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Achtseitiger Bildstock in Schomberg. Geschichte, Legenden und das Rätsel seines Verschwindens

Stylizowana wizualizacja ośmiobocznej kapliczki w Szombierkach pośród brzóz

Achtseitiger Bildstock in Schomberg inmitten von Birken — historische Visualisierung
Historische Visualisierung des achtseitigen Bildstocks in Schomberg, erstellt auf der Grundlage von vier originalen Archivfotografien. (Eigene Bearbeitung basierend auf fotopolska.eu).

Wenn man heute die viel befahrene Straße vom Zentrum Beuthens (Bytom) nach Schomberg (Szombierki) passiert, denkt man selten darüber nach, was sich hier vor Jahrhunderten befand. Doch noch vor relativ kurzer Zeit stand in der Nähe dieser Straße, auf einer kleinen Birkengruppe, ein rätselhaftes Objekt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts führten lokale Geschichtsliebhaber in der Presse erbitterte Debatten über diesen scheinbar gewöhnlichen Bildstock. Er barg in sich Geschichten von einer tödlichen Epidemie, Volksmagie und einem sagenumwobenen russischen General. Er überstand beide Weltkriege, um schließlich 1966 aus der Landschaft zu verschwinden, als er in die Lehmgrube der örtlichen Ziegelei abrutschte.

Quellenhinweis

Die Überlieferungen über die Entstehung dieses Bildstocks sind späten Datums und teilweise legendär. Daher trenne ich im Folgenden das, was aus historischen Quellen und späteren Berichten hervorgeht, von dem, was zur lokalen Sage gehört.

Der achtseitige Wächter der Straße auf der Birkengruppe

Wie aus Berichten hervorgeht, die 1924 in der historischen Beilage „Aus dem Beuthener Lande“ sowie in späteren Ausarbeitungen von Józef Larisch veröffentlicht wurden, befand sich das Objekt auf der linken Seite der Chaussee, die von Beuthen nach Schomberg führte (nahe der Kreuzung mit der heutigen Kamienna-Straße). Es handelte sich um einen massiven, gemauerten und grau verputzten Bildstock in Form eines Turms, der auf einem achteckigen Grundriss errichtet wurde. Den Beschreibungen zufolge war er etwa 1,6 Meter breit und rund 3,5 Meter hoch, gekrönt von einem kleinen, spitzbogigen Dach.

Etwa einen halben Meter unterhalb des Daches befanden sich acht kleine Nischen. Ursprünglich war in jeder von ihnen ein auf Blech gemaltes religiöses Bild angebracht. Doch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Zahn der Zeit nur einige Darstellungen verschont: Maria mit dem Kinde, den hl. Joseph sowie Christus mit dem Lamm. Der Rest war fast völlig verblasst, und aus einer Nische soll das Blech komplett verschwunden sein. Woher stammte dieses Bauwerk auf dem Schomberger Feld? Auf diese Frage gab es jahrelang keine eindeutige Antwort.

Theorie I: Opfer des „hitzigen Fiebers“ von 1737

Herbstliche Landschaft, die die Epidemie von 1737 symbolisiert — illustrative Visualisierung
Visualisierung: Im Jahr 1737 verwüstete das „hitzige Fieber“ die Gegend. Die Sage besagt, dass die Kranken im Fieberwahn auf die Felder liefen, wo sie nach ihrem Tod an den Orten begraben wurden, an denen sie niederfielen.

Eine der Interpretationen, abgeleitet aus der alten Chronik von Franz Gramer und späteren regionalen Schriften, brachte den Bildstock mit der Epidemie von 1737 in Verbindung. In der Quelle selbst taucht der Begriff hitziges Fieber auf; erst spätere Ausarbeitungen versuchten, dies mit Typhus gleichzusetzen. Der Überlieferung nach starben innerhalb von vier Monaten etwa 300 Menschen.

Die lokale Sage, die von alten Chronisten zitiert wurde, zeichnete ein sehr suggestives Bild jener Tage. Es wurde erzählt, dass die Kranken, verzehrt von hohem Fieber und Wahnvorstellungen, aus ihren Betten sprangen, aus den Häusern rannten und vor sich hin liefen – den Erzählungen zufolge sogar bis zu einer Achtelmeile weit. Wenn sie tot vor Erschöpfung auf den Feldern oder an den Wegen zusammenbrachen, sollen sie genau dort begraben worden sein, wo sie ihren letzten Atemzug taten. Die Angehörigen der Opfer stifteten später an solchen Orten Bildstöcke oder andere Gedenkzeichen.

Gramer selbst stand dieser Geschichte vorsichtig gegenüber, da die Form der Schomberger Säule auf einen älteren Ursprung als das 18. Jahrhundert hindeuten könnte. Weder die damaligen Gemeindebehörden noch die Gutsverwaltung konnten das Rätsel lösen – zumindest den Berichten vom Beginn des 20. Jahrhunderts zufolge wurden damals keine Dokumente vorgelegt, die den Ursprung des Objekts geklärt hätten.

Theorie II: Blitzschlag, sieben Kinder und schlesische Magie

Gewitter über der Baumgruppe in Schomberg — Visualisierung der Legende vom Blitzeinschlag
Visualisierung: Eine alte schlesische Sage erzählte, dass ein Blitz in die Baumgruppe einschlug, unter der Kinder Schutz gesucht hatten. Man versuchte die Opfer zu retten, indem man sie in der Erde vergrub, damit diese die zerstörerische Kraft „herausziehe“.

Eine völlig andere Geschichte bewahrte die lokale Tradition, die später von Józef Larisch notiert wurde. Dieser Sage nach suchte nach dem Dritten Schlesischen Krieg, also nach 1763, ein außergewöhnlich heftiges Gewitter die Gegend heim. Auf dem Weg vom Schwarzwald (Czarny Las) und Schomberg befand sich damals eine Gruppe von Kindern, die zur Marienkirche in Beuthen zum Religionsunterricht unterwegs war. Auf der Suche nach Schutz liefen sie auf eine nahe gelegene Anhöhe unter eine Baumgruppe.

Ein heftiger Blitzeinschlag soll sieben von ihnen getötet haben. Dies gehört eindeutig in den Bereich der Volkssage, aber gerade deshalb ist diese Überlieferung so faszinierend. Die Erwachsenen versuchten angeblich, die Opfer zu retten, indem sie sie in der Erde vergruben, damit diese den „Blitz herausziehe“, also dem Körper die zerstörerische elektrische Kraft entziehe. Als diese alte Maßnahme wirkungslos blieb, sollen die Kinder auf dem Hügel begraben und über ihrem Grab der Bildstock errichtet worden sein.

Die Legende erklärte auch die Auswahl der Bilder in den acht Nischen. In sieben von ihnen sollten sich die Bildnisse der Schutzheiligen befinden, die den Vornamen der verstorbenen Kinder entsprachen: Maria, Margarethe, Thekla, Antonius, Ignatius, Joseph und Petrus. Die achte Nische soll der Gute Hirte eingenommen haben.

Theorie III: Ein angeblicher russischer General und eine Glocke mit dem Datum 1700

Alte Glocke mit dem Datum 1700 vor dem Hintergrund eines Gutshofes — illustrative Visualisierung
Visualisierung: Nach einem Bericht von 1924 blieb von einem abgerissenen Sakralbau eine Glocke mit dem Datum 1700 erhalten. Sie soll als Arbeitsglocke auf das Schomberger Gut gekommen sein.

Im Jahr 1924 erschien in der Beilage „Aus dem Beuthener Lande“ eine weitere, weitaus fantasievollere Version. Josef Henne behauptete, dass der kleine, achtseitige Bildstock keine eigenständige Kapelle war, sondern der erhaltene Überrest eines größeren Sakralbaus aus dem 17. Jahrhundert. Dieser Erzählung zufolge wurde dort ein russischer General namens Schombierski begraben, der angeblich auf diesen Feldern während der Kämpfe mit den Tataren gefallen war. Von seinem Nachnamen soll sich der Name der Siedlung abgeleitet haben.

Dies ist ein klassisches Beispiel für Volksetymologie. Der Name Schomberg ist viel früher belegt und wird meist mit der alten Form Schoenenberg/Schönberg in Verbindung gebracht, sodass die Legende über den General den Ursprung des Ortes nicht erklärt.

Dennoch enthält Hennes Bericht ein faszinierendes materielles Detail. Der Autor behauptete, dass aus dem abgerissenen Bauwerk eine Glocke erhalten blieb, die auf das nahe gelegene Gut (Dominium Schomberg) gebracht wurde. Sie soll die große Jahreszahl 1700 und die Worte „Jesus Maria“ getragen haben. Wenn dieser Bericht zutrifft, wurde sie später nicht mehr sakral genutzt, sondern als gewöhnliche Arbeitsglocke, um die Menschen zur Arbeit auf dem Gutshof zu rufen.

Theorie IV: Napoleonische Soldaten, ein ertrunkenes Gespann und versteckte Taler

Ein äußerst wertvolles Zeugnis dafür, wie sich die lokale Erinnerung in der Zwischenkriegszeit entwickelte und veränderte, ist ein Ausschnitt aus der deutschsprachigen Presse mit dem Titel „Ein hundertjähriger Bildstock zwischen Schomberg und der Hohenzollerngrube“. Verfasst wurde er von einem Maschinisten namens Strzala (Masch.-Wärter Strzala), einem Mitarbeiter der Hohenzollerngrube (Szombierki). Sein Ziel war es, die Bergleute zu sensibilisieren, damit sie auf dem Weg zur Schicht nicht achtlos an diesem legendenumwobenen Ort vorbeigehen.

Der Autor der damaligen Publikation zitiert Varianten von Sagen, die den freien Umgang der Einwohner mit der Gestaltung der lokalen Geschichte zeigen:

  • Das Grab der Soldaten von 1813: Der Autor beruft sich auf die Gramer-Chronik, verändert deren Sinn jedoch völlig. Gramer schrieb über die Opfer der Epidemie von 1737, während wir in Strzalas Artikel erfahren, dass nach der Schlacht an der Katzbach etwa 300 verwundete Franzosen, Russen und Preußen nach Beuthen kamen, an Typhus starben und der Bildstock angeblich auf ihrem mit Kalk zugeschütteten Massengrab stand.
  • Der Schatz der Familie Cygan: Um diesen napoleonischen historischen Faden glaubwürdiger zu machen, erinnert der Ausschnitt an ein Ereignis aus dem Jahr 1924, als bei Schachtarbeiten auf dem Grundstück der Familie Cygan in Schomberg ein Topf mit silbernen Talern aus dem Jahr 1812 ausgegraben wurde, die vor den französischen Truppen versteckt worden waren.
  • Ein ertrunkenes Gespann: Ein völlig neues Motiv taucht auf — einer der Sagen zufolge befand sich an der Stelle des Bildstocks einst ein Tümpel, in dem ein ganzes Pferdegespann mitsamt den Menschen ertrank („ein Gespann mit Mann und Maus umgekommen ist“).
  • Verzerrte Varianten anderer Mythen: Der Autor merkt an, dass das Objekt ein Dankeszeichen nach der Choleraepidemie im 19. Jahrhundert gewesen sein könnte. Er ruft auch die Legende von den vom Blitz getroffenen Kindern ins Gedächtnis, mit dem Unterschied, dass sie in seiner Erzählung nicht zum Religionsunterricht unterwegs waren, sondern dort einfach Gänse hüteten (beim Gänsehüten).

Dieser historische Presseanhang ist ein perfektes Beispiel dafür, wie harte Fakten fließend mit der Volksfantasie verschmolzen und erstaunliche, völlig von den Quellen losgelöste mythische Geschichten schufen, die in der lokalen Gemeinschaft kursierten.

Der Bildstock aus den Sagen und die echte St.-Josephs-Kapelle

Wenn man sich in die verworrene Vergangenheit der Schomberger Denkmäler vertieft, ist Wachsamkeit geboten. Der geheimnisvolle Bildstock am Straßenrand wird manchmal mit einem anderen, für diesen Ort zentralen Objekt verwechselt — der gemauerten Kapelle des hl. Joseph und der Jungfrau Maria, in der jahrelang die berühmte „Beuthener Madonna“ aufbewahrt wurde. Wenn Sie an den historischen und dokumentierten Schicksalen dieses zweiten, viel größeren Objekts interessiert sind — dessen Stifter und langjähriger Glöckner übrigens mein Ururgroßvater, der Gemeindevorsteher Simon Flatzek, war —, lade ich Sie ein, die separaten Artikel zu lesen:

Quellen und Bibliografie

  • Gramer Franz, Chronik der Stadt Beuthen in Ober-Schlesien, Beuthen 1863, S. 194–195.
  • Graba Joseph, Oberschlesische Heimat, Jahrgang VI, 1910, S. 22–23 (Erwähnungen basierend auf der Gramer-Chronik).
  • Henne Josef, Die Kapelle an der Schomberger Chaussee, in: „Aus dem Beuthener Lande”, Nr. 19, Beuthen, 21. Mai 1924.
  • Larisch Józef, Szombierki. Zarys rozwoju dzielnicy, Bytom 1989, S. 153–155.
  • Strzala, Ein hundertjähriger Bildstock zwischen Schomberg und der Hohenzollerngrube, in: „Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt”, Nr. 7/8 (Juli/August), 1975, S. 52.
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