) erforderten diese Investitionen äußerste Präzision. All diese Vorhaben bildeten ein Programm: das Fördervolumen erhöhen, die Transportwege verkürzen und die Arbeit des Betriebes auf mechanische Lösungen stützen, die zu einem ununterbrochenen Betrieb in der Lage sind.

Der Direktor auf der Barbarafeier: „Aqua pieronnata“ und Wellwurst

Technische Strenge bedeutete keine Distanz zur Belegschaft. Während der Feierlichkeiten zum Barbaratag in Bobrek-Karf marschierte Stephan zu Fuß gemeinsam mit den Bergleuten von der Kirche zum Grubengelände. Er beobachtete das Fest nicht aus dem Auto oder von der Ehrentribüne der Direktion aus – er nahm als Mitglied der Grubengemeinschaft daran teil.

Quellen haben auch ein vertrauteres Bild des Direktors bewahrt, der gerne mit den Bergleuten einen Schnaps, scherzhaft „Aqua pieronnata“ genannt, trank und schlesische Wellwurst aß. Diese Anekdote ersetzt nicht die Geschichte seiner Leistungen, zeigt aber sehr gut, warum er den Respekt der Belegschaft genoss. Er konnte die Sprache von Berechnungen sprechen, ohne den Kontakt zu den Bräuchen der Grube zu verlieren.

Verhaftung und ein schwerer Neuanfang nach dem Krieg

Das Ende des Krieges unterbrach die schlesische Phase seiner Karriere. Im September 1945 wurde Stephan von den Russen im mitteldeutschen Raum verhaftet. Nach acht Wochen wurde er freigelassen. Es war einer jener Momente, in denen die bisherige berufliche Stellung und das Erreichte angesichts des Nachkriegschaos keine Bedeutung mehr hatten.

Im Jahr 1947 zog er nach Bottrop und trat in die Dienste der Rheinischen Stahlwerke. An seinem neuen Ort begann er jedoch nicht bei null. Er brachte die Erfahrung aus dem Bau mechanisierter Bergwerke, dem Management riesiger Abbaukomplexe und der Arbeitsorganisation unter enormem Produktionsdruck mit.

Rheinstahl und die Industrie des Ruhrgebiets

In den Rheinischen Stahlwerken, und anschließend in der Rheinstahl Bergbau AG, stieg Stephan in den Kreis der wichtigsten Manager des Ruhrbergbaus auf. Von 1967 bis 1970 fungierte er als Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft. Er war für ein Unternehmen verantwortlich, das Zechen, Kokereien und Energieanlagen umfasste – ein Gefüge von weitaus größerem Ausmaß als der schlesische Komplex Johanna-Berve, das jedoch auf einem ähnlichen Integrationsprinzip beruhte.

Zu den Schlüsselinvestitionen gehörte die Zentralkokerei in Bottrop. Im Jahr 1961 wurde das 150-MW-Rheinstahl-Kraftwerk in Marl in Betrieb genommen. Ein Jahr später, 1962, wurde die untertägige Verbindung des neuen Wetterschachtes Prosper IV in Kirchhellen mit der Zeche Prosper III fertiggestellt. Dies waren Unterfangen, die ein Denken in Netzwerken von Förderung, Energie und Kohleverarbeitung erforderten, nicht nur in einzelnen Betrieben.

Zeche Prosper III an der Rheinstahlstraße in Bottrop
Die ehemalige Zeche Prosper III an der Rheinstahlstraße in Bottrop. Im Jahr 1962 wurde sie unter Tage mit dem neuen Wetterschacht Prosper IV in Kirchhellen verbunden.Foto: Heinrich Jung; Quelle: WAZ, nach dem Bildband von Stoffels.

Ein Zuhause für Ankömmlinge aus Schlesien

Die Nachkriegstätigkeit von Stephan hatte auch eine soziale Dimension. Im Jahr 1947 wurde er in den Vertriebenenbeirat der Stadt Bottrop gewählt. Ab 1950 fungierte er als stellvertretender Landesverbandsvorsitzender und vertrat das Milieu der Ankömmlinge aus dem Osten, darunter auch der Oberschlesier.

In den Jahren 1957–1958 gründete er eine Wohnungsbaugesellschaft, die speziell für Flüchtlinge und Spätankömmlinge aus Oberschlesien gedacht war. In diesem Projekt zeigte sich besonders deutlich das Erbe von Bernhard Stephan. Der Vater hatte Siedlungen und Hilfe für Arbeiterfamilien auf den Gütern der Schaffgotschs organisiert; der Sohn half – bereits in einer anderen Epoche und in einem anderen Land – den Menschen, die ihre heimatlichen Orte verloren hatten, ein neues Zuhause zu schaffen.

Bottrop wurde für Stephan zu einer zweiten Heimat, ersetzte aber nicht die Erinnerung an Schlesien. Sein Engagement im Vertriebenenmilieu und die spätere Ehrung durch die Stadt zeigen, dass es ihm gelang, beide Räume zu verbinden: den Ort seiner Herkunft und den Ort seiner Nachkriegsarbeit.

Auszeichnungen und das Gedenken der Stadt

Im Jahr 1959 wurde Stephan in den Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem aufgenommen, in dem er den Rang eines Großoffiziers erreichte. Im Jahr 1965 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse. Er wurde zudem mit dem Ehrenring der Stadt Bottrop ausgezeichnet.

Seinen Namen erhielt eine Straße in Bottrop, die über das Gelände der ehemaligen Zeche Prosper III führt. Die Carl-Heinz-Stephan-Straße ist also keine zufällige Namenspatenschaft. Sie befindet sich in dem industriellen Raum, mit dem er als Manager und Mitgestalter der Nachkriegsmodernisierung der Stadt verbunden war.

Wichtigste Karrierestationen und Errungenschaften

  • 1928 – Diplom-Hauptprüfung nach dem Studium in Clausthal und an der TH Breslau.
  • 1929/1931 – Patent DE530813C für nachgiebigen Grubenausbau.
  • 1932 – Bergassessor nach Ablegung der großen Staatsprüfung.
  • 1934 – stellvertretender Bergwerksdirektor der „Gräfin-Johanna-Grube“
  • 1935 – Bergwerksdirektor der „Gräfin-Johanna-Grube“ in Bobrek.
  • 1938 – Inbetriebnahme des Berve-Schachtes mit Skip-Förderanlagen und weitreichender Mechanisierung.
  • 1940 – Promotion in Berlin unter der Betreuung von Professor Niemczyk.
  • 1941 – Leitung der Betriebseinheit Johanna-Berve, die eine Produktion von 15.000 Tonnen Kohle täglich erreichte.
  • 1. Oktober 1941 – Modernisierung des Godullaschachtes (Gotthardgrube/Karol-Grube) und Inbetriebnahme der Skip-Förderanlagen.
  • Investitionen im Raum Friedenshütte und Kochlowitz, einschließlich der Erschließung von Flözen durch die Schächte Wirek und Graf-Arthur.
  • 1957–1958 – Wohnungsbaugesellschaft für oberschlesische Spätankömmlinge in Bottrop.
  • 1961 – Rheinstahl-Kraftwerk in Marl mit einer Leistung von 150 MW.
  • 1962 – Verbindung von Prosper IV mit Prosper III durch eine untertägige Strecke.
  • 1967–1970 – Vorstandsvorsitzender der Rheinstahl Bergbau AG.
  • Auszeichnungen: Großoffizier des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Bundesverdienstkreuz 1. Klasse sowie Ehrenring der Stadt Bottrop.
  • Gedenken: Carl-Heinz-Stephan-Straße in Bottrop.

„In deinen Händen steht meine Zeit“

Carl-Heinz Stephan starb am 8. August 1989 in Bottrop – genau fünfundsiebzig Jahre nach dem Tod seines Vaters. Seine Frau Gertrud setzte den 31. Psalm in seine Todesanzeige: „In deinen Händen steht meine Zeit“. Er wurde auf dem Parkfriedhof in Bottrop beigesetzt.

Er wurde am 24. November 1989 unter dem Klang einer alten Schachtglocke aus Tarnowitz verabschiedet. Diese Geste beendete die Biografie eines Mannes, der einen großen Teil seines Lebens im westdeutschen Bergbau verbrachte, aber bis zuletzt mit dem Ort verbunden blieb, an dem er gelernt hatte, die Grube zu verstehen.

Er hinterließ Schächte, Zechen, Energieanlagen und technische Lösungen. Sein Erbe erschöpft sich jedoch nicht allein in der Maschinengeschichte. Stephan verstand die Industrie als ein System, in dem Technik, Organisation und die Lebensbedingungen der Menschen voneinander abhängig sind. Bernhard Stephan versuchte, den Bergbau sozial verantwortungsvoller zu machen. Carl-Heinz machte ihn mechanisierter, konzentrierter und effizienter – ohne dabei zu vergessen, dass unter Tage und rund um die Zeche immer Menschen lebten.

Biografische Zusammenstellung für flaczek.com © 2026.
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