
Die Schomberger Jungfrau Die Geschichte der Mariensäule, von Johann Janda und dem verschollenen Original
Die heutige Skulptur in Schomberg ist eine direkte Fortsetzung der alten Anlage, wenn auch in veränderter Form. Um ihre wahre Geschichte kennenzulernen, muss man in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückgehen und deutsche Presseberichte, Erinnerungen sowie spätere Berichte heranziehen, die es ermöglichen, Fakten von wiederholten Ungenauigkeiten zu trennen.
Eine Stiftung aus Sehnsucht nach der Jugendzeit
Die Initiatorin der Errichtung der Statue war Gräfin Johanna Schaffgotsch, die berühmte Erbin des Vermögens von Karl Godulla. Aus Dankbarkeit für die in Schomberg verbrachte Jugendzeit gab sie das Denkmal in Auftrag. Der direkte Anlass für die Errichtung des Denkmals im Jahr 1864 war der Umzug der Familie in das neue Palais in Breslau (an der Ecke Schweidnitzer Stadtgraben und Neue Taschenstraße). Für die Skulptur zahlte ihr Ehemann, Graf Hans Ulrich Schaffgotsch, die runde Summe von etwa 300 Talern.
Die Zeitschrift Schlesische Provinzialblätter. Neue Folge aus dem Jahr 1864 berichtet, dass der Graf die Statue an der Schomberger Straße in der Nähe des Bahnhofs Morgenroth (heute Chebzie) an einem „gut gewählten Ort“ aufstellen ließ. Aus späteren Berichten geht hervor, dass es sich um eine von Bäumen gesäumte Straße handelte, die in Richtung der damaligen Staatsgrenze zum unter russischer Herrschaft stehenden Königreich Polen führte.
Interessanterweise wurde der künstliche Hügel für die Statue bereits drei Jahre zuvor, im Jahr 1861, aufgeschüttet. Dazu wurde Erde aus dem Umbau und der Verbreiterung der nahe gelegenen Godullahütter Straße verwendet. Die Straßenbauarbeiten wurden aus privaten Mitteln der Gräflich Schaffgotsch’schen Werke finanziert, da diese Straße bis zur Ziehung der neuen Grenzen eine Schlüsselrolle als Hauptzufahrtsstraße zu den Werken in Orzegow und Morgenroth spielte.
Standort: Die Statue stand ursprünglich nicht an der heutigen Herz-Jesu-Kirche in Schomberg. Ihr heutiger Standort ist das Ergebnis einer Verlegung nach dem Krieg und der Anfertigung einer Replik, nachdem die originale Terrakottaskulptur zerstört worden war.
Ein Genie von der Weide: Johann Janda
Der Auftrag ging nach Berlin in das Atelier eines Bildhauers mit einem außergewöhnlichen Lebenslauf. Johann Janda wurde 1827 in Klein-Darkowitz (heute in Tschechien) als Sohn eines armen Tischlers geboren. Bevor er von den damaligen Eliten geschätzt wurde, übte er seine Kunst, indem er beim Kühehüten Holzfiguren schnitzte.
Das Talent des jungen Janda wurde vom örtlichen Bürgermeister bemerkt. Dies ebnete ihm den Weg zur weiteren Ausbildung: zuerst in Breslau und später in Dresden. Die Karriere des Künstlers nahm in der schwierigen Zeit des Völkerfrühlings Fahrt auf. Angesichts der revolutionären Unruhen war sein Gönner, Baron von Stücker, gezwungen, in die Schweiz zu emigrieren. Bevor dies jedoch geschah, half er Janda, nach Berlin unter die Fittiche des berühmten Christian Daniel Rauch zu gelangen.
Janda unternahm in den Jahren 1867–1868 auch eine Reise nach Italien und schuf erfolgreich Werke in verschiedenen Materialien: Holz, Metall, Elfenbein und Terrakotta. Genau aus geformtem und gebranntem Ton fertigte er 1862 die überlebensgroße Schomberger Marienstatue an. Das Monument wurde auf einer soliden Konstruktion errichtet: Auf drei Granitplatten wurde ein ein Meter hoher Betonsockel gegossen, der wiederum eine drei Meter hohe Sandsteinsäule trug.
Schockierende Farbgebung und Schutz aus Ton
Das ursprüngliche Aussehen des Werkes unterschied sich stark von dem, wie es Jahre später in Erinnerung blieb. Die Marienstatue war anfangs bunt (polychromiert) und ihre Krone erstrahlte in Vergoldung. Der Sockel des Denkmals war hingegen grau. Die aus späteren Jahren bekannte einheitliche, braune Beschichtung war in Wirklichkeit eine Schutzlackschicht, die erst später aufgetragen wurde, um die anfällige Terrakotta vor den schädlichen Einflüssen des schlesischen Wetters zu bewahren.
Die ursprüngliche Pressenotiz wurde in der für diese Epoche typischen, stark verkürzten Weise verfasst. Nach Auflösung der Abkürzungen lautet die vollständige Übersetzung wie folgt:
„Die Mariensäule aus gebranntem Ton, von hohem künstlerischen Wert, ein Werk Jandas in Berlin – der sich aus einem oberschlesischen, naturwüchsigen Talent zu einem hervorragenden Bildhauer entwickelt hat – ließ Graf Schaffgotsch in Schomberg, an der Schomberger Straße in der Nähe des Bahnhofs Morgenroth, an einem gut gewählten Ort errichten.“
Regen, Litanei und zwei Sprachen
Die feierliche Enthüllung und Einweihung des Werkes fand am 14. September 1864 statt. Von der örtlichen Kapelle in Schomberg, die an der alten Straße lag, setzte sich eine Prozession in Bewegung. Das Wetter spielte überhaupt nicht mit. Trotz eines gewaltigen Platzregens nahm der Graf selbst mit seiner Gemahlin, einer Menge von Gläubigen, gräflichen Beamten und Schulkindern an dem langen Zug teil. Für Letztere hatte der Graf eine besondere Überraschung vorbereitet – er stiftete aus diesem Anlass einen zusätzlichen Betrag von 50 Talern, der direkt für die schulischen Bedürfnisse der Jüngsten bestimmt war.
Vor Ort kam es zu einem schönen, symbolischen Moment, der in späteren Berichten festgehalten wurde. Die Zeremonie leitete der berühmte Beuthener Pfarrer Józef Szafranek (in den deutschen Chroniken als Pfarrer Schaffranek verzeichnet). Er war es, der zunächst eine Ansprache in polnischer Sprache an das versammelte Volk hielt und sich anschließend auf Deutsch an den Grafen wandte. Dieses Detail veranschaulicht gut die sprachliche und soziale Realität des damaligen Oberschlesiens: Das einfache Volk, die deutschsprachige Verwaltung und die aristokratischen Stifter funktionierten in einem einzigen, aber vielschichtigen Raum.
Demontage des Originals: Kugeln und Bienen
Die originale Terrakottastatue überdauerte an ihrem ursprünglichen Platz über ein Jahrhundert. Die Entscheidung, sie zu versetzen, wurde aus profanen Gründen getroffen. Im Juni 1968 wurde festgestellt, dass das Objekt den wachsenden Straßenverkehr behinderte.
Genau während der Verlegungsarbeiten kam es zur Zerstörung der über hundertjährigen Skulptur von Janda. Wie Franz Strzala im Jahr 1970 in den Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblättern berichtete, zerfiel die demontierte Terrakotta in Stücke. Dabei kam das ungewöhnliche Innere der Figur zum Vorschein: Die Skulptur war hohl, und diesen Raum hatte ein riesiger Bienenschwarm in Beschlag genommen.
Auf der Oberfläche der Statue wurden auch Einschusslöcher eines Gewehrs gefunden. Berichten zufolge könnten diese ein Andenken an die turbulenten Ereignisse der Schlesischen Aufstände oder an den Septemberfeldzug 1939 sein. Eines ist sicher: Das Terrakotta-Original trug Spuren einer Geschichte, die viel dramatischer war, als es aus der Perspektive eines ruhigen Wegkreuzes erscheinen mochte.
Ein neues Leben an der Kirche
Die Terrakottastücke waren nicht mehr zu retten. So wurde die Anfertigung einer Replik in Auftrag gegeben, und diese Aufgabe übernahm eine berühmte Werkstatt aus Deutsch Piekar (Piekary Śląskie). Im Herbst 1969 wurde die neue, diesmal bemalte Marienstatue östlich der Schomberger Herz-Jesu-Kirche aufgestellt.
Wissenswertes: Die Piekarier Werkstatt der Familie Schaefer
Für die Anfertigung der neuen Skulptur war die renommierte Werkstatt für kirchliche Kunst von Kazimierz Schaefer (in den deutschen Archivalien oft abgekürzt als K. Schaefer) verantwortlich. Dies ist ein wichtiges historisches Detail, da dieser Name in späteren Jahren in der Presse oft verfälscht wurde (z. B. als „Schaffer“). Die Familie Schaefer führte in Deutsch Piekar eine äußerst verdiente Bildhauerwerkstatt, aus der viele wunderbare Werke hervorgingen, die schlesische Gotteshäuser schmücken.
Erhalten blieb hingegen der originale, massive Sockel der alten Anlage. Bis heute kann man die in den Stein gemeißelte lateinische Inschrift lesen:

Aktueller Zustand: Polychromierte Replik auf dem originalen Sockel bei der Schomberger Kirche.
Fakten und Mythen rund um die Schomberger Statue
Die Erforschung der Lokalgeschichte erfordert oft eine geduldige Überprüfung der in der späteren Presse veröffentlichten Informationen. Ein gutes Beispiel ist ein Artikel aus einer lokalen Wochenzeitung aus dem Jahr 1999, der durch Ungenauigkeiten den Ursprung für einige später wiederholte Behauptungen bildete. Was genau lässt sich anhand älterer Quellen korrigieren?
Mythos über das Datum der Zerstörung
Manchmal findet man die Information, dass die Skulptur bereits 1868 zerstört wurde. Dies ist fast sicher ein Druckfehler oder ein sogenannter Zahlendreher. Das Original wurde während der Verlegung im Jahr 1968 demontiert und zerstört.
Mythos über den Standort
Gelegentlich wird behauptet, die Statue habe früher auf dem Dach eines Schuppens an der Godullastraße in Ruda Śląska gestanden. Dies ist höchstwahrscheinlich die Folge einer falschen Interpretation des deutschen Namens Godullahütter Landstraße, also der Landstraße, die in Richtung der Godullahütte führte. Die Skulptur stand von Anfang an auf einer hohen Säule an der Straße in der Nähe des Bahnhofs Morgenroth.
Wenn Sie das nächste Mal an der Schomberger Kirche vorbeigehen, lohnt es sich, nach oben zu schauen. Dort befindet sich nicht nur ein religiöses Symbol, sondern ein greifbares Zeugnis der komplexen Geschichte des industriellen Schlesiens: die Erinnerung an die Familie Schaffgotsch, das Schicksal des verschollenen Werkes von Johann Janda, das Echo alter Grenzen, von Kriegseinschusslöchern und außergewöhnlichen Bienen, die sich einst im hohlen Inneren der Terrakottastatue versteckten.
Quellen und Archivmaterialien
- Schlesische Provinzialblätter. Neue Folge, Bd. 3, 1864, S. 737–738.
- Der Schwarze Adler, Jg. 3, Nr. 1, Januar 1921, Rubrik: Gedenktage im Januar.
- Oberschlesien im Bild, Nr. 31, 27. Juli 1928, Artikel: Johann Janda, ein Bildhauer unserer Heimat.
- Franz Strzala, Die Marienstatue in Schomberg, in: Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt, Nr. 11, November 1970, S. 30–31.
- Schomberger Bilderbogen: Marienstatue in Schomberg, in: Gleiwitzer – Beuthener – Tarnowitzer Heimatblatt, Nr. 9, September 1981, S. 33.
- Ernst Kotzbik, Die Mariensäule in Schomberg, in: Schaffgotsch Werks-Zeitung, 1935, Jg. 3, Nr. 4.
- Fotodokumentation aus den Jahren 1920–1930 sowie zeitgenössische Sammlungen.



